Campo Santa Fosca und die Strada Nova: Sarpi und das Stilett
Why is it significant?
Du stehst auf dem Campo Santa Fosca, und um dich herum fließt der Strom der Strada Nova: breit, gerade, voller Menschen, ganz anders als die verwinkelten Gassen, durch die du gekommen bist. Auf einem Sockel steht ein Mönch in Bronze, im schlichten Ordensgewand, den Blick ernst.
Key Facts
| Place | Campo Santa Fosca und die Strada Nova: Sarpi und das Stilett |
|---|---|
| Address | Campo Santa Fosca, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.44310, 12.33200 |
| Part of Walk | Venedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel |
| Generated | Generated |
Du stehst auf dem Campo Santa Fosca, und um dich herum fließt der Strom der Strada Nova: breit, gerade, voller Menschen, ganz anders als die verwinkelten Gassen, durch die du gekommen bist. Auf einem Sockel steht ein Mönch in Bronze, im schlichten Ordensgewand, den Blick ernst. Das ist Paolo Sarpi, und er ist der richtige Mann, um diesen Spaziergang zu beenden.
Zuerst zur Straße. Die Strada Nova ist eine der wenigen breiten, geraden Straßen Venedigs, und sie ist jung. Nachdem Venedig 1866 Teil des Königreichs Italien geworden war, wurde sie zwischen 1867 und 1871 durch das Viertel gebrochen: Kanäle wurden zugeschüttet, Häuser abgerissen, damit man vom Bahnhof schneller zum Rialto kam. Die Eisenbahn veränderte sogar eine Stadt ohne Straßen.
Und nun zu Sarpi. Er war Servitenmönch, Gelehrter, Naturforscher und Freund Galileis, und während des päpstlichen Interdikts von 1606 der wichtigste Berater der Republik. Er vertrat die Ansicht, dass der Staat in weltlichen Dingen nicht dem Papst unterstehe. Im Oktober 1607, ganz in der Nähe, an der Brücke von Santa Fosca, fielen Attentäter über ihn her und stachen mit einem Stilett auf ihn ein. Er überlebte schwer verletzt.
Die Überlieferung legt ihm danach einen wunderbaren Satz in den Mund. Als man die Wunden untersuchte, soll Sarpi auf Latein gesagt haben: Ich erkenne den Stil der römischen Kurie. Stilus heißt Griffel, Schreibweise, und eben auch Stilett. Ein Wortspiel, gesprochen mit einer Wunde im Gesicht. Ob er es wirklich gesagt hat? Vielleicht nicht. Aber Venedig hat es nie vergessen, und Ende des 19. Jahrhunderts bekam er hier sein Denkmal.
Schau zurück auf deinen Weg: vom Ghetto, wo Menschen hinter Toren leben mussten, über Tintorettos Grab und die steinernen Mauren bis zu einem Mönch, der für die Unabhängigkeit seiner Republik beinahe gestorben wäre. Cannaregio ist das Venedig der Gegensätze. Wenn du der Strada Nova weiter nach Westen folgst, stehst du in wenigen Minuten wieder an der Ponte delle Guglie... und der Kreis schließt sich.