Der Stalhof: Die Hanse an der Themse

Why is it significant?

Geh in den dämmrigen Durchgang unter den Gleisen der Cannon Street Station, wo es nach Fluss und Beton riecht, und such an der Wand die Gedenktafel. Viel mehr ist nicht übrig.

Key Facts

PlaceDer Stalhof: Die Hanse an der Themse
AddressSteelyard Passage, Cannon Street Station, London EC4N 6AP, United Kingdom
Geo Coordinates51.50950, -0.09170
Part of WalkVom Tower bis St Paul's: Londons City zwischen Römern, Hanse und Blitz
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Geh in den dämmrigen Durchgang unter den Gleisen der Cannon Street Station, wo es nach Fluss und Beton riecht, und such an der Wand die Gedenktafel. Viel mehr ist nicht übrig. Und doch lag genau hier über Jahrhunderte ein Stück Deutschland mitten in London: der Stalhof, englisch Steelyard, das Kontor der Hanse.

Schon im 12. Jahrhundert hatten Kölner Kaufleute eine eigene Gildehalle an der Themse. Später kamen Lübecker, Hamburger und Danziger dazu, und der Stalhof wurde eine ummauerte kleine Stadt: Lagerhäuser, Wohnungen, eine Halle, ein Garten, eine Weinstube, in der rheinischer Wein ausgeschenkt wurde. Die Hansekaufleute lebten nach strengen eigenen Statuten, mit Torschluss am Abend, und sie zahlten auf manche Waren geringere Zölle als die Engländer selbst.

Einer hat sie unsterblich gemacht: Hans Holbein der Jüngere aus Augsburg. Um 1532 malte er in London die Kaufleute des Stalhofs, allen voran den jungen Danziger Georg Gisze an seinem Kontortisch, umgeben von Briefen, Siegeln, einer Waage und einer gläsernen Vase mit Nelken. Das Bild hängt heute in der Berliner Gemäldegalerie. Für den Festsaal des Stalhofs schuf Holbein außerdem zwei große Allegorien, den Triumph des Reichtums und den Triumph der Armut... beide sind verloren.

Doch Privilegien wecken Neid. Die englischen Kaufleute wurden selbstbewusster, und 1598 ließ Elisabeth die Erste den Stalhof schließen; die Hansekaufleute mussten London verlassen. Das Grundstück aber blieb im Besitz der Hansestädte Lübeck, Bremen und Hamburg, bis sie es Mitte des 19. Jahrhunderts verkauften. Dann kam die Eisenbahn, und 1866 eröffnete auf dem Gelände die Cannon Street Station, über dir.

Es gibt sogar eine hübsche Legende, nach der das Wort sterling von den Easterlings stammt, den Kaufleuten aus dem Osten, deren Silbermünzen als besonders verlässlich galten. Sprachforscher sind skeptisch... aber an einem Ort wie diesem hört man die Geschichte gern. Geh jetzt die Dowgate Hill hinauf zur Cannon Street. Gegenüber dem Bahnhof wartet hinter einem Gitter ein unscheinbarer Stein, um den sich die seltsamsten Prophezeiungen ranken.

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