San Lorenzo und Michelangelos Bibliothek
Why is it significant?
Vor dir ragt eine Fassade auf, die aussieht, als hätten die Bauarbeiter gestern Feierabend gemacht: rohe Ziegel, Löcher für Gerüstbalken, kein einziges Stück Marmor. So steht San Lorenzo seit Jahrhunderten da, die Hauskirche der Medici, und genau diese Nacktheit erzählt ihre Geschichte.
Key Facts
| Place | San Lorenzo und Michelangelos Bibliothek |
|---|---|
| Address | Piazza di San Lorenzo 9, 50123 Firenze FI, Italy |
| Geo Coordinates | 43.77470, 11.25450 |
| Part of Walk | Das Erbe der Medici: Florenz zwischen San Lorenzo und Santa Maria Novella |
| Generated | Generated |
Vor dir ragt eine Fassade auf, die aussieht, als hätten die Bauarbeiter gestern Feierabend gemacht: rohe Ziegel, Löcher für Gerüstbalken, kein einziges Stück Marmor. So steht San Lorenzo seit Jahrhunderten da, die Hauskirche der Medici, und genau diese Nacktheit erzählt ihre Geschichte.
Papst Leo der Zehnte, ein Sohn Lorenzos des Prächtigen, beauftragte 1518 Michelangelo mit einer Marmorfassade. Michelangelo verbrachte Monate in den Steinbrüchen von Carrara und Pietrasanta, ließ Blöcke brechen, baute ein Holzmodell... und 1520 wurde der Vertrag einfach aufgelöst. Das Holzmodell existiert noch, es steht heute in der Casa Buonarroti. Die Fassade nie.
Innen ist alles Ordnung und Licht. Ab etwa 1420 hat Filippo Brunelleschi die Kirche neu gebaut, mit grauen Säulen aus Pietra serena vor weißen Wänden, ein Raum, der rechnet und atmet zugleich. Vor dem Hochaltar liegt eine schlichte Grabplatte im Boden. Darunter ruht Cosimo der Ältere, und die Stadt ließ ihm nach seinem Tod 1464 den Ehrentitel Vater des Vaterlandes einmeißeln. Ganz in seiner Nähe liegt Donatello begraben, der Bildhauer, den Cosimo ein Leben lang gefördert hat. Und die Alte Sakristei, die Brunelleschi für Cosimos Vater Giovanni di Bicci baute, gilt als einer der ersten vollendeten Räume der Renaissance überhaupt.
Links neben der Fassade führt eine Tür in den Kreuzgang, und von dort eine Treppe hinauf zur Biblioteca Medicea Laurenziana. Papst Clemens der Siebte, ebenfalls ein Medici, ließ sie ab 1524 von Michelangelo entwerfen. Der Vorraum ist ein Rätsel aus Stein: Säulen, die in der Wand stecken, Konsolen, die nichts tragen, und eine Treppe, die wie Lava herabzufließen scheint. Bartolomeo Ammannati hat sie 1559 nach Michelangelos Anweisungen vollendet.
Im Lesesaal stehen noch die hölzernen Pulte, an die man früher die Handschriften kettete. Heute bewahrt die Bibliothek Tausende von Manuskripten, darunter den Codex Amiatinus, die älteste erhaltene vollständige lateinische Bibel, geschrieben im frühen achten Jahrhundert in England. Wissen war für die Medici Macht, und sie haben es weggesperrt und zugleich zugänglich gemacht. Geh jetzt links um die Kirche herum zu ihrer Rückseite, zur Piazza di Madonna degli Aldobrandini, wo eine gewaltige Kuppel auf dich wartet.