Die Cricoteka am Weichselufer: Theater der Erinnerung von Tadeusz Kantor

Why is it significant?

Bleibe am Uferquai der Nadwiślańska-Straße stehen und blicke hinauf zu der kühnen Brückenkonstruktion aus rostfarbenem Cortenstahl, die sich über die alten Backsteinbauten wölbt.

Key Facts

PlaceDie Cricoteka am Weichselufer: Theater der Erinnerung von Tadeusz Kantor
Addressul. Nadwiślańska 2-4, 30-527 Kraków, Poland
Geo Coordinates50.04710, 19.95100
Part of WalkPodgórze, das Krakauer Ghetto und Schindlers Emaillefabrik
GeneratedGenerated

Open the walk

Bleibe am Uferquai der Nadwiślańska-Straße stehen und blicke hinauf zu der kühnen Brückenkonstruktion aus rostfarbenem Cortenstahl, die sich über die alten Backsteinbauten wölbt. Eingeweiht im Jahr 2014 nach spektakulären Entwürfen der Architekten Wizja und nsMoonStudio, überspannt dieser futuristische Bau buchstäblich das städtische Elektrizitätswerk aus dem Jahr 1900. Der rostige Stahl und die spiegelnde Unterseite, in der das Sonnenlicht und die Wellen der Weichsel tanzen, schaffen einen kraftvollen Dialog zwischen Industrieerbe und moderner Avantgarde. Hier befindet sich das renommierte Dokumentationszentrum der Kunst von Tadeusz Kantor, einem der radikalsten Theatermacher, Bühnenbildner und Maler des europäischen zwanzigsten Jahrhunderts.

Tadeusz Kantor gründete 1955 in Krakau das legendäre experimentelle Theater Cricot 2 und revolutionierte damit alle herkömmlichen Formen der Bühnenkunst. Mit epochalen Inszenierungen wie Die tote Klasse oder Mögen die Künstler krepieren thematisierte er Krieg, Kindheitserinnerungen, Vergänglichkeit und den Schrecken des Holocaust. Anstelle konventioneller Schauspieler bevölkerten Wachsfiguren, staubige alte Schulbänke, klappernde Holzkarren und skurrile Gedächtnismaschinen seine Aufführungen. Die Architektur der Cricoteka verkörpert seine Idee des Verpackens, bei der eine zeitgenössische Hülle das historische Schutzgut behutsam umschließt und zugleich neu interpretiert.

Im Inneren birgt das Museum eine faszinierende Sammlung originaler Bühnenobjekte, Kostüme, Zeichnungen und filmischer Dokumentationen von Kantors gefeierten Welttourneen. Von der weitläufigen Panorama-Aussichtsterrasse im oberen Stockwerk öffnet sich ein grandioser Blick über den trägen Weichselstrom hinüber zu den fernen Türmen des Wawelbergs. Das Kulturzentrum ist heute ein pulsierender Ort für internationale Theaterfestivals, Ausstellungen und Tanzperformances. Kantors revolutionäres Werk bildet das ideale Portal zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Wunden des vergangenen Jahrhunderts.

Der Stadtteil Podgórze wurde 1784 durch den habsburgischen Kaiser Joseph II. als autonome königliche Freistadt Josephstadt am südlichen Flussufer gegründet. Über ein Jahrhundert lang stand die wohlhabende Handwerkerstadt in scharfer wirtschaftlicher Konkurrenz zum benachbarten Krakau, bis beide 1915 unter Bürgermeister Juliusz Leo vereinigt wurden. An diesem industriegeschichtlichen Ufer beginnt unser Gang durch eine der erschütterndsten und zugleich inspirierendsten Gegenden Krakaus.

Gehe von der Kaimauer landeinwärts durch die Brodzińskiego-Straße zur zentralen Achse des Viertels. Vor dir öffnet sich der monumentale Rynek Podgórski, beherrscht von den himmelstürmenden Neogotik-Türmen der St.-Josefs-Kirche.

Nearby stories