Oratorio dei Filippini: Borrominis Fassade mit offenen Armen

Why is it significant?

Stell dich auf die Piazza della Chiesa Nuova und schau neben die große, helle Kirche: Dort schwingt eine Fassade aus feinem, rötlichem Backstein nach innen, als würde das ganze Gebäude tief Luft holen.

Key Facts

PlaceOratorio dei Filippini: Borrominis Fassade mit offenen Armen
AddressPiazza della Chiesa Nuova 18, 00186 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.89870, 12.46880
Part of WalkBarockes Rom: Plätze, Kuppeln und Brunnen – das Duell von Bernini und Borromini
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Stell dich auf die Piazza della Chiesa Nuova und schau neben die große, helle Kirche: Dort schwingt eine Fassade aus feinem, rötlichem Backstein nach innen, als würde das ganze Gebäude tief Luft holen. Das ist das Oratorium der Philippiner, und es ist das perfekte Tor zu einem Spaziergang durch das barocke Rom... denn hier hat sich ein Steinmetz aus dem Tessin zum ersten Mal so richtig ausgetobt.

Dieser Steinmetz hieß Francesco Borromini. Ab 1637 baute er für die Gemeinschaft des heiligen Philipp Neri ein Haus für Gebet, Bücher und vor allem für Musik. Neri, ein fröhlicher Priester aus Florenz, der lieber mit Witzen als mit Drohungen predigte, versammelte die Römer zu geistlichen Abenden mit Gesang. Aus diesen Zusammenkünften im Oratorium bekam eine ganze Musikgattung ihren Namen: das Oratorium. Wenn du also jemals Händels Messias gehört hast... dann hat das Wort genau hier angefangen.

Jetzt schau dir die Fassade genauer an. Die Patres wollten keinen Marmor, damit ihr Haus nicht prächtiger wirkt als die Kirche daneben. Borromini machte aus der Vorschrift eine Kunst: Er ließ die Ziegel so fein schleifen und so dünn verfugen, dass die Wand fast wie aus einem Stück wirkt. Er selbst verglich die gebogene Front mit einem Menschen, der die Arme ausbreitet, um jeden zu empfangen, der hereinkommt. Und ein paar Schritte um die Ecke dreht sich sein Uhrturm in Kurven nach oben, wie ein Gedanke, der nicht stillhalten kann.

In der Chiesa Nuova nebenan wartet eine Geschichte über Pech und Licht. Der junge Peter Paul Rubens malte um 1606 das Bild für den Hochaltar, doch die Leinwand glänzte im Kerzenlicht so stark, dass man kaum etwas erkennen konnte. Rubens nahm sein Werk zurück und malte alles noch einmal, diesmal auf Schiefertafeln, die das Licht schlucken. Die erste Fassung hängt heute in Grenoble... ein Meisterwerk, das an einer Spiegelung gescheitert ist.

Behalte diese Fassade im Kopf, denn auf diesem Spaziergang begegnest du Borromini noch dreimal, und seinem großen Rivalen Gian Lorenzo Bernini noch öfter. Zwei Männer, ein Jahrhundert, eine Stadt, die für beide zu klein war. Geh jetzt über die Via del Governo Vecchio nach Osten, ein Stück der alten Papststraße, bis du an einem kleinen Platz auf einen ziemlich ramponierten Steinmann triffst.

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