Kafkas Geburtshaus am Náměstí Franze Kafky

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An der Ecke dieses unscheinbaren Hauses, direkt neben der barocken Nikolauskirche, blickt dir aus der Fassade ein bronzenes Gesicht entgegen: schmal, große Ohren, dunkle Augen. Hier, im Haus Zum Turm, wurde Franz Kafka am 3. Juli 1883 geboren. Heute trägt der kleine Platz seinen Namen.

Key Facts

PlaceKafkas Geburtshaus am Náměstí Franze Kafky
Addressnáměstí Franze Kafky 24/3, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08780, 14.41900
Part of WalkKafka, Rilke und das deutsche Prag: Ein Literaturspaziergang durch Alt- und Neustadt
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An der Ecke dieses unscheinbaren Hauses, direkt neben der barocken Nikolauskirche, blickt dir aus der Fassade ein bronzenes Gesicht entgegen: schmal, große Ohren, dunkle Augen. Hier, im Haus Zum Turm, wurde Franz Kafka am 3. Juli 1883 geboren. Heute trägt der kleine Platz seinen Namen.

Ganz ehrlich: Viel vom Original steht nicht mehr. Das Haus brannte 1897 und wurde danach weitgehend neu errichtet; erhalten blieb vor allem das alte Portal. Ringsum wurde zur selben Zeit das alte jüdische Viertel fast vollständig abgerissen und durch breite Straßen mit eleganten Mietshäusern ersetzt. Kafka hat also in einer Stadt gelebt, die sich unter seinen Füßen ständig verwandelte.

Seinem Hebräischlehrer soll er einmal vom Fenster aus gezeigt haben, wie klein sein Leben war: Dort das Gymnasium, da die Universität, dort das Büro. Und dann zog er mit dem Finger ein paar enge Kreise in die Luft. Fast alle seiner Adressen lagen tatsächlich nur ein paar Minuten von hier entfernt. In seinen letzten Prager Jahren wohnte er wieder bei den Eltern, im Haus Oppelt an der Ecke zur Pařížská, einen Steinwurf weiter.

Mit neunzehn schrieb er an einen Schulfreund einen Satz, der seitdem auf jeder zweiten Prag-Tasse steht: Prag lässt nicht los... dieses Mütterchen hat Krallen. Er meinte es nicht als Kompliment. Kafka war Jude, sprach Deutsch und Tschechisch, und gehörte damit zu einer Minderheit in der Minderheit. Seine Bücher erschienen zu Lebzeiten in Leipzig, München und Berlin, und in Prag kannte sie nur ein kleiner Kreis. Für die Tschechen war er ein Deutscher, für die Deutschen ein Jude, und für seinen Vater vor allem ein Sohn, der den falschen Beruf liebte.

Die Büste stammt aus den sechziger Jahren, aus einer Zeit, in der Kafka in der kommunistischen Tschechoslowakei lange als dekadent galt. Als tschechische Intellektuelle ihn 1963 auf einer Konferenz im Schloss Liblice feierlich rehabilitierten, sahen viele darin einen ersten Riss in der Mauer, fünf Jahre vor dem Prager Frühling. Geh jetzt nach Norden, an der Altneu-Synagoge vorbei, bis zur Dušní. Vor der Spanischen Synagoge reitet Kafka auf einem leeren Anzug.

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