Wiener Ringstraße & Jugendstil: Kaiserliche Prachtbauten und Gustav Klimts Rebellen
Entlang des prachtvollsten Boulevards der Welt, von der Staatsoper über das Parlament bis zum Beethovenfries
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1. Wiener Staatsoper & Der Opernring: Kaiserliches Hoftheater
Opernring 2, 1010 Wien
Stelle dich auf das weite Pflaster vor den doppelstöckigen Bogengängen der Wiener Staatsoper und lausche dem geschäftigen Treiben am Opernring. Du stehst vor dem allerersten Monumentalbau der weltberühmten Wiener Ringstraße. Kaiser Franz Joseph der Erste ordnete im Dezember achtzehnhundertsiebenundfünfzig per Handschreiben an: Es ist Mein Wille, dass die alten Stadtmauern geschliffen und durch einen fünf Kilometer langen Prachtboulevard ersetzt werden.
Die Architekten Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg schufen dieses Meisterwerk der Neorenaissance zwischen achtzehnhunderteinundsechzig und achtzehnhundertneunundsechzig. Doch die Wiener Kritik war vernichtend: Als das Straßenniveau der Ringstraße vor der Oper nachträglich um einen Meter aufgeschüttet wurde, spotteten die Bürger über einen versunkenen Kasten und verglichen das Theater mit einer versenkten Schildkröte. Sogar der Kaiser meckerte öffentlich über den Bau.
Die Schmähungen trieben Architekt van der Nüll in die Verzweiflung: Er nahm sich das Leben, und sein Partner starb nur zwei Monate später an gebrochenem Herzen noch vor der Eröffnung. Erschüttert über die Tragödie äußerte sich Franz Joseph zeitlebens zu neuen Kunstwerken nur noch mit dem berühmten diplomatischen Satz: Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!
Gehe entlang des Opernrings zum Maria-Theresien-Platz.
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2. Maria-Theresien-Platz & Die Kunsthistorischen Zwillingsmuseen
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Tritt zwischen die kunstvoll gestutzten Eibenbäume des Maria-Theresien-Platzes und blicke hinauf zu den beiden absolut spiegelbildlichen Palastbauten mit ihren sechzig Meter hohen Kuppeln. Zu deiner Rechten erhebt sich das Kunsthistorische Museum, zu deiner Linken das Naturhistorische Museum. Entworfen von den Architekten Gottfried Semper und Carl von Hasenauer, wurden diese Paläste vollendet, um die unermesslichen kaiserlichen Kunstschätze der Habsburger für das Volk zugänglich zu machen.
Im Zentrum des Platzes thront die Bronzestatue von Kaiserin Maria Theresia auf einem zwanzig Meter hohen Sockel. Die große Reformerin herrschte vierzig Jahre lang über das Reich und gebar sechzehn Kinder, darunter die spätere unglückliche französische Königin Marie Antoinette. Zu ihren Füßen reiten ihre vier berühmtesten Generäle auf bronzenen Schlachtrössern.
Betrittst du das Kunsthistorische Museum, findest du im Prunkstiegenhaus frühe Fresken des jungen Gustav Klimt, die er mit seiner Künstlerkompanie malte, bevor er mit der akademischen Tradition brach und die Secession gründete.
Folge der Ringstraße weiter nach Norden zum österreichischen Parlamentsgebäude.
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3. Österreichisches Parlament & Pallas-Athene-Brunnen: Die Wiege der Gesetze
Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1017 Wien
Bleibe vor der monumentalen Freitreppe des österreichischen Parlamentsgebäudes stehen und blicke auf den Pallas-Athene-Brunnen hinauf. Vier Meter ragt die griechische Göttin der Weisheit empor, mit vergoldetem Helm und Speer, in der rechten Hand die geflügelte Siegesgöttin Nike haltend. Zu ihren Füßen verkörpern vier liegende Marmorfiguren die vier wichtigsten Flüsse des alten Kaiserreiches: Donau, Inn, Elbe und Moldau.
Architekt Theophil von Hansen wählte ganz bewusst die Form eines altgriechischen Tempels im attischen Stil: Weil das antike Griechenland die Wiege der Demokratie war, sollte das Parlament die Abgeordneten des Vielvölkerstaates stets an Freiheit, Recht und Gleichheit erinnern. Die Säulen bestehen aus schneeweißem Marmor aus Laas in Südtirol.
Ein typischer Wiener Witz spottet über die Statue: Pallas Athene kehre dem Parlamentsgebäude ganz bewusst den Rücken zu, weil die Weisheit nicht drinnen bei den Politikern zu finden sei, sondern draußen auf der Straße!
Schau auf das bronzene Pferde-Gespann der Quadriga auf dem Dach, bevor du wenige Schritte weiter zum Rathaus gehst.
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4. Wiener Rathaus & Der Eiserne Rathausmann: Gotischer Bürgerstolz
Friedrich-Schmidt-Platz 1, 1010 Wien
Tritt auf den weiten Rathausplatz und blicke empor zu den filigranen Maßwerkspitzen und dem achtundneunzig Meter hohen Hauptturm des Wiener Rathauses. Architekt Friedrich von Schmidt, der zuvor am Kölner Dom gearbeitet hatte, wählte die stolze flämische Neugotik als klares bürgerliches Gegengewicht zum kaiserlichen Hof der Habsburger.
