Palacio de Cristal: Das Glashaus im Retiro
Why is it significant?
Vor dir spiegelt sich ein Haus aus Glas und Eisen in einem kleinen See, und aus dem Wasser ragen Sumpfzypressen, deren Wurzeln wie Knie aus der Oberfläche stoßen. Wenn die Sonne tief steht, scheint der ganze Palast aus Licht gebaut.
Key Facts
| Place | Palacio de Cristal: Das Glashaus im Retiro |
|---|---|
| Address | Paseo República de Cuba 4, 28009 Madrid, Spain |
| Geo Coordinates | 40.41360, -3.68210 |
| Part of Walk | Madrids Kunstmeile: Von Guernica über den Prado bis zum Kristallpalast im Retiro |
| Generated | Generated |
Vor dir spiegelt sich ein Haus aus Glas und Eisen in einem kleinen See, und aus dem Wasser ragen Sumpfzypressen, deren Wurzeln wie Knie aus der Oberfläche stoßen. Wenn die Sonne tief steht, scheint der ganze Palast aus Licht gebaut. Und im Winter, wenn Nebel über dem Teich liegt, wirkt er wie eine Erscheinung.
Der Palacio de Cristal entstand 1887 für eine Ausstellung über die Philippinen, damals noch spanische Kolonie. Entworfen hat ihn Ricardo Velázquez Bosco, und das Vorbild war unverkennbar der Kristallpalast der Londoner Weltausstellung. Gedacht war er als Gewächshaus für tropische Pflanzen von den Inseln. Eisen und Glas waren damals das Material der Zukunft, so baute man Bahnhöfe und Markthallen, und dieses Glashaus sollte zeigen, dass Madrid mit London und Paris mithalten konnte.
Zu dieser Ausstellung gehört auch ein dunkles Kapitel. Man brachte Menschen von den Philippinen nach Madrid und stellte sie im Park zur Schau, wie Ausstellungsstücke. Einige von ihnen starben in jenem Jahr hier in der Stadt. Es ist gut, sich daran zu erinnern, während man dieses schöne Haus bewundert.
Heute gehört der Palast zum Museo Reina Sofía, mit dem dieser Spaziergang begonnen hat. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt bekommen ihn für ihre Installationen, und jede muss mit derselben Herausforderung fertig werden: Es gibt keine Wände, nur Licht, Himmel und Bäume. Gleich in der Nähe steht übrigens ein zweiter Bau desselben Architekten, der Palacio de Velázquez von 1883, auch er ein Ausstellungshaus. Und ein paar Minuten südlich, am Paseo de Coches, stürzt Luzifer aus Bronze vom Himmel, der gefallene Engel von Ricardo Bellver. Madrilenen erzählen gern, er stehe auf genau 666 Metern Höhe, nachgemessen hat das kaum jemand.
Du hast heute an einem Krankenhaus mit Guernica begonnen und endest in einem Haus aus Glas. Dazwischen lagen Dürer und Bosch, eine Ruhr-Dynastie, zwei Göttinnen und ein Tor mit zwei Gesichtern. Setz dich ans Ufer, schau den Enten zu, und lass die Bilder des Tages noch ein wenig nachklingen... Madrid hat Zeit, und du jetzt auch.