Jardim Botânico Tropical: Palmen und eine verschwiegene Ausstellung
Why is it significant?
Hinter dem Tor wird es grün und schattig. Vor dir ragen hohe Palmen in den Himmel, exotische Bäume strecken ihre knorrigen Äste aus, Teiche liegen still unter dichtem Grün, und über die Wege watscheln Enten, als wäre das ihr Garten.
Key Facts
| Place | Jardim Botânico Tropical: Palmen und eine verschwiegene Ausstellung |
|---|---|
| Address | Largo dos Jerónimos, 1400-209 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.69900, -9.20280 |
| Part of Walk | Lissabon-Belém und die Entdecker: Weltreich, Gewürze und die andere Seite der Geschichte |
| Generated | Generated |
Hinter dem Tor wird es grün und schattig. Vor dir ragen hohe Palmen in den Himmel, exotische Bäume strecken ihre knorrigen Äste aus, Teiche liegen still unter dichtem Grün, und über die Wege watscheln Enten, als wäre das ihr Garten. Mitten in Belém fühlst du dich auf einmal wie auf einem anderen Kontinent.
Und genau das war die Idee. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Garten als Kolonialgarten gegründet, als Labor für Pflanzen aus Afrika, Asien und Südamerika. Hier wurde erforscht, welche Nutzpflanzen sich in den Kolonien anbauen ließen, Kaffee, Kakao, Kautschuk, alles, was Geld bringen konnte. Pflanzen und Samen kamen aus den Kolonien und von Expeditionen, und manche der Bäume hier sind weit über hundert Jahre alt. Wissenschaft im Dienst eines Imperiums.
1940 aber wurde dieser Garten zu einem Ort, über den man in Lissabon lange nicht sprechen wollte. Für die große Ausstellung der portugiesischen Welt, mit der die Diktatur sich selbst feierte, baute man hier die Kolonialabteilung mit nachgebauten Dörfern. Und in diesen Dörfern lebten Menschen, die man aus Angola, Mosambik, Guinea, Timor und anderen Kolonien hergebracht hatte, damit Besucher sie anschauen konnten. Eine Menschenschau, mitten in Europa, im Jahr 1940.
Noch heute stehen im Garten Büsten aus jener Zeit, die Menschen aus den Kolonien als Typen darstellen sollten. Man kann an ihnen vorbeigehen, ohne zu ahnen, was sie bedeuten. Inzwischen gehört der Garten zur Universität Lissabon, und in den letzten Jahren haben Historiker und Künstler begonnen, diese Geschichte offen zu erzählen.
Es ist ein schöner Garten, und das darf er auch sein. Aber er zeigt, dass hinter den Palmen der Entdeckungen immer auch die Frage steht, wer hier eigentlich wen entdeckt hat. Geh langsam, lies die Schilder an den Bäumen, und denk an die Gärtner und Forscher, aber auch an jene, die hier nicht freiwillig standen. Geh jetzt zurück zum Tor und dann rechts über den Platz. Vor dir wächst eine helle Steinfassade in die Länge, rund dreihundert Meter lang.