Schau ganz nach oben auf die Turmspitze: Dort wacht der Eiserne Rathausmann, eine über drei Meter hohe Ritterfigur in voller Rüstung, die sechshundertfünfzig Kilogramm wiegt. Als Kaiser Franz Joseph erfuhr, dass der Rathausturm höher werden sollte als die neunzig Meter hohe Votivkirche des Hofes, verbot er zornig jeden Bau, der die Kirche überragte.
Baumeister Schmidt hielt sich scheinheilig an den kaiserlichen Erlass und baute den Turm exakt siebenundneunzig Meter hoch. Doch dann setzte er klammheimlich die eiserne Ritterfigur mit ihrer aufragenden Lanze auf die Spitze—und übertrumpfte den Kaiserbau um sage und schreibe vier Meter!
Blicke über den Platz zum Burgtheater auf der gegenüberliegenden Seite der Ringstraße.
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5. Burgtheater & Klimts frühe Meisterwerke: Die Bretter der Welt
Universitätsring 2, 1010 Wien
Stelle dich vor die reich geschmückte weiße Renaissance-Fassade des Burgtheaters, des altehrwürdigen kaiserlichen Hofburgtheaters. Mit seinen Marmorreliefs der Dichterfürsten Schiller und Goethe und den geschwungenen Logenflügeln gilt die Burg als eine der bedeutendsten Theaterbühnen der gesamten europäischen Theatergeschichte.
Treten Besucher durch die beiden monumentalen Prunkstiegenhäuser ein, erblicken sie an den Decken weltberühmte Fresken: Zwischen achtzehnhundertsechsundachtzig und achtzehnhundertachtundachtzig malte der junge, erst vierundzwanzigjährige Gustav Klimt zusammen mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch Szenen aus der Geschichte des Theaters, vom antiken Theater in Taormina bis zum Londoner Globetheater Shakespeares.
Im Globetheater-Fresko versteckte der kecke junge Klimt sein einziges gesichertes Selbstporträt: Er malte sich selbst als jungen elisabethanischen Zuschauer mit weißer Halskrause mitten ins Publikum! Kaiser Franz Joseph verlieh den jungen Malern dafür das Goldene Verdienstkreuz.
Nun verlassen wir die Ringstraße nach Süden zum Karlsplatz, um den Tempel von Klimts Revolution zu betreten: die Secession.
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6. Wiener Secession & Der Beethovenfries: Der Goldene Lorbeerkohl
Friedrichstraße 12, 1010 Wien
Bleib vor dem strahlend weißen, quadratischen Pavillon der Wiener Secession stehen und hebe deinen Blick zur glänzenden vergoldeten Kuppel aus zweitausendfünfhundert schmiedeeisernen Lorbeerblättern. Die konservativen Wiener nannten die revolutionäre Kuppel spöttisch das goldene Krauthappel, also den goldenen Kohlkopf. Doch dieses Gebäude war ein Erdbeben in der europäischen Kunstgeschichte.
Im Jahr achtzehnhundertsiebenundneunzig gründeten Gustav Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann die Wiener Secession als Rebellion gegen den erstarrten Historismus der Ringstraße. Architekt Joseph Maria Olbrich erbaute diesen Tempel der neuen Kunst in nur sechs Monaten. Über dem goldenen Portal prangt das berühmte Motto des Kritikers Ludwig Hevesi: Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.
Im Untergeschoss verbirgt sich Gustav Klimts monumentaler Beethovenfries aus dem Jahr neunzehnhundertzwei: ein vierunddreißig Meter langes Wandgemälde, das Beethovens Neunte Symphonie und Friedrich Schillers Ode an die Freude feiert, gipfelnd im berühmten Kuss der ganzen Welt.
Schlendere über den Karlsplatz zur barocken Pracht der Karlskirche.
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7. Karlskirche: Das Barocke Votum über dem Karlsplatz
Kreuzherrengasse 1, 1040 Wien
Beende deinen Spaziergang am Ufer des Wasserbeckens vor der Karlskirche und bewundere, wie sich die türkise Kuppel und die beiden mächtigen Triumphsäulen im Wasser spiegeln. Du blickst auf eines der bedeutendsten barocken Sakralbauwerke Europas, vollendet im Jahr siebzehnhundertsiebenunddreißig durch Johann Bernhard Fischer von Erlach und seinen Sohn Joseph Emanuel.
Kaiser Karl der Sechste gelobte den Bau im Jahr dreizehnhundertdreizehn, als eine verheerende Pestepidemie Viena heimsuchte. Er weihte die Kirche seinem Namenspatron Karl Borromäus, dem Schutzheiligen der Pestkranken. Fischer von Erlach schuf eine kühne Synthese der Weltarchitektur: Ein griechischer Säulenportikus trifft auf eine römische Barockkuppel, flankiert von zwei gewaltigen Reliefsäulen, die der Trajanssäule in Rom nachempfunden sind.
Die Reliefbänder an den Säulen zeigen Szenen aus dem Leben von Karl Borromäus. Ein Aufzug im Inneren führt Besucher bis in die Kuppelwölbung, wo die prachtvollen Himmelsfresken von Johann Michael Rottmayr zum Greifen nah erstrahlen.
Wenn die Dämmerung den Karlsplatz verzaubert, spürst du die vollendete Harmonie Wiens: Kaiserstadt, Rebellenheimat und ewige Bühne der Kunst.