Campo dei Mori: Die steinernen Kaufleute

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Schau dich auf dem kleinen Campo um, und du entdeckst sie an den Hausecken: Männer aus Stein, mit Turbanen, langen Gewändern und ziemlich mürrischen Gesichtern. Drei stehen hier am Platz, ein vierter ein Stück weiter an der Fondamenta.

Key Facts

PlaceCampo dei Mori: Die steinernen Kaufleute
AddressCampo dei Mori, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy
Geo Coordinates45.44550, 12.33210
Part of WalkVenedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel
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Schau dich auf dem kleinen Campo um, und du entdeckst sie an den Hausecken: Männer aus Stein, mit Turbanen, langen Gewändern und ziemlich mürrischen Gesichtern. Drei stehen hier am Platz, ein vierter ein Stück weiter an der Fondamenta. Einer von ihnen trägt eine Nase aus Eisen, blank gerieben von unzähligen Händen. Willkommen auf dem Campo dei Mori, dem Platz der Mauren.

Wer waren sie? Die Überlieferung sagt: die Brüder Mastelli, Rioba, Sandi und Afani, Kaufleute aus der Morea, dem heutigen Peloponnes, die um 1112 nach Venedig kamen und hier ihren Palast bauten. Die Venezianer nannten sie Mori, Mauren, weil sie aus dem Osten kamen und Turbane trugen. Ihr Palazzo Mastelli steht noch am Rio della Madonna dell'Orto, mit einem Relief, das einen Mann mit einem Kamel zeigt.

Und dann gibt es die Legende, die man sich in Cannaregio lieber erzählt. Die Brüder sollen gierig gewesen sein. In einer Version kaufte eine Frau bei ihnen Stoff, und sie betrogen sie. Die Frau betete, und Gott hörte sie: Die Brüder erstarrten zu Stein, mitten in ihrem Geschäft. Seitdem stehen sie hier, als ewige Mahnung an alle Händler der Stadt, die Waage ehrlich zu halten.

Der mit der Eisennase heißt Sior Antonio Rioba, und er war Venedigs Spottfigur. Wie dem Pasquino in Rom heftete man ihm nachts anonyme Verse und Zettel an, bissige Witze über Mächtige und Beamte. Wer etwas zu sagen hatte, sich aber nicht traute, ließ es eben Sior Antonio sagen. Die eiserne Nase ersetzt die steinerne, die irgendwann verloren ging. Reib sie ruhig, man sagt, es bringe Glück.

Jetzt dreh dich zur Fondamenta dei Mori. Am Haus mit der Nummer 3399 erinnert eine Tafel daran, dass hier Tintoretto lebte und 1594 starb. Die steinernen Kaufleute dürften jeden Morgen seine ersten Zuschauer gewesen sein. Und nun geht es weiter nach Süden: über die Brücke zur Fondamenta della Misericordia und dann am Wasser entlang nach Osten, bis ein gewaltiger, roher Backsteinbau vor dir aufragt.

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