Santa Maria dei Miracoli: Der Marmorschrein

Why is it significant?

Stell dich an den Rand des Campiello und schau: eine ganze Kirche, umhüllt von Marmor in Rosa, Grau, Weiß und Grün, mit runden Scheiben aus Porphyr wie eingelegte Edelsteine. Eine Seite steigt direkt aus dem Wasser des Kanals.

Key Facts

PlaceSanta Maria dei Miracoli: Der Marmorschrein
AddressCampo dei Miracoli, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy
Geo Coordinates45.43950, 12.33930
Part of WalkVenedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel
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Stell dich an den Rand des Campiello und schau: eine ganze Kirche, umhüllt von Marmor in Rosa, Grau, Weiß und Grün, mit runden Scheiben aus Porphyr wie eingelegte Edelsteine. Eine Seite steigt direkt aus dem Wasser des Kanals. Santa Maria dei Miracoli ist klein, aber wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie nicht.

Am Anfang war ein Bild. Eine Madonna, gemalt um 1409, hing an einer Hauswand in der Nähe, und um 1480 begann man, ihr Wunder zuzuschreiben, so erzählt die Überlieferung. Spenden flossen in solchen Mengen, dass man ihr ein eigenes Haus bauen konnte. Zwischen 1481 und 1489 errichtete der Bildhauer und Architekt Pietro Lombardo mit seinen Söhnen diese Kirche, als Schrein für ein einziges kleines Gemälde. Die Kirche wurde also nicht für eine Pfarrei gebaut, sondern für ein Bild, und dieses Bild ist bis heute in ihr zu sehen.

Die Marmorplatten sollen, so heißt es, von Resten anderer Bauten stammen, sogar vom Markusdom. Ob das stimmt, weiß niemand genau, aber die Geschichte passt zu Venedig, der Stadt, die alles wiederverwertet. Achte auf die Pilaster am Eingang: winzige Meerwesen, Ranken, Kinderköpfe, alles so fein gemeißelt, als wäre es aus Elfenbein. Innen ist die gewölbte Decke mit Dutzenden Bildnissen von Propheten in vergoldeten Kassetten bedeckt.

Die Venezianer nennen sie liebevoll eine Hochzeitskirche, viele lassen sich hier trauen. Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie über ein Jahrzehnt lang restauriert, weil das salzige Wasser im Marmor aufstieg und ihn von innen zerfraß. Ein Schrein aus Stein, der in einer Stadt aus Wasser steht und von diesem Wasser langsam aufgezehrt wird... das ist Venedigs ewiger Widerspruch, im Kleinen.

Weiter geht es nach Westen. Folge den Gassen über ein, zwei Brücken Richtung Strada Nova, bis du auf einen lebhaften Campo mit einem hohen Glockenturm kommst. Dreh dich von der Brücke aus noch einmal um: Von dort sieht die Kirche aus, als würde sie auf dem Wasser schwimmen. Dort, wohin du gehst, kreuzen sich die Wege aller, die zwischen Bahnhof und Rialto unterwegs sind, und dort ruht der Vater einer Königin.

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