Kölner Dom, Altstadt und Rhein: Zweitausend Jahre zwischen Gotik und Kölsch

Ein Spaziergang durch die rheinische Metropole—vom himmelstürmenden Dom und dem Dreikönigenschrein über den Alten Markt zur Hohenzollernbrücke

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  1. 1. Kölner Dom: Die Himmelsstürmenden Spitzen der Gotik

    Domkloster 4, 50667 Köln, Deutschland

    Treten Sie auf die Domplatte und blicken Sie geradeaus empor zu den gigantischen, spitzen Doppeltürmen des Kölner Doms. Mit einhundert-siebenundfünfzig Metern Höhe ragen diese filigranen Kolosse aus tiefdunklem Sandstein in den Himmel, verziert mit zehntausenden fein gemeißelten Wimpergen, Fialen und gotischen Wasserspeiern.

    Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr zwölfhundertachtundvierzig durch Erzbischof Konrad von Hochstaden. Doch nach dreihundert Jahren unvollendeten Baus blieben die Arbeiten fünfzehnhundertsechzig stecken; über dreihundert Jahre lang prägte ein mittelalterlicher Holzkran auf dem unfertigen Südturm das Stadtbild, ehe der Dom im neunzehnten Jahrhundert unter Kaiser Wilhelm dem Ersten schließlich vollendet wurde.

    Obwohl Köln im Zweiten Weltkrieg von mehr als zweihundertsechzig Luftangriffen fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht wurde und vierzehn schwere Fliegerbomben den Dom trafen, stürzten die gotischen Pfeiler wie durch ein Wunder niemals ein.

    Schreiten Sie durch das gewaltige Hauptportal hinein in das gewaltige, lichterfüllte Mittelschiff.

  2. 2. Dreikönigenschrein und Domschatz: Das Goldene Mausoleum der Weisen

    Domkloster 4, 50667 Köln, Deutschland

    Schreiten Sie durch den Chorumgang hinter den Hochaltar und treten Sie vor die vitrinenartige Schutzhaube des Dreikönigenschreins. Vor Ihnen erstrahlt eine dreischiffige Basilika aus reinem Gold und feuervergoldetem Silber, besetzt mit über tausend Edelsteinen, Perlen und antiken Kameen.

    Im Jahr elfhundertvierundsechzig brachte Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute aus Mailand nach Köln. Um diese heiligste Reliquie des christlichen Abendlandes angemessen zu würdigen, schuf der maasländische Meister Nikolaus von Verdun zwischen elfhundertneunzig und zwölfhundertfünfundzwanzig diesen beispiellosen Reliquienschrein.

    Der gewaltige Pilgerstrom aus ganz Europa, der die Heiligen Drei Könige verehren wollte, sprengte den alten Dom völlig und war der direkte Anlass für den monumentalen gotischen Neubau, vor dem Sie heute stehen.

    Verlassen Sie den Dom durch das Südportal und spazieren Sie am Römisch-Germanischen Museum vorbei zum Heinzelmännchenbrunnen.

  3. 3. Heinzelmännchenbrunnen: Die Fleißigen Zwerge der Kölner Sage

    Am Hof 12, 50667 Köln, Deutschland

    Treten Sie vor das halbrunde Sandsteinbecken des Heinzelmännchenbrunnens in der ruhigen Gasse Am Hof. Auf dem erhöhten Mittelpostament steht die neugierige Schneidersfrau mit einer Laterne in der Hand, während auf den geschwungenen Steinstufen kleine Zipfelmützenmännchen mit ihren Werkzeugen purzeln und erschrocken in die Dunkelheit fliehen.

    Der Brunnen wurde im Jahr achtzehnhundertneunundneunzig zum hundertsten Geburtstag des Dichters August Kopisch gestiftet. Seine berühmte Ballade erzählt, wie die Kölner Bürger einst herrlich faul im Bett liegen konnten, weil die Heinzelmännchen nachts heimlich backten, zimmerten und Bier brauten, bis die neugierige Schneidersfrau Erbsen auf die Treppe streute, um sie zu enttarnen.

    Seit die kleinen Helfer polternd stürzten und Köln für immer verließen, so spottet der Kölner Volksmund, müssen die Bürger ihre Arbeit wieder mühsam selbst erledigen.

    Schlendern Sie um die Ecke auf das weite Pflaster des Alten Markts.

  4. 4. Alter Markt und Historisches Rathaus: Das Herz der Kölner Republik

    Alter Markt, 50667 Köln, Deutschland

    Stellen Sie sich in die Mitte des Alten Markts und lassen Sie Ihren Blick über die bunten Fassaden der schmalen Giebelhäuser schweifen. Gleich um die Ecke ragt der einundsechzig Meter hohe Rathausturm auf, verziert mit einhundertvierundzwanzig Steinstatuen Kölner Persönlichkeiten, und davor die filigrane zweistöckige Renaissance-Rathauslaube von fünfzehnhundertneunundsechzig.

