I Gesuiti: Vorhänge aus Marmor

Why is it significant?

Vor dir türmt sich eine Fassade aus weißem Stein, Säulen, Giebel und ganz oben Engel und Heilige, die sich in den Himmel recken. Der Campo davor ist breit und oft windig, denn gleich dahinter beginnt die offene Lagune mit der Friedhofsinsel San Michele.

Key Facts

PlaceI Gesuiti: Vorhänge aus Marmor
AddressCampo dei Gesuiti, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy
Geo Coordinates45.44330, 12.33910
Part of WalkVenedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel
GeneratedGenerated

Open the walk

Vor dir türmt sich eine Fassade aus weißem Stein, Säulen, Giebel und ganz oben Engel und Heilige, die sich in den Himmel recken. Der Campo davor ist breit und oft windig, denn gleich dahinter beginnt die offene Lagune mit der Friedhofsinsel San Michele. Das ist Santa Maria Assunta, die alle Venezianer nur I Gesuiti nennen, die Jesuiten. Geh hinein, wenn sie geöffnet ist, und bleib im Mittelschiff stehen. Du wirst glauben, jemand habe die ganze Kirche mit grün-weißem Damast ausgeschlagen.

Die Jesuiten und Venedig, das war eine schwierige Beziehung. 1606 verhängte der Papst das Interdikt über die Republik, und als die Jesuiten sich auf die Seite Roms stellten, wies Venedig sie aus. Erst 1657 durften sie zurückkehren. Sie kauften die Kirche eines aufgelösten Ordens, der Kreuzträger, und ließen sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Grund auf neu bauen, prächtig, laut und selbstbewusst.

Jetzt geh zu einer Säule oder zur Kanzel und leg die Hand darauf. Kalt. Hart. Das ist kein Stoff, das ist Marmor. Die Vorhänge, die Falten, die Quasten, die schweren Draperien an der Kanzel, alles ist aus Einlegearbeiten in grünem und weißem Marmor gemacht, so fein geschnitten, dass das Auge sich weigert, es zu glauben. Ein barocker Scherz, über den man seit dreihundert Jahren staunt.

Und dann, am ersten Altar links, ein Bild, das ganz anders ist: Tizians Martyrium des heiligen Laurentius, um 1558 gemalt. Es ist Nacht. Ein Feuer brennt unter dem Rost, auf dem der Heilige liegt, Fackeln flackern, ein Lichtstrahl fällt von oben. Tizian malte hier eine der ersten großen Nachtszenen der venezianischen Kunst, und das Licht scheint aus dem Bild selbst zu kommen. Fast fünfhundert Jahre alt und noch immer unheimlich modern.

Von hier geht es nach Süden. Folge den Gassen Richtung Campo Santa Maria Nova, über eine Brücke oder zwei, und plötzlich stehst du vor einer Kirche, die aussieht wie ein Schmuckkästchen aus farbigem Marmor, umflossen von einem Kanal. Brautpaare lieben sie, und du wirst gleich verstehen, warum.

Nearby stories