Rathaus von Sevilla: Eine Fassade für den Kaiser
Why is it significant?
Stell dich an den Rand der Plaza de San Francisco und schau auf die Ecke des Rathauses, wo der Stein aussieht, als hätte jemand ihn mit Klöppelspitze überzogen. Ranken, Fabelwesen, Wappen, Putten, kleine Gesichter, die dich aus runden Medaillons anschauen.
Key Facts
| Place | Rathaus von Sevilla: Eine Fassade für den Kaiser |
|---|---|
| Address | Plaza Nueva 1, 41001 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38870, -5.99440 |
| Part of Walk | Kaiser, Kathedrale, Judería: Sevillas Altstadt zwischen Giralda, Real Alcázar und Santa Cruz |
| Generated | Generated |
Stell dich an den Rand der Plaza de San Francisco und schau auf die Ecke des Rathauses, wo der Stein aussieht, als hätte jemand ihn mit Klöppelspitze überzogen. Ranken, Fabelwesen, Wappen, Putten, kleine Gesichter, die dich aus runden Medaillons anschauen. Willkommen in Sevilla... und willkommen im Jahr 1527.
Im März 1526 hatte Karl V., König von Spanien und seit 1519 zum römisch-deutschen Kaiser gewählt, in dieser Stadt Isabella von Portugal geheiratet. Sevilla war damals der einzige Hafen, über den der gesamte Handel mit Amerika laufen durfte, und die Stadt wollte zeigen, dass sie einen Kaiser verdient. Nur ein Jahr später begann der Baumeister Diego de Riaño mit diesem Rathaus, im neuen, aus Italien inspirierten Stil, den man in Spanien später Plateresco nannte, weil er an die feine Arbeit der Silberschmiede erinnert.
Schau dir die Bilder genau an. Zwischen den Ornamenten tauchen Herkules und Julius Caesar auf, die beiden Gründerfiguren, die Sevilla sich selbst gegeben hat. Herkules soll die Stadt gegründet, Caesar sie mit Mauern umgeben haben, so jedenfalls erzählte man es hier jahrhundertelang. Es ist eine Fassade voller Selbstbewusstsein. Sie sagt: Wir sind antik, wir sind reich, und der Kaiser hat bei uns geheiratet.
Der Platz vor dir hat aber auch eine dunkle Seite. Auf der Plaza de San Francisco wurden Feste gefeiert und Stiere gehetzt, und hier inszenierte die Inquisition ihre großen Autodafés. 1559 und 1560 traf es eine Gruppe von Sevillanern, die heimlich die Schriften der Reformation gelesen hatten. Die Gedanken eines Mönchs aus Wittenberg waren bis an den Guadalquivir gelangt. Hier wurden die Urteile öffentlich verlesen, und für einige bedeuteten sie den Scheiterhaufen vor den Toren der Stadt.
Die prächtige Hauptfassade zur Plaza Nueva, auf der anderen Seite des Gebäudes, ist übrigens viel jünger, sie stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Renaissance aus Karls Zeit ist diese Ecke hier. Folge jetzt der Calle Hernando Colón nach Süden, benannt nach dem Sohn des Kolumbus, und nach ein paar Minuten siehst du ihn über den Dächern: einen Turm, der schon stand, als es Spanien noch gar nicht gab.