Gedenkstätte 17. November 1989 auf der Národní třída

Why is it significant?

Unter der Arkade dieses Hauses hängt an der Wand eine kleine Bronzetafel: viele erhobene Hände, offene Handflächen, manche mit zwei gespreizten Fingern. Darunter das Datum, 17.11.1989. Fast immer brennen hier Kerzen, und im November wird der Gehweg zu einem Meer aus Lichtern.

Key Facts

PlaceGedenkstätte 17. November 1989 auf der Národní třída
AddressNárodní 1011/16, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08190, 14.41810
Part of WalkPanzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz
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Unter der Arkade dieses Hauses hängt an der Wand eine kleine Bronzetafel: viele erhobene Hände, offene Handflächen, manche mit zwei gespreizten Fingern. Darunter das Datum, 17.11.1989. Fast immer brennen hier Kerzen, und im November wird der Gehweg zu einem Meer aus Lichtern.

Die Geschichte beginnt fünfzig Jahre früher. Am 17. November 1939 ließen die deutschen Besatzer die tschechischen Hochschulen schließen, nachdem Studenten bei der Beerdigung des erschossenen Medizinstudenten Jan Opletal protestiert hatten. Neun Studentenführer wurden hingerichtet, über tausend Studenten in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Seitdem ist der 17. November der Internationale Studententag.

Zum fünfzigsten Jahrestag, 1989, genehmigten die Behörden eine Gedenkveranstaltung der Studenten im Stadtteil Albertov. Aber aus dem Gedenken wurde ein Protestmarsch: erst hinauf zum Vyšehrad, zum Grab des Dichters Karel Hynek Mácha, dann am Fluss entlang. Tausende zogen Richtung Innenstadt, mit Kerzen und Blumen und Rufen nach Freiheit. Hier, auf der Národní, schlossen Polizeieinheiten sie von beiden Seiten ein. Die Studenten setzten sich hin, hoben die leeren Hände und riefen: Wir haben leere Hände.

Die Polizei schlug trotzdem zu. Hunderte wurden verletzt. Noch in der Nacht verbreitete sich das Gerücht, ein Student sei getötet worden. Es stimmte nicht. Den angeblich toten Studenten hatte, wie sich später herausstellte, ein Offizier der Staatssicherheit gespielt, der sich auf das Pflaster gelegt hatte, und bis heute wird darüber gestritten, wer das Gerücht weitertrug. Aber die Empörung war echt, und sie war nicht mehr aufzuhalten. Am nächsten Tag streikten die Studenten, die Theater schlossen sich an, und binnen zwei Wochen brach ein Regime zusammen, das vierzig Jahre lang unerschütterlich gewirkt hatte.

Bleib einen Moment stehen und schau, wer hier eine Kerze anzündet: Rentner, Schulklassen, junge Paare, die damals noch gar nicht geboren waren. Die Hände an der Wand sind blank gerieben von all den Händen, die sie berührt haben. Geh jetzt die Národní hinunter Richtung Moldau. Das goldene Dach am Ende der Straße gehört dem Haus, in dem die Revolution ihre Stimme fand.

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