Museu Nacional dos Coches: Goldene Kutschen und ein Königsmord

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Du stehst vor einem kantigen Betonbau, der auf Stützen über dem Platz zu schweben scheint, und hinter seinen Wänden glänzt es golden. Hier parken die prunkvollsten Fahrzeuge, die Europa je gebaut hat: Kutschen, bemalt, vergoldet, mit Figuren beladen, schwer wie kleine Häuser.

Key Facts

PlaceMuseu Nacional dos Coches: Goldene Kutschen und ein Königsmord
AddressAvenida da Índia 136, 1300-300 Lisboa, Portugal
Geo Coordinates38.69690, -9.19800
Part of WalkLissabon-Belém und die Entdecker: Weltreich, Gewürze und die andere Seite der Geschichte
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Du stehst vor einem kantigen Betonbau, der auf Stützen über dem Platz zu schweben scheint, und hinter seinen Wänden glänzt es golden. Hier parken die prunkvollsten Fahrzeuge, die Europa je gebaut hat: Kutschen, bemalt, vergoldet, mit Figuren beladen, schwer wie kleine Häuser.

Die Idee hatte eine Königin. Amélie von Orléans, die Frau von König Carlos I., gründete das Museum 1905 in der königlichen Reitschule beim Palast von Belém, gleich nebenan. Sie wollte die alten Staatskarossen der Krone retten, die in Remisen vor sich hin moderten. 2015 zog die Sammlung in diesen Neubau des brasilianischen Architekten Paulo Mendes da Rocha, der dafür ebenso gelobt wie verspottet wurde.

Die Stars sind die Kutschen der Gesandtschaft des Marquês de Fontes, der 1716 im Auftrag von König João V. nach Rom zu Papst Clemens XI. reiste. Portugal schwamm damals im Gold aus Brasilien und wollte das den Römern zeigen. Die Kutschen wurden eigens in Rom gebaut, damit der feierliche Einzug der Gesandtschaft durch die Stadt möglichst viel Eindruck machte. Auf einer dieser Kutschen reichen sich zwei vergoldete Figuren die Hand: der Atlantik und der Indische Ozean, verbunden durch die portugiesische Seefahrt. Propaganda auf Rädern, so prachtvoll, dass ganz Rom staunte.

Zur Sammlung gehört aber auch ein offener Landauer, der eine dunkle Geschichte erzählt. Am 1. Februar 1908 fuhr die Königsfamilie in diesem Wagen über den großen Platz am Fluss, als Attentäter das Feuer eröffneten. König Carlos und Kronprinz Luís Filipe starben. Königin Amélie, die Gründerin dieses Museums, soll sich mit nichts als einem Blumenstrauß gegen die Schützen gewehrt haben. Zwei Jahre später, im Oktober 1910, war Portugal eine Republik.

Eine Frau gründet ein Museum für Kutschen, und am Ende steht darin der Wagen, in dem ihr Mann und ihr Sohn erschossen wurden... Geschichte hat manchmal einen grausamen Sinn für Symmetrie. Geh jetzt hinüber zum langgestreckten rosa Palast jenseits der Straße, in dem heute der Präsident der Republik seinen Amtssitz hat.

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