    Dieses Rathaus ist das älteste noch genutzte Rathaus ganz Deutschlands, dessen erste urkundliche Erwähnung bereits ins zwölfte Jahrhundert zurückreicht. Hier kämpften die stolzen Kölner Zünfte und Bürger im Mittelalter gegen die weltliche Herrschaft der Erzbischöfe, bis sie nach der Schlacht von Worringen zwölfhundertachtundachtzig die freie Reichsstadt errichteten.

    Blicken Sie unter der Rathausuhr genau hin: Bei jedem vollen Stundenschlag streckt der geschnitzte Holzkopf des Platzjabbek frech seine Zunge heraus, ein historischer Schandspott der selbstbewussten Bürger gegen die Obrigkeit.

    Gehen Sie durch die schmalen Altstadtgassen hinunter zu den vier Türmen von Groß Sankt Martin.

  5. 5. Groß Sankt Martin und Rheingarten: Romanische Wehrhaftigkeit am Fluss

    An Groß St. Martin, 50667 Köln, Deutschland

    Treten Sie auf die gepflasterte Terrasse unterhalb der mächtigen Kleeblattapsiden von Groß Sankt Martin. Der wuchtige romanische Vierungsturm mit seinen vier achteckigen Ecktürmchen ragt wie eine uneinnehmbare Trutzburg über der Altstadt auf und spiegelt sich im breiten Strom des Rheins wider.

    Erbaut ab elfhundertfünfzig auf den Fundamenten einer römischen Sporthalle und Flottendepots mitten auf einer ehemaligen Rheininsel, gehört Groß Sankt Martin zu den zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Nach schwersten Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche über vierzig Jahre lang mit beispielloser Geduld Stein für Stein wieder aufgebaut.

    Im Inneren der Kirche herrscht eine archaische, feierliche Stille: Der romanische Sandstein ist völlig schmucklos gehalten, und im Untergeschoss kann man die antiken römischen Ziegelgewölbe zweitausend Jahre zurückverfolgen.

    Schlendern Sie durch den grünen Rheingarten hinüber zur berühmten Hohenzollernbrücke.

  6. 6. Hohenzollernbrücke: Hunderttausende Liebesschlösser über dem Rhein

    Hohenzollernbrücke, 50667 Köln, Deutschland

    Betreten Sie den südlichen Fußgängersteg der Hohenzollernbrücke und lassen Sie Ihre Hand über das dichte Drahtgitter gleiten. Von einem Brückenende zum anderen funkelt eine massive Wand aus hunderttausenden Vorhängeschlössern in allen Farben des Regenbogens, graviert mit Namen, Hochzeitsdaten und Liebesschwüren.

    Eröffnet im Jahr neunzehnhundertelf als kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke mit neoromanischen Portaltürmen, ist die Hohenzollernbrücke heute mit über zwölfhundert Zugüberfahrten täglich einer der verkehrsreichsten Eisenbahnknotenpunkte Europas. Der Brauch der Liebesschlösser begann hier im Spätsommer zweitausendacht und verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die ganze Welt.

    Nach dem Befestigen des Vorhängeschlosses werfen Paare den Schlüssel gemeinsam in die Strömung des Rheins, damit die Liebe nach altem Aberglauben ewig währt und das Schloss niemals mehr geöffnet werden kann.

    Drehen Sie sich auf der Brückenmitte um und genießen Sie den atemberaubendsten Panoramablick auf den Kölner Dom.

  7. 7. Fischmarkt und Brauhaus-Kultur: Treppengiebel und Frisches Kölsch

    Fischmarkt, 50667 Köln, Deutschland

    Treten Sie auf das kleine Kopfsteinpflaster des Fischmarkts direkt am Rhein und blicken Sie hinauf zu der Reihe bunter, schmaler Giebelhäuser in Pastellgelb, Lachsrot und Schiefergrau. Dahinter wächst die mächtige romanische Chormauer von Groß Sankt Martin in den Himmel und bildet eines der beliebtesten Fotomotive der gesamten Rheinmetropole.

    Bereits im zwölften Jahrhundert verkauften hier Kölner Fischer ihren Fang aus dem Rhein und der fernen Nordsee. Gleich in den angrenzenden Altstadtgassen wird die jahrhundertealte Brauhaus-Kultur zelebriert: Hier servieren die traditionell blau gekleideten Kellner, die Köbesse genannt werden, das obergärige Kölsch im schlanken Stangenglas unaufgefordert nach, bis man einen Bierdeckel auf das Glas legt.

    Kölsch ist weltweit das einzige Bier, das nicht nur eine Biersorte, sondern gleichzeitig ein Dialekt und ein rheinisches Lebensgefühl ist; es ist seit neunzehnhundertsechsundachtzig durch die Kölsch-Konvention streng geschützt und darf nur in Köln gebraut werden.

    Blicken Sie über die glitzernden Wellen des Rheins und stoßen Sie an: Sie haben die zweitausendjährige Seele Kölns erlebt.