Tempel-Synagoge: Glanz des liberalen Judentums
Why is it significant?
Tritt vor die zweifarbige Backsteinfassade der Tempel-Synagoge an der Miodowa-Straße mit ihren Rundbogenfriesen und den hebräischen Gesetzestafeln.
Key Facts
| Place | Tempel-Synagoge: Glanz des liberalen Judentums |
|---|---|
| Address | ul. Miodowa 24, 31-055 Kraków, Poland |
| Geo Coordinates | 50.05290, 19.94440 |
| Part of Walk | Kazimierz: Die jüdische Stadt von Krakau und ihre Synagogen |
| Generated | Generated |
Tritt vor die zweifarbige Backsteinfassade der Tempel-Synagoge an der Miodowa-Straße mit ihren Rundbogenfriesen und den hebräischen Gesetzestafeln. Erbaut zwischen 1860 und 1862 nach Plänen von Ignacy Hercok für den Verein der fortschrittlichen Israeliten, war sie das letzte monumentale jüdische Gotteshaus in Kazimierz. Ihre Gemeindemitglieder gehörten der assimilierten jüdischen Elite an: Rechtsanwälte, Bankiers, Ärzte und Universitätsdozenten, die für eine aufgeklärte Modernisierung eintraten. Im Tempel wurden die Predigten auf Polnisch und Deutsch gehalten, begleitet von einem gemischten Synagogenchor und einer Orgel, was für traditionelle Kreise damals eine unerhörte Neuerung darstellte.
Trittst du durch das Portal, empfängt dich der goldglänzende Zauber einer orientalisch-maurischen Innenarchitektur. Die Wände, Decken und Frauenemporen sind über und über mit vergoldeten Stuckaturen, maurischen Arabesken und polychromen Inschriften verziert. Das Gewölbe wird von einer Folge von sechsunddreißig originalen Buntglasfenstern erhellt, den einzigen vollständig erhaltenen Synagogenfenstern des 19. Jahrhunderts in Krakau. Den Mittelpunkt bildet der aus weißem Carrara-Marmor gemeißelte Thoraschrein, bekrönt von einer goldenen Kuppel nach dem Vorbild des salomonischen Tempels.
Zu den berühmtesten Kanzelrednern gehörte Rabbiner Ozjasz Thon, ein einflussreicher polnischer Parlamentsabgeordneter und Vorkämpfer des Zionismus in Galizien. Thon pflegte den interreligiösen Dialog mit Kardinal Adam Stefan Sapieha und trat für die staatsbürgerliche Loyalität der Juden zur wiedergeborenen Republik Polen ein. Er verfasste zahlreiche Schriften zur jüdischen Philosophie und vertrat die Krakauer Gemeinde bei internationalen Kongressen. Heute dient die vorbildlich restaurierte Synagoge als Hauptschauplatz für Konzerte des weltbekannten jüdischen Kulturfestivals von Krakau. Die Akustik unter der Kuppel verleiht liturgischen Gesängen und Klezmermusik eine betörende Tiefe.
Während der Nazi-Okkupation schändeten die Besatzer das Gotteshaus und nutzten es als Munitionslager und Pferdestall der Wehrmacht. Dank der massiven Bauweise und internationaler Restaurierungshilfen nach 1990 erstrahlen die Ornamente wieder in unversehrtem Glanz. Die Synagoge bezeugt das harmonische Streben nach Synthese aus jüdischer Frömmigkeit und europäischer Aufklärung in einer toleranten Gesellschaft.
Folge der Miodowa-Straße und biege links in die Estery-Straße zum Plac Nowy ein. Vor dir öffnet sich der lebendigste Platz von Kazimierz mit seinem markanten Rundbau.