Piazza Santa Maria Novella: Die Rennbahn der Großherzöge

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Stell dich an das südliche Ende des Platzes, mit dem Rücken zum Säulengang, und schau über die Wiese zur Kirche. Links und rechts stehen zwei schmale Marmorobelisken, jeder auf vier kleinen Bronzeschildkröten. Sie sehen aus wie Dekoration. In Wahrheit sind sie die Wendemarken einer Rennbahn.

Key Facts

PlacePiazza Santa Maria Novella: Die Rennbahn der Großherzöge
AddressPiazza di Santa Maria Novella, 50123 Firenze FI, Italy
Geo Coordinates43.77290, 11.24910
Part of WalkDas Erbe der Medici: Florenz zwischen San Lorenzo und Santa Maria Novella
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Stell dich an das südliche Ende des Platzes, mit dem Rücken zum Säulengang, und schau über die Wiese zur Kirche. Links und rechts stehen zwei schmale Marmorobelisken, jeder auf vier kleinen Bronzeschildkröten. Sie sehen aus wie Dekoration. In Wahrheit sind sie die Wendemarken einer Rennbahn.

1563 führte Cosimo der Erste hier ein Wagenrennen ein, den Palio dei Cocchi, am Vorabend des Festes von San Giovanni, dem Stadtpatron. Er wollte die Zirkusspiele des alten Rom wiederbeleben, und wer Florenz regierte, sollte aussehen wie ein Cäsar. Die Wagen rasten um die Wendemarken, das Publikum drängte sich an den Rändern, und der Großherzog sah zu. Die Kurven um die Wendemarken waren eng, und Stürze gehörten zum Spektakel wie einst im Circus Maximus. Zuerst waren die Obelisken aus Holz, 1608 wurden sie durch Marmor ersetzt.

Und die Schildkröten? Sie gelten als Werk aus dem Umfeld Giambolognas, und sie passen zu einem Motto, das die Medici liebten: Festina lente, eile mit Weile. Ein Rennen, getragen von den langsamsten Tieren der Welt... das ist florentinischer Humor in Bronze.

Jetzt dreh dich um zum Säulengang hinter dir, der Loggia di San Paolo. Sie gehörte zu einem alten Hospital für Pilger und Kranke, und in den Bogenzwickeln sitzen weiß-blaue Terrakotta-Medaillons aus der Werkstatt der della Robbia. In der Lünette ganz am Ende begegnen sich zwei Männer in Kutten und umarmen sich: Franziskus und Dominikus, die Gründer der beiden großen Bettelorden, ein Motiv aus der Hand Andrea della Robbias.

Dieser Platz war nie nur Bühne für Feste. Die Dominikaner, die ab 1221 hier ihre Kirche bauten, predigten auf ihm vor Tausenden, und über Jahrhunderte war er Marktplatz, Festplatz, Treffpunkt. Heute spielen hier Kinder Fußball, und Touristen aus dem nahen Bahnhof suchen ihr Hotel. Der Bahnhof gleich hinter der Kirche trägt übrigens ihren Namen, und so ist dieser Platz für viele Reisende das allererste Stück Florenz, das sie sehen. Geh nun über den Rasen zu der grün-weißen Fassade am Nordende, dem Meisterstück eines reichen Kaufmanns.

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