Museu de Arte Popular: Die Kulisse der Ausstellung von 1940
Why is it significant?
Vor dir steht ein strenger, weißer Bau mit klaren Kanten, fast ein bisschen wie aus einem Baukasten. Neben dem Denkmal der Seefahrer wirkt er unscheinbar. Aber er ist einer der letzten Zeugen eines Sommers, in dem Belém zur Bühne einer Diktatur wurde.
Key Facts
| Place | Museu de Arte Popular: Die Kulisse der Ausstellung von 1940 |
|---|---|
| Address | Avenida Brasília, 1400-038 Lisboa, Portugal |
| Geo Coordinates | 38.69370, -9.20830 |
| Part of Walk | Lissabon-Belém und die Entdecker: Weltreich, Gewürze und die andere Seite der Geschichte |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein strenger, weißer Bau mit klaren Kanten, fast ein bisschen wie aus einem Baukasten. Neben dem Denkmal der Seefahrer wirkt er unscheinbar. Aber er ist einer der letzten Zeugen eines Sommers, in dem Belém zur Bühne einer Diktatur wurde.
1940 feierte Portugal gleich zwei Jubiläen: 1140, das Jahr, das das Regime als Geburtsstunde des Königreichs ausgab, und 1640, die Wiedererlangung der Unabhängigkeit von Spanien. Dafür ließ Salazar zwischen Kloster und Fluss die Exposição do Mundo Português errichten, die Ausstellung der portugiesischen Welt, mit Pavillons, Brunnen, nachgebauten Schiffen und Dörfern. Den großen Garten vor dem Kloster, die Praça do Império, durch den du eben gegangen bist, legte man eigens dafür an.
Die Ausstellung war Propaganda von Anfang bis Ende. Architekten, Maler und Bildhauer wurden in ihren Dienst genommen, und viele machten mit, aus Überzeugung oder weil es Aufträge gab. Ein Land, das von Armut und Analphabetismus geprägt war, zeigte sich als glückliche, fromme, ewige Nation mit einem Weltreich auf mehreren Kontinenten. Und das im Jahr 1940, während im übrigen Europa der Krieg tobte, den Deutschland entfesselt hatte. Portugal blieb neutral und präsentierte sich als Insel des Friedens... unter einem Regime, dessen Geheimpolizei Gegner verhaftete und folterte.
Dieser Pavillon zeigte damals das Leben auf dem Land. 1948 wurde daraus das Museum der Volkskunst: Keramik, Trachten, Körbe, Ochsenjoche, säuberlich nach Regionen geordnet. Der Chef der Propaganda, António Ferro, wollte so ein idealisiertes Bild vom einfachen, zufriedenen Volk festhalten. Die Wandmalereien in den Sälen stammen aus jener Zeit und sind heute selbst ein Stück Geschichte, ein Blick in das Selbstbild des Regimes.
Fast alle anderen Bauten der Ausstellung wurden wieder abgerissen. Geblieben sind der Garten, das Denkmal der Seefahrer und dieser Pavillon, wie Requisiten nach dem Ende eines Theaterstücks. Geh jetzt weiter am Ufer entlang nach Westen, vorbei am Jachthafen. Nach gut fünfhundert Metern siehst du ein glänzendes Flugzeug aus Metall, das scheinbar gerade über dem Wasser abhebt.