Calle Sierpes: Schlangen, Prozessionen & Cervantes
Why is it significant?
Du stehst in der Calle Sierpes, einer schmalen Fußgängerstraße, in der sich Fächerläden, Hutgeschäfte und Konditoreien aneinanderreihen. An ihrem nördlichen Ende, an der Plaza de la Campana, verkauft die Confitería La Campana seit 1885 Süßes.
Key Facts
| Place | Calle Sierpes: Schlangen, Prozessionen & Cervantes |
|---|---|
| Address | Calle Sierpes, 41004 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.39110, -5.99460 |
| Part of Walk | Sevillas verborgene Altstadt: Von der Macarena über die Setas zur Casa de Pilatos |
| Generated | Generated |
Du stehst in der Calle Sierpes, einer schmalen Fußgängerstraße, in der sich Fächerläden, Hutgeschäfte und Konditoreien aneinanderreihen. An ihrem nördlichen Ende, an der Plaza de la Campana, verkauft die Confitería La Campana seit 1885 Süßes. Im Sommer spannen die Sevillaner Sonnensegel quer über die Straße, und die Calle Sierpes wird zu einem langen, kühlen Zelt.
Sierpe heißt Schlange, und natürlich gibt es dazu eine Legende. Im 16. Jahrhundert, so erzählt man, verschwanden in der Gegend immer wieder Kinder. Ein Gefangener bot an, das Rätsel zu lösen, wenn man ihm dafür die Freiheit schenke. Er stieg in die Abwasserkanäle hinab und kam mit einer riesigen toten Schlange zurück. Eine nüchternere Erklärung führt den Namen auf ein altes Wirtshausschild zurück. Aber welches Schild könnte mit dieser Geschichte mithalten?
Weiter unten, an der Ecke zur Calle Entrecárceles, stand das Königliche Gefängnis, die Cárcel Real. 1597 saß hier Miguel de Cervantes ein. Er war damals Steuereintreiber im Dienst der Krone, und als ein Bankier, bei dem er Gelder hinterlegt hatte, pleiteging, fehlte in seiner Abrechnung Geld. Im Vorwort zum Don Quijote schreibt Cervantes, das Buch sei in einem Gefängnis gezeugt worden, einem Ort, an dem jede Unbequemlichkeit ihren Sitz und jedes traurige Geräusch seine Wohnung habe. Viele glauben, er meinte genau dieses. Der berühmteste Roman der Welt, empfangen zwischen Schuldnern und Dieben, ein paar Schritte von den heutigen Schaufenstern.
In der Karwoche verwandelt sich die Straße völlig. Die Calle Sierpes gehört zur Carrera Oficial, dem offiziellen Weg, den die Prozessionen zur Kathedrale nehmen. Dann tragen Träger, unsichtbar unter den schweren Schaugerüsten, die Figuren durch diese enge Gasse, Zentimeter um Zentimeter. Die Stühle entlang der Strecke werden als Abonnement vergeben, und manche Familien halten ihre Plätze seit Generationen. Und manchmal singt jemand von einem Balkon eine Saeta, ein plötzliches, schneidendes Klagelied, und die ganze Straße hält den Atem an.
Verlass die Sierpes nach links, durch eine der Seitengassen nach Osten, bis sich ein Platz voller Tische und eine mächtige Barockkirche vor dir öffnen: die Plaza del Salvador.