Tyrš-Haus: Die Turner des Sokol im Michna-Palais
Why is it significant?
Auf der linken Seite der Újezd zieht sich hinter einer Mauer ein langgestrecktes Palais entlang, darüber ein Schild mit dem Namen Tyršův dům. Vielleicht hörst du durch ein offenes Fenster einen Ball aufprallen oder eine Trillerpfeife.
Key Facts
| Place | Tyrš-Haus: Die Turner des Sokol im Michna-Palais |
|---|---|
| Address | Újezd 450/40, 118 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08380, 14.40480 |
| Part of Walk | Prag verborgen: Kleinseite, Kampa und der Garten der Botschaft |
| Generated | Generated |
Auf der linken Seite der Újezd zieht sich hinter einer Mauer ein langgestrecktes Palais entlang, darüber ein Schild mit dem Namen Tyršův dům. Vielleicht hörst du durch ein offenes Fenster einen Ball aufprallen oder eine Trillerpfeife. In diesem Adelspalast wird geturnt, und das seit mehr als hundert Jahren.
Seine barocke Gestalt erhielt das Palais im 17. Jahrhundert für die Familie Michna von Vacínov, die nach der Schlacht am Weißen Berg mit eingezogenen Gütern der Verlierer reich geworden war. Später diente es lange als Kaserne und Zeughaus und verfiel. 1921 kaufte es der Sokol, der tschechische Turnverband, und machte es zu seinem Hauptquartier. Benannt ist es nach Miroslav Tyrš, einem der beiden Gründer. Wo einst Kanonen und Musketen lagerten, liegen heute Turnhallen, in denen Kinder Purzelbäume schlagen.
Und jetzt kommt die Pointe, die auf keiner Gedenktafel steht. Tyrš kam als Friedrich Emanuel Tirsch in Tetschen an der Elbe zur Welt, in einer deutschsprachigen Familie. Sein Mitstreiter Jindřich Fügner hieß ursprünglich Heinrich Fügner und war ein deutschsprachiger Prager Kaufmann. Zwei Männer aus deutschen Häusern gründeten 1862 die Bewegung, die zum Inbegriff des tschechischen Nationalgefühls wurde. Ihre Mitglieder trugen rote Hemden und duzten sich als Brüder und Schwestern.
Der Sokol war mehr als Sport. Bei den großen Sletfesten turnten Zehntausende gleichzeitig im Takt, ein Bild, das ganz Europa staunen ließ. Ein Turner mit gesundem Körper, so die Idee, sei auch ein freier Bürger. Beim Slet von 1948, wenige Monate nach der kommunistischen Machtübernahme, zogen die Turner an der Tribüne der neuen Machthaber vorbei, und viele zeigten offen, dass ihr Herz beim abgesetzten Präsidenten Beneš war.
Genau deshalb war er jedem Regime verdächtig. Die nationalsozialistischen Besatzer lösten den Sokol 1941 auf, viele Mitglieder kamen in Konzentrationslager oder wurden hingerichtet. Nach 1948 legten ihn die Kommunisten an die Kette, erst 1990 durfte er wieder frei arbeiten. Geh jetzt weiter die Újezd hinunter, bis zum Fuß des Petřín, wo Bronzefiguren eine Treppe herabsteigen.