Portugiesische Synagoge: Tausend Kerzen seit 1675
Why is it significant?
Hinter einer niedrigen Mauer und einem stillen Innenhof erhebt sich ein gewaltiger Backsteinkasten mit hohen Bogenfenstern: die Portugiesische Synagoge, die Esnoga. Als sie am 2. August 1675 eingeweiht wurde, galt sie als größte Synagoge der Welt, und halb Amsterdam kam, um zu staunen.
Key Facts
| Place | Portugiesische Synagoge: Tausend Kerzen seit 1675 |
|---|---|
| Address | Mr. Visserplein 3, 1011 RD Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.36750, 4.90540 |
| Part of Walk | Amsterdams Jüdisches Viertel und die Plantage: Synagogen, Widerstand und Erinnerung |
| Generated | Generated |
Hinter einer niedrigen Mauer und einem stillen Innenhof erhebt sich ein gewaltiger Backsteinkasten mit hohen Bogenfenstern: die Portugiesische Synagoge, die Esnoga. Als sie am 2. August 1675 eingeweiht wurde, galt sie als größte Synagoge der Welt, und halb Amsterdam kam, um zu staunen.
Gebaut hat sie Elias Bouman, derselbe Baumeister, dem man die Fassade des Huis de Pinto zuschreibt, mit dem dein Weg begonnen hat. Die Sepharden, Nachfahren der aus Portugal und Spanien vertriebenen Juden, wollten zeigen, was sie in dieser Stadt geworden waren: wohlhabende, selbstbewusste Bürger, die sich nicht mehr verstecken mussten. Vier Jahre dauerte der Bau, von 1671 bis 1675. Und wie fast alles in Amsterdam ruht der Bau auf Holzpfählen im weichen Boden.
Im großen Saal brennt bis heute kein elektrisches Licht. Vier riesige Messingleuchter tragen zusammen rund tausend Kerzen, und wenn sie bei besonderen Gottesdiensten alle brennen, sieht der Raum aus wie vor dreihundertfünfzig Jahren. Auf dem Holzboden liegt feiner Sand, der die Schritte dämpft und Schmutz und Feuchtigkeit aufnimmt. Der mächtige Toraschrein ist aus dunklem Jacarandaholz aus Brasilien geschnitzt, ein stummer Zeuge dafür, wie weit die Handelsnetze dieser Gemeinde reichten. Im Hof liegt außerdem die Bibliothek Ets Haim, gegründet 1616, die als älteste noch arbeitende jüdische Bibliothek der Welt gilt.
Und das Erstaunlichste: Das Gebäude hat den Krieg fast unversehrt überstanden. Warum die Besatzer es nicht plünderten und zerstörten, ist bis heute nicht ganz geklärt. Doch die Gemeinde, die es füllte, wurde zum größten Teil ermordet. Ein Haus, das stehen blieb, während seine Menschen verschwanden... vielleicht ist das das stillste Mahnmal im ganzen Viertel. Nach dem Krieg haben die Überlebenden es wieder geöffnet, und es wird bis heute genutzt. Im Winter, wenn sich der große Saal kaum heizen lässt, weicht die Gemeinde in die kleinere Wintersynagoge im Hof aus.
Geh jetzt ein Stück die Weesperstraat hinunter nach Süden. Nach knapp zweihundert Metern siehst du ein Labyrinth aus rotbraunen Ziegelmauern, auf denen spiegelnde Buchstaben glänzen.