Cross Bones: Der Friedhof der Ausgestoßenen

Why is it significant?

Bleib vor dem rostigen Eisentor stehen und schau dir an, was daran hängt: Hunderte Bänder in allen Farben, Federn, Perlen, Zettel mit Namen, verwelkte Blumen, kleines Spielzeug. Hinter dem Gitter liegt ein kleiner, etwas wilder Garten.

Key Facts

PlaceCross Bones: Der Friedhof der Ausgestoßenen
AddressRedcross Way, London SE1 1TA, United Kingdom
Geo Coordinates51.50390, -0.09340
Part of WalkShakespeares Ufer: Bankside, Globe und Tate Modern in London
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Bleib vor dem rostigen Eisentor stehen und schau dir an, was daran hängt: Hunderte Bänder in allen Farben, Federn, Perlen, Zettel mit Namen, verwelkte Blumen, kleines Spielzeug. Hinter dem Gitter liegt ein kleiner, etwas wilder Garten. Das ist Cross Bones, ein Friedhof, den die Stadt lange lieber vergessen hätte.

Schon der Chronist John Stow schrieb 1598 von einem Friedhof in Southwark für die alleinstehenden Frauen, gemeint waren die Frauen aus den Bordellen, die Gänse von Winchester, denen die Kirche ein christliches Begräbnis verweigerte. Ob dieser Friedhof wirklich genau hier lag, ist nicht ganz sicher. Sicher ist, dass Cross Bones später zum Armenfriedhof der Gemeinde wurde, bis man ihn 1853 schloss, weil er hoffnungslos überfüllt war.

In den 1990er Jahren gruben Archäologen hier, als die Jubilee Line verlängert wurde. Sie fanden 148 Skelette, dicht übereinander gelegt, viele davon Kinder und Säuglinge, manche mit Spuren von Krankheiten, die damals jeden Armen treffen konnten. Fachleute schätzen, dass hier insgesamt rund fünfzehntausend Menschen begraben liegen, die Ärmsten der Armen von Southwark.

Und dann kam, wie so oft an diesem Ufer, die Literatur. Der Londoner Dichter John Constable, nicht zu verwechseln mit dem Maler, schrieb in den 1990er Jahren die Southwark Mysteries, Verse, die ihm nach eigenen Worten der Geist einer jener Gänse von Winchester eingegeben hat. Daraus wurde eine Bewegung: Seit Jahren treffen sich Menschen hier jeden Monat zu einer Andacht für die Ausgestoßenen, und das Tor wurde zum Schrein.

So endet ein Weg, der mit Shakespeare und Marlowe begann, bei denen, über die nie jemand ein Stück geschrieben hat... bis ein Dichter es doch tat. Bankside war immer beides, Bühne und Hinterhof, Glanz und Elend Tür an Tür, und genau das hat Chaucer, Shakespeare und Dickens hierher gezogen. Vielleicht bindest du in Gedanken ein Band an das Gitter. Von hier bist du in wenigen Minuten an der London Bridge Station... und die Themse wartet, wie immer, ein paar Straßen weiter.

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