Platja del Somorrostro: Carmen Amaya und das verschwundene Dorf

Why is it significant?

Vor dir liegt ein breiter, heller Sandstrand mit Volleyballnetzen, Joggern und Menschen auf Handtüchern, und dahinter das weite, blaue Meer. Es ist schwer vorstellbar, dass hier einmal Tausende Menschen in Hütten aus Brettern und Wellblech lebten, eine ganze Stadt direkt am Wasser.

Key Facts

PlacePlatja del Somorrostro: Carmen Amaya und das verschwundene Dorf
AddressPasseig Marítim de la Barceloneta, 08003 Barcelona, Spain
Geo Coordinates41.38300, 2.19450
Part of WalkBarceloneta und Port Vell: Barcelonas Hafen, Fischerviertel und Strand zum Schmecken
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Vor dir liegt ein breiter, heller Sandstrand mit Volleyballnetzen, Joggern und Menschen auf Handtüchern, und dahinter das weite, blaue Meer. Es ist schwer vorstellbar, dass hier einmal Tausende Menschen in Hütten aus Brettern und Wellblech lebten, eine ganze Stadt direkt am Wasser.

Dieser Strandabschnitt heißt Somorrostro, nach dem Barackendorf, das hier ab dem 19. Jahrhundert wuchs. Hier lebten die Ärmsten der Stadt: Zuwanderer aus dem Süden Spaniens, Fischerfamilien, viele Gitanos. Bei Stürmen riss das Meer Hütten weg, Wasser und Strom gab es kaum. Und doch war Somorrostro auch ein Ort voller Leben, Musik und Zusammenhalt.

Denn hier wurde eine der größten Tänzerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts geboren: Carmen Amaya, die Königin des Flamenco. Schon als kleines Mädchen tanzte sie für ein paar Münzen in den Tavernen am Hafen, mit einer Wildheit, die niemand vergaß. Sie war eine Gitana aus Somorrostro, und sie hat das nie verschwiegen, im Gegenteil: Sie trug ihre Herkunft wie eine Krone. Später tanzte sie in Buenos Aires, in New York, in Hollywood-Filmen... und kehrte doch immer wieder in ihre Stadt zurück. In der Barceloneta erinnert ein Brunnen an sie.

Das Ende des Dorfes kam 1966. Erzählt wird, das Regime habe die letzten Hütten räumen lassen, weil an der Küste eine Marineparade stattfinden sollte, die Franco besuchen wollte. Die Bewohner wurden in neue Wohnblocks am Stadtrand umgesiedelt, und viele verloren dabei nicht nur ihre Hütten, sondern auch ihre Nachbarschaft, und der Strand wurde später für die Olympischen Spiele völlig neu gestaltet. Lange erinnerte nichts an Somorrostro, erst Jahrzehnte später bekam der Strandabschnitt seinen Namen zurück.

Wenn du einen Moment still bist, kannst du dir vorstellen, wie hier abends Gitarren klangen, wie jemand über einem Feuer Sardinen briet und ein kleines Mädchen barfuß im Sand tanzte. Und wenn du später durch die Barceloneta gehst, halt Ausschau nach dem Brunnen, der ihren Namen trägt. Folge der Promenade weiter nach Norden, bis über den Palmen ein gewaltiger goldener Fisch in der Sonne glänzt.

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