Der Liban-Steinbruch: Zwangsarbeitslager und Filmdrehort

Why is it significant?

Tritt an den schwindelerregenden Rand des Liban-Steinbruchs und blicke in die tiefe Schlucht mit ihren monumentalen rostenden Industrieöfen. Gegründet im Jahr 1873 durch die jüdischen Industriellen Bernard Liban und Ehrenpreis, war dies der bedeutendste Kalkbrennbetrieb Galiziens.

Key Facts

PlaceDer Liban-Steinbruch: Zwangsarbeitslager und Filmdrehort
Addressul. Za Torem 22, 30-542 Kraków, Poland
Geo Coordinates50.03650, 19.95700
Part of WalkPodgórze, das Krakauer Ghetto und Schindlers Emaillefabrik
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Tritt an den schwindelerregenden Rand des Liban-Steinbruchs und blicke in die tiefe Schlucht mit ihren monumentalen rostenden Industrieöfen. Gegründet im Jahr 1873 durch die jüdischen Industriellen Bernard Liban und Ehrenpreis, war dies der bedeutendste Kalkbrennbetrieb Galiziens. Die monumentalen Schachtöfen, Silotürme und Schmalspurgleise zeugen von einer florierenden Epoche der Schwerindustrie. Doch im Zweiten Weltkrieg verwandelte sich dieser malerische Talkessel in einen Ort unvorstellbaren menschlichen Leids.

Von April 1942 bis Juli 1944 betrieben die deutschen Besatzungsbehörden hier das gefürchtete Straflager der Baudienst-Zwangsarbeiter. Hunderte meist junge polnische Gefangene und Zwangsarbeiter mussten hier unter unmenschlichen Misshandlungen zwangsweise Steine brechen und Kalk brennen. Die Arbeit begann im Morgengrauen und dauerte oft vierzehn Stunden, begleitet von Hunger, Prügelstrafen und willkürlichen Erschießungen. Kurz vor der Räumung ermordeten SS-Männer im Juli 1944 einundzwanzig Häftlinge an der Felswand; ein steinernes Mahnmal erinnert an die Opfer dieser Barbarei.

Im Jahr 1993 wählte Steven Spielberg diesen dramatischen Kessel als Hauptdrehort für seinen Meisterfilm Schindlers Liste aus. Da das echte Konzentrationslager Płaszów wenige hundert Meter südlich heute eine geschützte Gedenkwiese ist, baute Spielberg das Lager hier naturgetreu nach. Er ließ vierunddreißig Baracken, sieben Wachtürme und die berüchtigte Villa des Lagerkommandanten Amon Göth auf den Klippen errichten. Einige der damals aufgestellten Zaunpfähle, Stacheldrähte und Kulissenfundamente stehen bis heute als unheimliche Filmrelikte in der Schlucht und erinnern an die Dreharbeiten.

Heute hat sich die Natur den verlassenen Steinbruch auf faszinierende Weise zurückerobert: Weiden, Birken und Schilf wachsen im Schotter. In den klaren Grundwassertümpeln auf der Sohle leben seltene Amphibienarten, Molche und Wasservögel inmitten der rostenden Industrieanlagenteile. Der Ort strahlt eine bedrückende, postapokalyptische Atmosphäre aus, in der Geschichte und wilde Natur unauflöslich verwoben sind. Er gemahnt eindringlich an die Zerbrechlichkeit der Zivilisation und die Pflicht zur Erinnerung.

Wandere zurück nach Norden entlang des Höhenzuges der Krzemionki in Richtung des Lasota-Hügels. Bald erblickst du den zylindrischen Backsteinturm des Forts 31 St. Benedikt und eine winzige romanische Kirche.

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