Musée Rodin: Der Denker und Rilke

Why is it significant?

Hinter dem Tor an der Rue de Varenne öffnet sich ein Garten mit Rosen und Buchsbaum, und darin sitzt er: der Denker, nackt, aus dunkler Bronze, das Kinn auf die Hand gestützt, als grübelte er seit über hundert Jahren über dieselbe Frage. Hinter ihm steht ein eleganter Stadtpalast aus dem 18.

Key Facts

PlaceMusée Rodin: Der Denker und Rilke
Address77 Rue de Varenne, 75007 Paris, France
Geo Coordinates48.85510, 2.31580
Part of WalkEiserne Dame und Kaisergrab: Eiffelturm, Trocadéro und Invalidendom in Paris
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Hinter dem Tor an der Rue de Varenne öffnet sich ein Garten mit Rosen und Buchsbaum, und darin sitzt er: der Denker, nackt, aus dunkler Bronze, das Kinn auf die Hand gestützt, als grübelte er seit über hundert Jahren über dieselbe Frage. Hinter ihm steht ein eleganter Stadtpalast aus dem 18. Jahrhundert, das Hôtel Biron.

Der Denker war ursprünglich gar nicht als Einzelfigur gedacht. Er saß oben auf dem Höllentor, Auguste Rodins riesigem Bronzeportal nach Dantes Göttlicher Komödie, und sollte wohl den Dichter selbst darstellen, der auf die Kreise der Hölle hinabblickt. Erst später wurde er vergrößert und zum Sinnbild für das Denken schlechthin.

Und jetzt die deutschsprachige Geschichte dieses Gartens. 1902 kam ein junger Dichter aus Prag nach Paris, um ein Buch über Rodin zu schreiben: Rainer Maria Rilke. Der Bildhauer gab ihm einen Rat, der sein Schreiben veränderte: genau hinschauen, lange, geduldig, bis ein Ding sich zeigt. So entstanden Rilkes Dinggedichte, darunter Der Panther aus dem Jardin des Plantes. 1905 wurde Rilke sogar Rodins Sekretär und wohnte bei ihm in Meudon... bis Rodin ihn 1906 nach einem Streit um einen Brief vor die Tür setzte.

Die Versöhnung kam über dieses Haus. 1908 wohnte Rilke im Hôtel Biron, das damals verfallen war und günstig an Künstler vermietet wurde. Er schrieb Rodin, wie wunderbar es hier sei, und der Bildhauer mietete sich ein, zuerst in ein paar Räume, später in viel mehr. Auch Henri Matisse, Jean Cocteau und die Tänzerin Isadora Duncan hatten hier zeitweise Räume. Rodin vermachte dem Staat sein Werk unter der Bedingung, dass daraus ein Museum würde, und 1919, zwei Jahre nach seinem Tod, öffnete es.

Hier endet dein Weg: von der Brücke der Metro über die Terrasse der Menschenrechte, den Turm des Mannes aus der Eifel und das Grab des Kaisers bis in diesen stillen Garten. Rodin soll Rilke gesagt haben, man müsse arbeiten, immer nur arbeiten. Vielleicht nimmst du von hier etwas Leichteres mit: noch einmal hinzusehen. Setz dich auf eine Bank, schau dem Denker eine Weile zu... und lass Paris ein bisschen warten.

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