Rudolfinum
Why is it significant?
Zum Schluss stehst du vor einem Palast, der alles verkörpert, wogegen die Jugendstilkünstler rebellierten: Säulen, Balustraden, symmetrische Flügel, ganz in der Sprache der italienischen Renaissance. Das ist das Rudolfinum, und auf seinem Dach stehen Statuen berühmter Komponisten in Reih und Glied.
Key Facts
| Place | Rudolfinum |
|---|---|
| Address | Alšovo nábřeží 79/12, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08990, 14.41550 |
| Part of Walk | Prag zwischen Jugendstil und Kubismus: Kuppeln, Kristallhäuser und ein Café aus Prismen |
| Generated | Generated |
Zum Schluss stehst du vor einem Palast, der alles verkörpert, wogegen die Jugendstilkünstler rebellierten: Säulen, Balustraden, symmetrische Flügel, ganz in der Sprache der italienischen Renaissance. Das ist das Rudolfinum, und auf seinem Dach stehen Statuen berühmter Komponisten in Reih und Glied.
Gebaut wurde es zwischen 1876 und 1884 nach Plänen von Josef Zítek und Josef Schulz, finanziert von der Böhmischen Sparkasse und benannt nach Kronprinz Rudolf. Für die Generation von Kotěra und Gočár war genau dieser Stil das Problem: schön, gelehrt, aber eine Verkleidung, die mit dem Zweck des Gebäudes wenig zu tun hatte. Ohne das Rudolfinum gäbe es also keine Revolte, keinen Jugendstil und keine Kristallhäuser. Dabei war die Idee durchaus modern: Musik und bildende Kunst sollten unter einem Dach wohnen, und bis heute zeigt die Galerie Rudolfinum im zweiten Flügel zeitgenössische Kunst.
Und doch ist es ein Haus voller Musik. Am 4. Januar 1896 gab hier die Tschechische Philharmonie ihr erstes Konzert, am Pult stand Antonín Dvořák. Der Dvořák-Saal ist bis heute ihr Zuhause. Zwischen den Weltkriegen tagte im Rudolfinum sogar das Parlament der Tschechoslowakei.
Während der deutschen Besatzung übernahmen die Besatzer das Haus. Der Schriftsteller Jiří Weil erzählt in seinem Roman Mendelssohn ist auf dem Dach eine bittere Geschichte: Die Besatzer wollen die Statue des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy entfernen, doch die Arbeiter wissen nicht, welche Figur er ist. Man befiehlt ihnen, den mit der größten Nase herunterzuholen, und beinahe trifft es Richard Wagner. Ein Roman, keine Chronik, aber eine Geschichte, die von der Absurdität des Rassenwahns mehr erzählt als manches Lehrbuch.
Damit schließt sich der Kreis. Vom Kaiserbahnhof über Muchas Frauen, die goldene Kuppel des Gemeindehauses und das kristalline Café bis zu diesem Tempel der Musik... Prag hat in wenigen Jahrzehnten drei Stile nebeneinander gestellt und keinen davon abgerissen. Setz dich auf die Stufen, schau auf den Fluss und die Burg, und lass die Stadt noch ein bisschen nachklingen.