Sant'Anselmo: Das Haus aller Benediktiner

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Hinter dem Tor siehst du eine Kirche, die wie aus einem Bilderbuch des Mittelalters wirkt: heller Stein, romanische Rundbögen, ein Vorhof mit Säulengang, ein schlanker Turm. Doch lass dich nicht täuschen.

Key Facts

PlaceSant'Anselmo: Das Haus aller Benediktiner
AddressPiazza dei Cavalieri di Malta 5, 00153 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.88210, 12.47790
Part of WalkAventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom
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Hinter dem Tor siehst du eine Kirche, die wie aus einem Bilderbuch des Mittelalters wirkt: heller Stein, romanische Rundbögen, ein Vorhof mit Säulengang, ein schlanker Turm. Doch lass dich nicht täuschen. Sant'Anselmo ist gerade gut hundertzwanzig Jahre alt, vollendet um 1900, ein Neubau im Gewand der Romanik.

Papst Leo XIII. wollte am Ende des 19. Jahrhunderts die Benediktiner der ganzen Welt enger zusammenführen, Hunderte selbstständiger Klöster, die seit jeher eifersüchtig auf ihre Unabhängigkeit achteten. Er gab ihnen hier auf dem Aventin ein gemeinsames Zentrum: eine Hochschule, ein Kolleg für Mönche aus aller Welt und den Sitz eines Abtprimas, eine Art Sprecher aller Benediktiner. 1893 wurde die Benediktinische Konföderation gegründet, und sie hat ihren Mittelpunkt bis heute hier.

Der erste Abtprimas, Hildebrand de Hemptinne, kam aus der belgischen Abtei Maredsous, und diese Abtei hatten Mönche aus Beuron gegründet, dem Kloster im Donautal auf der Schwäbischen Alb. So führt eine Linie von der oberen Donau bis auf diesen Hügel. Der Name des Hauses ehrt Anselm von Canterbury, einen Benediktiner des 11. Jahrhunderts und einen der großen Denker des Mittelalters, der den Glauben als etwas beschrieb, das nach Einsicht sucht. Kein Wunder, dass Sant'Anselmo vor allem eine Schule ist.

Das Schönste hier ist aber der Klang. Wenn die Mönche abends zur Vesper zusammenkommen, singen sie oft gregorianischen Choral, einstimmig, auf Latein, in Melodien, die weit über tausend Jahre alt sind. Dann stehen in der hellen Kirche plötzlich Römer, Studenten und Reisende nebeneinander und schweigen. Ora et labora, bete und arbeite, so fasst man die Regel des heiligen Benedikt gern zusammen. Hier oben klingt das Beten wie Musik.

Von hier aus fällt der Aventin steil zum Fluss hin ab, und unten beginnt eine ganz andere Welt, laut, praktisch, hungrig. Geh die Straße hinunter bis zur breiten Via Marmorata und dann nach rechts zum Tiber, zu dem Platz an der Brücke, wo vor zweitausend Jahren die Schiffe anlegten.

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