Archivo General de Indias: Das Gedächtnis eines Weltreichs
Why is it significant?
Vor dir steht ein strenger, fast quadratischer Bau aus hellem Stein, zwei Stockwerke hoch, mit Pilastern und einer Balustrade, auf der kleine steinerne Pyramiden sitzen. Kein Schnörkel, keine Vergoldung. Nach dem Rathaus und dem Alcázar wirkt er beinahe nüchtern, und genau das war gewollt.
Key Facts
| Place | Archivo General de Indias: Das Gedächtnis eines Weltreichs |
|---|---|
| Address | Avenida de la Constitución 3, 41004 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38460, -5.99320 |
| Part of Walk | Kaiser, Kathedrale, Judería: Sevillas Altstadt zwischen Giralda, Real Alcázar und Santa Cruz |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein strenger, fast quadratischer Bau aus hellem Stein, zwei Stockwerke hoch, mit Pilastern und einer Balustrade, auf der kleine steinerne Pyramiden sitzen. Kein Schnörkel, keine Vergoldung. Nach dem Rathaus und dem Alcázar wirkt er beinahe nüchtern, und genau das war gewollt.
Gebaut wurde er ab 1584 als Lonja, als Börse der Kaufleute. Bis dahin hatten die Händler ihre Geschäfte auf den Stufen der Kathedrale gemacht, und wenn es regnete, einfach drinnen, zwischen Messen und Beichtstühlen. Die Kirche beschwerte sich beim König, und Philipp II., Karls Sohn, beauftragte Juan de Herrera, den Architekten des Escorial. 1785 machte König Karl III. das Gebäude zum Archivo General de Indias.
Heute lagern hier Dokumente auf Kilometern von Regalen: Schiffslisten, Briefe von Kolumbus, Pläne von Städten, die es noch immer gibt, Prozessakten, Seekarten, Berichte von Vizekönigen. Fast alles, was Spanien über drei Jahrhunderte in Amerika und auf den Philippinen tat, ist hier verzeichnet. Bis heute reisen Historikerinnen und Historiker aus ganz Lateinamerika hierher, um die Geschichte ihrer eigenen Länder zu lesen. Seit 1987 gehört das Archiv gemeinsam mit Kathedrale und Alcázar zum UNESCO-Welterbe.
Auch deutsche Namen stehen in diesen Akten. 1528 überließ Karl V. dem Augsburger Handelshaus der Welser die Provinz Venezuela, eng verbunden mit den Krediten, mit denen die Welser ihn unterstützt hatten. Konquistadoren in ihren Diensten, wie Nikolaus Federmann und Philipp von Hutten, zogen auf der Suche nach dem Goldland El Dorado durchs Landesinnere, mit verheerenden Folgen für die Menschen dort. Im selben Jahr erhielten Partner der Welser eine Lizenz, viertausend versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner nach Amerika zu bringen. Auch davon erzählen diese Papiere.
Es ist ein seltsamer Ort. Still und kühl, mit einer Marmortreppe und hölzernen Regalen, und zwischen den Seiten steckt die ganze Größe und Gewalt einer Epoche. Wenn du gehst, halte dich nach Süden, durch die Calle Santo Tomás, bis zu einem Häuserblock, in dem einst das Silber dieses Weltreichs zu Münzen geschlagen wurde.