San Marcos: Der kleine Bruder der Giralda

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Vor dir ragt der Turm von San Marcos auf, und wenn er dir bekannt vorkommt, liegt das an seinem großen Bruder. Im oberen Teil überzieht ihn ein Netz aus Backsteinrauten, ein Muster, das die Spanier Sebka nennen und das du in groß an der Giralda wiederfindest.

Key Facts

PlaceSan Marcos: Der kleine Bruder der Giralda
AddressPlaza de San Marcos 10, 41003 Sevilla, Spain
Geo Coordinates37.39630, -5.98750
Part of WalkSevillas verborgene Altstadt: Von der Macarena über die Setas zur Casa de Pilatos
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Vor dir ragt der Turm von San Marcos auf, und wenn er dir bekannt vorkommt, liegt das an seinem großen Bruder. Im oberen Teil überzieht ihn ein Netz aus Backsteinrauten, ein Muster, das die Spanier Sebka nennen und das du in groß an der Giralda wiederfindest. Darunter öffnet sich ein Portal, in dem gotische Spitzbögen und maurische Ornamente ineinandergreifen.

San Marcos ist ein Musterbeispiel für das, was man in Sevilla Gotik-Mudéjar nennt. Christen bauten im 14. Jahrhundert ihre Kirchen, doch viele Handwerker und ihre Formen kamen aus der islamischen Tradition. Beim Turm geht man sogar noch weiter: Viele vermuten, dass in seinem unteren Teil das Minarett einer Moschee steckt, die vorher an dieser Stelle stand. Bewiesen ist das nicht, aber es würde passen... nach der christlichen Eroberung von 1248 wurden in Sevilla zahlreiche Moscheen zu Kirchen.

Und dann gibt es eine Geschichte, die man hier gern erzählt. Miguel de Cervantes, der viele Jahre in Sevilla lebte, soll gelegentlich auf diesen Turm gestiegen sein. Die einen sagen, er habe von oben nach einer Frau Ausschau gehalten, die ihm gefiel; die anderen, er habe einfach die Aussicht über die Dächer geliebt. Belegen kann es niemand. Aber es ist eine sehr sevillanische Legende: der größte Dichter Spaniens, heimlich auf einem Kirchturm.

Im Juli 1936, in den ersten Tagen des Bürgerkriegs, brannte San Marcos, wie mehrere Kirchen in diesen Arbeitervierteln im Norden der Altstadt. Das Feuer zerstörte Altäre, Bilder und Holzdecken. Bei der Restaurierung entschied man sich, die nackten Bögen und Mauern zu zeigen, und so ist das Innere heute schlichter und vielleicht ehrlicher als in vielen anderen Kirchen der Stadt. Die Narbe gehört zur Geschichte des Viertels. Und das Viertel weiß das: Wer hier wohnt, nennt die Kirche nicht einfach San Marcos, sondern spricht von ihr wie von einer alten Nachbarin, die viel durchgemacht hat und immer noch jeden Morgen ihre Glocken läutet.

Von hier gehst du nach Südwesten, durch ein paar Gassen bis zur Calle Dueñas. Dort wartet ein Tor, durch das du einen langen Gang siehst und, wenn du Glück hast, leuchtend violette Bougainvillea.

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