Skalitzer Straße: Unter der Hochbahn nach SO 36
Why is it significant?
Über dir donnert die U1 auf ihrem Viadukt, die gelben Wagen blitzen zwischen den Stahlstreben, und unten auf dem breiten Mittelstreifen laufen Menschen, Fahrräder und Hunde im gesprenkelten Schatten.
Key Facts
| Place | Skalitzer Straße: Unter der Hochbahn nach SO 36 |
|---|---|
| Address | Skalitzer Straße / Manteuffelstraße, 10999 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.49960, 13.42450 |
| Part of Walk | Kreuzberger Küche: Currywurst, Döner und Markthallen in Berlin |
| Generated | Generated |
Über dir donnert die U1 auf ihrem Viadukt, die gelben Wagen blitzen zwischen den Stahlstreben, und unten auf dem breiten Mittelstreifen laufen Menschen, Fahrräder und Hunde im gesprenkelten Schatten. Diese Hochbahn ist älter als fast alles um dich herum: Sie fährt hier seit 1902, auf der ersten U-Bahn-Strecke Berlins. Und der Straßenname erinnert, wie so viele in Kreuzberg, an eine preußische Schlacht, hier an die bei Skalitz im Krieg von 1866.
Am 30. Oktober 1961, wenige Wochen nach dem Mauerbau, unterschrieb die Bundesrepublik ein Anwerbeabkommen mit der Türkei. West-Berlin brauchte Arbeitskräfte besonders dringend, denn aus dem Osten kam nun niemand mehr herüber. So kamen Frauen und Männer aus Anatolien in die Elektrofabriken und Werkstätten der Stadt. Eigentlich sollten sie nach ein paar Jahren wieder gehen. Viele blieben, holten ihre Familien nach, und SO 36 wurde ihr Kiez.
Mit ihnen kam die Küche. In Kreuzberg öffneten türkische Lebensmittelläden, und plötzlich gab es Auberginen, Schafskäse, Fladenbrot, Paprika, die nach etwas schmeckten, und Lammfleisch beim Fleischer um die Ecke. Abends kochten die Frauen nach der Schicht in winzigen Altbauküchen die Gerichte ihrer Dörfer nach, so gut es mit den Zutaten eben ging. Die Berliner, die mit Kohl, Kartoffeln und Bulette groß geworden waren, schauten erst skeptisch und kauften dann mit. Ohne diese Läden kein Döner, keine Mezze, keine Gözleme auf dem Markt am Maybachufer.
Willkommen waren die neuen Nachbarn nicht überall. 1975 verhängte West-Berlin für Kreuzberg, Wedding und Tiergarten eine Zuzugssperre: Ausländer durften dort keine neue Wohnung mehr anmelden, weil ihr Anteil angeblich zu hoch war. Die Sperre galt über ein Jahrzehnt lang. Und trotzdem, oder gerade deshalb, wurde Kreuzberg zu dem Ort, an dem Deutschland lernte, dass Einwanderung eine Stadt nicht ärmer macht, sondern reicher, auch am Esstisch.
Die Kinder und Enkel der ersten Generation führen heute Restaurants, Bäckereien, Arztpraxen und Kanzleien. Geh jetzt nach links in die Manteuffelstraße und dann nach rechts in die Pücklerstraße. Dort wartet eine Backsteinhalle aus der Kaiserzeit, und in ihr das Finale unseres Spaziergangs.