Großprioratsplatz und die John-Lennon-Mauer
Why is it significant?
Eine Mauer, so dicht bemalt, dass kein Zentimeter Putz mehr zu sehen ist: Friedenszeichen, Liedzeilen, Herzen, Namen in einem Dutzend Sprachen, und irgendwo dazwischen ein Gesicht mit runder Brille.
Key Facts
| Place | Großprioratsplatz und die John-Lennon-Mauer |
|---|---|
| Address | Velkopřevorské náměstí, 118 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08620, 14.40680 |
| Part of Walk | Prag verborgen: Kleinseite, Kampa und der Garten der Botschaft |
| Generated | Generated |
Eine Mauer, so dicht bemalt, dass kein Zentimeter Putz mehr zu sehen ist: Friedenszeichen, Liedzeilen, Herzen, Namen in einem Dutzend Sprachen, und irgendwo dazwischen ein Gesicht mit runder Brille. Menschen lassen sich davor fotografieren, jemand spielt Gitarre, und fast immer erklingt irgendwann Imagine.
Als John Lennon im Dezember 1980 in New York erschossen wurde, malte jemand hier sein Porträt auf die Mauer. Für junge Tschechen war Lennon kein Popstar, sondern ein Versprechen von Freiheit, in einem Land, in dem westliche Musik verdächtig war und Musiker der Band Plastic People of the Universe ins Gefängnis kamen. Die Polizei ließ das Porträt überstreichen. Am nächsten Tag stand es wieder da, mit neuen Sprüchen. Dazu kamen Beatles-Zeilen, kleine Gedichte, Klagen über das Regime und Bitten um die Freiheit zu reisen.
So ging das jahrelang, ein Katz-und-Maus-Spiel mit Pinsel und Tünche. Wachen patrouillierten, und trotzdem fand sich immer eine Hand, die nachts schrieb. Ende der Achtzigerjahre versammelten sich hier an Lennons Todestag junge Leute, sangen und forderten Freiheit, bis die Polizei sie auseinandertrieb. Ein Jahr später war das Regime Geschichte.
Das Kurioseste ist der Eigentümer. Die Mauer gehört zum Garten des Großpriorats des Malteserordens, eines Ritterordens, der seit dem 12. Jahrhundert auf der Kleinseite sitzt. Ausgerechnet katholische Ritter sind also Hausherren der berühmtesten Protestwand Mitteleuropas, und sie dulden das Ganze seit Jahrzehnten. Und die Mauer verändert sich bis heute jede Woche: Was du jetzt siehst, gibt es morgen schon nicht mehr, weil jemand darübermalt. Gegenüber, im Palais Buquoy, residiert übrigens die französische Botschaft.
Geh noch die paar Schritte zum kleinen Brückchen über die Čertovka. Dort dreht sich das hölzerne Rad der Großpriorsmühle, gemächlich und tropfend, wie seit Jahrhunderten an diesem Bach. Dann wende dich nach Westen, um die Ecke, auf einen stillen Platz mit einem Täufer auf einer Säule und einer Kirche, die keine Mitte hat.