Kulturforum, Philharmonie und Gedenkort T4

Why is it significant?

Vor dir wölbt sich ein Gebäude, das aussieht, als hätte jemand ein goldenes Zirkuszelt in Beton gegossen und dann ein bisschen zerknittert. Das ist die Philharmonie von Hans Scharoun, eingeweiht 1963.

Key Facts

PlaceKulturforum, Philharmonie und Gedenkort T4
AddressHerbert-von-Karajan-Straße 1, 10785 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.51000, 13.36960
Part of WalkKuppel, Kanzlerwaschmaschine und Goldelse: Berlins Regierungsviertel und der Tiergarten
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Vor dir wölbt sich ein Gebäude, das aussieht, als hätte jemand ein goldenes Zirkuszelt in Beton gegossen und dann ein bisschen zerknittert. Das ist die Philharmonie von Hans Scharoun, eingeweiht 1963. Und ganz in der Nähe, auf der Seite zur Tiergartenstraße, steht eine lange Wand aus blauem Glas, an der viele vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben.

Die Berliner tauften den Bau schnell Zirkus Karajani, nach Herbert von Karajan, der hier jahrzehntelang die Berliner Philharmoniker dirigierte. Scharouns Idee war damals revolutionär: Das Orchester sitzt nicht vorne auf einer Bühne, sondern ungefähr in der Mitte, und das Publikum sitzt rundherum auf Terrassen, wie Weinberge an einem Hang. Von fast überall bist du nah dran an der Musik. Viele Konzertsäle auf der Welt haben dieses Weinberg-Prinzip später übernommen.

Jetzt zur blauen Glaswand. An dieser Adresse, Tiergartenstraße 4, stand eine Villa, in der ab 1940 die Ermordung von Kranken und Menschen mit Behinderungen organisiert wurde. Nach der Adresse nannte man das Programm später Aktion T4. In Gaskammern sogenannter Heil- und Pflegeanstalten starben allein in dieser ersten Phase rund 70.000 Menschen, insgesamt wurden im Zuge der NS-Euthanasie etwa 300.000 ermordet. Personal und Methoden aus diesem Programm wurden später in den Vernichtungslagern eingesetzt.

Der Gedenk- und Informationsort an der Glaswand wurde erst 2014 eröffnet, fast siebzig Jahre nach Kriegsende. Lange erinnerte hier nur eine Gedenkplatte im Boden. Und daneben steht eine Skulptur, die ursprünglich gar nichts mit diesem Ort zu tun hatte: zwei geschwungene, rostige Stahlplatten von Richard Serra, Berlin Junction, aufgestellt 1987. Mit den Jahren wurde sie für viele Berliner zum stillen Mahnmal, einfach weil sie da stand.

Rundherum ließ West-Berlin nach dem Mauerbau eine ganze Kulturlandschaft entstehen, als Gegenstück zur Museumsinsel, die nun im Osten lag. Die Staatsbibliothek, in der Wim Wenders in Der Himmel über Berlin seine Engel den Lesenden zuhören ließ, die Gemäldegalerie, und die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe, eine schwebende Stahlplatte über Glas, 2021 nach David Chipperfields Sanierung wiedereröffnet. Jetzt raus aus dem Beton: Überquer die Tiergartenstraße, geh hinein in den Park und ein Stück nach Westen, zu einer kleinen Insel mit Blumenbeeten und einer Königin aus Marmor.

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