Rynek Podgórski und die neugotische St.-Josefs-Kirche
Why is it significant?
Tritt auf das weite Pflaster des dreieckigen Rynek Podgórski und lass deinen Blick hinaufwandern zur atemberaubenden Kulisse der St.-Josefs-Kirche. Der Platz wurde im ausgehenden 18. Jahrhundert am natürlichen Felshang der Krzemionki-Hügelkuppen als repräsentatives bürgerliches Zentrum angelegt.
Key Facts
| Place | Rynek Podgórski und die neugotische St.-Josefs-Kirche |
|---|---|
| Address | Rynek Podgórski 1, 30-518 Kraków, Poland |
| Geo Coordinates | 50.04380, 19.94950 |
| Part of Walk | Podgórze, das Krakauer Ghetto und Schindlers Emaillefabrik |
| Generated | Generated |
Tritt auf das weite Pflaster des dreieckigen Rynek Podgórski und lass deinen Blick hinaufwandern zur atemberaubenden Kulisse der St.-Josefs-Kirche. Der Platz wurde im ausgehenden 18. Jahrhundert am natürlichen Felshang der Krzemionki-Hügelkuppen als repräsentatives bürgerliches Zentrum angelegt. Seine trapezförmige Grundstruktur folgt den natürlichen Geländeformationen und unterscheidet sich deutlich vom rechtwinkligen Schachbrett der Krakauer Altstadt. Die monumentale Pfarrkirche St. Josef, errichtet zwischen 1905 und 1909 nach Plänen des renommierten Architekten Jan Sas-Zubrzycki, ist ein unübersehbares Meisterwerk des polnischen Historismus.
Der achtzig Meter hohe Hauptturm der Kirche zitiert ganz bewusst die berühmte höhere Heilig-Geist-Turmspitze der Marienkirche auf dem Hauptmarkt. Sas-Zubrzycki wollte damit demonstrieren, dass sich Podgórze in puncto architektonischer Würde und Frömmigkeit hinter der alten Königsstadt keineswegs verstecken musste. Die filigranen Ziegelverzierungen, die unzähligen Wimperge, Kreuzblumen und Maßwerkfenster erzeugen das Bild einer wahrhaft himmlischen Festung. Im Inneren überrascht das Gotteshaus durch reiche neugotische Altarschnitzereien und farbige Glasfenster, die das Licht in warmen Tönen brechen. An der Nordseite des Platzes steht das klassizistische Rathaus von Podgórze mit dem Habsburger-Adler an der Fassade, Sitz der damaligen Stadtoberhäupter.
Im Eckhaus mit der Hausnummer 2 lebte und forschte der geniale Erfinder Jan Szczepanik, den Mark Twain bewundernd den polnischen Edison nannte. Szczepanik entwickelte hier wegweisende Apparate zur Farbentelegrafie, photoelektrische Webstühle sowie das erste patentierte Gewebe für beschusshemmende Westen. Eine solche Weste aus Krakauer Seidengewebe rettete 1906 dem spanischen König Alfons XIII. bei einem Pariser Bombenattentat das Leben. Der Erfindergeist florierte in diesen kaiserlichen Straßen auf faszinierende Weise und zog Wissenschaftler aus ganz Europa an.
Im März 1941 errichteten die deutschen Besatzungsbehörden im Herzen von Podgórze das abgeriegelte Krakauer Ghetto für über zwanzigtausend Menschen. Dieser malerische Platz wurde zum Schauplatz unmenschlicher Selektionen, Massenräumungen und brutaler Gewalttaten durch SS und Schutzpolizei. Die historische Bausubstanz erinnert mahnend an die dunkelsten Stunden in der Geschichte der europäischen Menschheit.
Steige rechts hinter dem Chor der Josefs-Kirche die Steintreppen den steilen Hang empor. Oben betrittst du den idyllischen Bednarski-Park, eine grüne Oase in einem aufgelassenen Kalksteinbruch.