Padrão dos Descobrimentos: Ein Denkmal und seine Lücken
Why is it significant?
Vor dir steigt ein gewaltiger weißer Schiffsbug aus dem Ufer, über fünfzig Meter hoch, und auf beiden Flanken drängen sich steinerne Gestalten hinauf zur Spitze: Seefahrer, Mönche, Kartografen, Dichter, Könige.
Key Facts
| Place | Padrão dos Descobrimentos: Ein Denkmal und seine Lücken |
|---|---|
| Address | Avenida Brasília, 1400-038 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.69360, -9.20570 |
| Part of Walk | Lissabon-Belém und die Entdecker: Weltreich, Gewürze und die andere Seite der Geschichte |
| Generated | Generated |
Vor dir steigt ein gewaltiger weißer Schiffsbug aus dem Ufer, über fünfzig Meter hoch, und auf beiden Flanken drängen sich steinerne Gestalten hinauf zur Spitze: Seefahrer, Mönche, Kartografen, Dichter, Könige. Ganz vorn steht Heinrich der Seefahrer, eine kleine Karavelle in den Händen, und blickt hinaus auf den Fluss, als könne er den Atlantik schon sehen.
Das Denkmal ist jünger, als es aussieht. Zuerst entstand es 1940 aus vergänglichem Material für die große Propagandaausstellung der Diktatur, und 1960 wurde es aus Beton und Stein neu errichtet, zum fünfhundertsten Todestag Heinrichs. Den Entwurf lieferte der Architekt Cottinelli Telmo, die Figuren schuf der Bildhauer Leopoldo de Almeida. Zähl die Figuren: Unter all den Männern gibt es genau eine Frau, Philippa von Lancaster, Heinrichs englische Mutter. Davor liegt eine riesige Windrose im Pflaster, ein Geschenk Südafrikas, mit einer Weltkarte, auf der die Jahreszahlen der portugiesischen Fahrten eingetragen sind.
Doch dieses Denkmal erzählt nur die halbe Geschichte. Die Fahrten entlang der afrikanischen Küste, die Heinrich organisierte, brachten nicht nur Gold und Wissen. Schon 1444 wurden in Lagos an der Algarve Afrikaner versteigert, die portugiesische Schiffe verschleppt hatten, und daraus wurde ein System. Auf portugiesischen und brasilianischen Schiffen wurden über die Jahrhunderte fast sechs Millionen Menschen über den Atlantik verschleppt, mehr als unter jeder anderen Flagge.
Auch das Jahr 1960 ist kein Zufall. Während hier die Seefahrer in Stein gehauen wurden, gärte es in den Kolonien, und Anfang 1961 begann in Angola der Krieg, der Portugal dreizehn Jahre lang bluten ließ. Das Denkmal feierte ein Weltreich genau in dem Moment, in dem es zu zerbrechen begann. In Lissabon wird heute darüber gestritten, wie man an die Opfer des Sklavenhandels erinnern soll, und dass gestritten wird, ist ein gutes Zeichen.
Wenn du magst, fahr hinauf auf die Aussichtsplattform an der Spitze, von dort siehst du Kloster, Fluss und Brücke auf einen Blick. Danach geh am Ufer entlang ein kurzes Stück nach Westen, bis zu einem weißen, kantigen Pavillon, der ebenfalls aus dem Jahr 1940 stammt.