Denkmal für die verfolgten Homosexuellen

Why is it significant?

Unter den Bäumen am Tiergartenrand steht ein schiefer, grauer Betonblock, ein bisschen wie eine Stele, die sich vom Holocaust-Mahnmal gegenüber verlaufen hat. Auf einer Seite ist ein kleines, schräges Fenster eingelassen. Geh ruhig hin und schau hinein.

Key Facts

PlaceDenkmal für die verfolgten Homosexuellen
AddressEbertstraße, 10785 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.51330, 13.37610
Part of WalkKuppel, Kanzlerwaschmaschine und Goldelse: Berlins Regierungsviertel und der Tiergarten
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Unter den Bäumen am Tiergartenrand steht ein schiefer, grauer Betonblock, ein bisschen wie eine Stele, die sich vom Holocaust-Mahnmal gegenüber verlaufen hat. Auf einer Seite ist ein kleines, schräges Fenster eingelassen. Geh ruhig hin und schau hinein.

Drinnen läuft ein Film in Endlosschleife: zwei Menschen, die sich küssen. Sonst nichts. Ein Kuss, der nie aufhört. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen haben die Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen, eingeweiht wurde es im Mai 2008. Am Anfang küssten sich im Film zwei Männer. Nach einer langen Debatte zeigt das Fenster inzwischen im Wechsel auch Frauen, die sich küssen.

Die Geschichte dahinter heißt Paragraf 175. Schon das Kaiserreich stellte Sex zwischen Männern unter Strafe, aber die Nationalsozialisten verschärften den Paragrafen 1935 drastisch. Zehntausende Männer wurden verurteilt, Tausende kamen in Konzentrationslager, wo sie einen rosa Winkel auf der Häftlingskleidung tragen mussten, und viele von ihnen starben dort. Auch lesbische Frauen gerieten ins Visier, manche wurden als sogenannte Asoziale in Lager gesperrt.

Das eigentlich Unfassbare ist, was danach kam. Die Bundesrepublik übernahm den Paragrafen in der verschärften Fassung der Nazis und verurteilte bis 1969 noch einmal Zehntausende Männer. Wer aus dem KZ zurückkam, galt nicht als Opfer, sondern weiter als Straftäter, manche saßen nach 1945 erneut im Gefängnis. Ganz gestrichen wurde Paragraf 175 erst 1994. Und erst 2017 hob der Bundestag die alten Urteile auf und rehabilitierte die Verurteilten. Für die allermeisten kam das viel zu spät.

Darum steht der Würfel genau hier: in Sichtweite des Holocaust-Mahnmals, aber nicht mittendrin, als eigenes Erinnern an Menschen, die nach 1945 ein zweites Mal vergessen wurden. Wer genau hinschaut, findet manchmal kleine Blumen oder Regenbogenbänder am Beton. Jetzt weiter nach Süden, die Ebertstraße entlang. Nach ein paar Minuten öffnet sich der Himmel, und du stehst zwischen Glastürmen auf dem Platz, der in den Zwanzigerjahren der lauteste von ganz Berlin war.

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