Deutsche Botschaft im Palais Lobkowicz: Der Garten von 1989
Why is it significant?
Bleib vor dem Gittertor in der Vlašská stehen und schau auf die helle Barockfassade mit dem Bundesadler neben dem Eingang.
Key Facts
| Place | Deutsche Botschaft im Palais Lobkowicz: Der Garten von 1989 |
|---|---|
| Address | Vlašská 19, 118 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08730, 14.39800 |
| Part of Walk | Prag verborgen: Kleinseite, Kampa und der Garten der Botschaft |
| Generated | Generated |
Bleib vor dem Gittertor in der Vlašská stehen und schau auf die helle Barockfassade mit dem Bundesadler neben dem Eingang. Ein stilles Palais, ein Wachmann, dahinter ein Garten, der sich den Hang des Petřín hinaufzieht... und genau hier hat die deutsche Geschichte im Herbst 1989 eine Abzweigung genommen.
Das Palais Lobkowicz entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Giovanni Battista Alliprandi, einem jener italienischen Baumeister, denen die ganze Gasse ihren Namen verdankt: Vlašská heißt nichts anderes als die Welsche, die Italienische Gasse. Seit den 1970er-Jahren residiert hier die Botschaft der Bundesrepublik. Und ein paar Häuser weiter unten, im Palais Schönborn, sitzen die Amerikaner. Diplomatie wohnt auf der Kleinseite gern Tür an Tür.
Im Sommer 1989 begannen DDR-Bürger, über den Zaun dieses Gartens zu klettern. Ungarn hatte seine Grenze zu Österreich durchlässig gemacht, und wer über Prag in den Westen wollte, suchte Zuflucht bei der westdeutschen Botschaft. Ende September lebten Tausende Menschen im Garten, Familien mit kleinen Kindern, in Zelten, im Regen, im knöcheltiefen Schlamm. Pragerinnen und Prager reichten Brot und Decken über den Zaun. Helfer stellten Zelte und Feldküchen auf, und selbst auf den Treppen im Inneren des Palais schliefen Menschen, weil draußen kein Platz mehr war.
Am Abend des 30. September trat Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf den Balkon über dir. Er stammte selbst aus Halle an der Saale und war 1952 aus der DDR in den Westen gegangen. Sein berühmter Satz begann mit den Worten, man sei gekommen, um mitzuteilen, dass heute die Ausreise... und weiter kam er nicht, der Rest ging im Jubel unter. Sonderzüge brachten die Menschen dann quer durch die DDR nach Hof in Bayern. Keine sechs Wochen später fiel die Mauer.
Hinten im Garten steht noch ein Zeuge: ein Trabi auf vier menschlichen Beinen, eine Fassung von David Černýs Skulptur Quo vadis. Hunderte Trabis blieben damals herrenlos in den Gassen der Kleinseite zurück. Wer oben am Hang des Petřín entlangspaziert, kann ihn durch den Zaun erspähen. Jetzt geh die Vlašská hinunter, an den Amerikanern vorbei, bis zur Karmelitská, wo sich hinter einem schlichten Tor ein ganzer Berg aus Treppen versteckt.