Preußens Glanz und Schatten: Museumsinsel, Bebelplatz und Hackesche Höfe
Ein Spaziergang durch das kulturelle Herz Berlins, von Nofretete und Schlossbrücke bis zu den Bücherverbrennungen
Berlin · 7 stops · 10 min audio · Generated
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1. Museumsinsel & Bode-Museum: Die Wiege der Kunst an der Spree
Am Kupfergraben, 10117 Berlin
Bleib genau hier auf der eisernen Monbijoubrücke stehen und blicke auf die abgerundete Sandsteinfassade des Bode-Museums, die sich wie der Bug eines prächtigen Ozeandampfers in die Fluten der Spree schiebt. Du stehst an der Nordspitze der Museumsinsel, einem der bedeutendsten Museumskomplexe der Menschheit und seit neunzehnhundertneunundneunzig UNESCO-Weltkulturerbe.
Im neunzehnten Jahrhundert verwandelten preußische Könige diese einstige sumpfige Flussniederung in ein Heiligtum für Kunst und Wissenschaft. Im Bode-Museum, eröffnet im Jahr neunzehnhundertvier durch Wilhelm von Bode, sind byzantinische Ikonen und die weltberühmte Skulpturensammlung beheimatet. Wenige Schritte weiter im Neuen Museum wacht die dreitausenddreihundert Jahre alte Kalksteinbüste der Königin Nofretete aus dem alten Ägypten.
Im März zweitausendsiebzehn ereignete sich hier einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle der Geschichte: Einbrecher stiegen über die S-Bahn-Gleise durch ein Fenster ein und stahlen die einhundert Kilogramm schwere kanadische Goldmünze Big Maple Leaf im Wert von fast vier Millionen Euro, die sie auf einer Schubkarre abtransportierten.
Folge dem Uferweg des Kupfergrabens in Richtung der majestätischen Kuppel des Berliner Doms.
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2. Berliner Dom & Die Hohenzollerngruft: Die Kaiserbasilika
Am Lustgarten, 10178 Berlin
Tritt hinaus auf den grünen Rasen des Lustgartens und lass deinen Blick über die monumentale Granitschale zur gewaltigen Hauptkuppel des Berliner Doms emporwandern. Mit einer Höhe von fast einhundert Metern und Platz für viertausend Gläubige ließ Kaiser Wilhelm der Zweite diese prunkvolle Hof- und Domkirche zwischen achtzehnhundertvierundneunzig und neunzehnhundertfünf als protestantische Antwort auf den Petersdom in Rom erbauen.
Schau auf die riesige Granitschale vor dem Portal: Sie wurde aus einem einzigen gigantischen Findling aus den Wäldern Brandenburgs gemeißelt, den eiszeitliche Gletscher dorthin transportiert hatten. Um den Koloss nach Berlin zu bringen, baute man ein eigenes Flussschiff, und zur Einweihung im Jahr achtzehnhundertachtundzwanzig staunte ganz Berlin über das Wunderwerk.
Tief im Untergeschoss des Doms ruht die Hohenzollerngruft: Fast einhundert Sarkophage und Prunksärge aus fünf Jahrhunderten bergen die Gebeine brandenburgischer Kurfürsten, preußischer Könige und deutscher Kaiser, darunter Andreas Schlüters vergoldeter Sarkophag für Friedrich den Ersten.
Überquere die Spree auf der klassizistischen Schlossbrücke von Karl Friedrich Schinkel.
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3. Schlossbrücke & Schinkels Schicksalsfiguren
Schlossbrücke, 10117 Berlin
Bleib in der Mitte der Schlossbrücke stehen und lege deine Hände auf das gusseiserne Brückengeländer mit seinen antiken Tritonen und Delfinen. Du stehst auf einem Meisterwerk des preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel, vollendet im Jahr achtzehn hundertvierundzwanzig als торжеlicher Beginn des Prachtboulevards Unter den Linden.
Schau auf die acht monumentalen weißen Marmorstatuen, die auf hohen Sockeln über der Brücke thronen: Sie zeigen geflügelte Siegesgöttinnen, die junge Krieger im Leben und im Kampf anleiten. Sie erzählen die allegorische Lebensreise eines preußischen Helden: vom ersten Waffenunterricht über den siegreichen Angriff bis zum heldenhaften Tod, bei dem die Göttin Iris den gefallenen Krieger in den Olymp emporträgt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden die wertvollen Marmorfiguren vorsorglich abgebaut und im Berliner Westen eingelagert. In den Wirren des Kalten Krieges stand die Brücke jahrzehntelang kahl in Ost-Berlin, bis ein deutsch-deutscher Kulturgüteraustausch im Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig die Figuren schließlich wieder auf ihre angestammten Sockel zurückbrachte.
Tritt hinüber auf das Pflaster von Unter den Linden vor die Neue Wache.
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4. Neue Wache & Käthe Kollwitz' Mahnmal: Schmerz in Bronze
Unter den Linden 4, 10117 Berlin
Tritt durch die dorische Säulenfront der Neuen Wache und bleibe an der Schwelle des kargen, stillen Innenraums stehen. Nichts lenkt hier ab: Die Wände sind nackt und grau. Im Zentrum des leeren Raumes sitzt eine einsame bronzene Skulptur auf einem Granitsockel: Mutter mit totem Sohn von Käthe Kollwitz, geschaffen in tiefer Trauer um ihren Sohn Peter, der im Ersten Weltkrieg gefallen war.
Schau nach oben zur Decke: Genau über der Skulptur öffnet sich ein rundes Oberlicht, ein kreisrundes Oculus, ungeschützt dem Himmel ausgeliefert. Wenn es in Berlin regnet, tropft kaltes Wasser auf die Knie der bronzenen Mutter; im Winter liegt Schnee auf den Schultern des toten Sohnes. Dieses Ausgeliefertsein an die rohe Natur symbolisiert das unerbittliche Leid der Zivilisten und Soldaten in allen Kriegen.
Karl Friedrich Schinkel erbaute das Gebäude achtzehnhundertachtzehn ursprünglich als königliches Wachlokal für König Friedrich Wilhelm den Dritten. Seit neunzehnhundertdreiundneunzig dient es als zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland.
Verlasse den Raum in andächtiger Stille und überquere den Boulevard zum Bebelplatz.
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5. Bebelplatz & Die Leere Bibliothek: Die Nacht der Schande
Bebelplatz, 10117 Berlin
Stelle dich in die Mitte des Bebelplatzes und blicke hinab zu deinen Füßen auf die quadratische Glasscheibe, die in das graue Kopfsteinpflaster eingelassen ist. Schau durch das Glas in die Tiefe: Du blickst in einen unterirdischen, weiß getünchten Raum ohne Türen und Fenster, an dessen Wänden leere weiße Bücherregale stehen. Die Regale bieten genau Platz für zwanzigtausend Bände: die Anzahl der Bücher, die genau hier den Flammen übergeben wurden.
Am zehnten Mai neunzehnhundertdreiunddreißig versammelten sich auf diesem Platz tausende nationalsozialistische Studenten, angestachelt von Propagandaminister Joseph Goebbels. Sie warfen unter Gejohle Werke jüdischer, pazifistischer und demokratischer Autoren in ein riesiges loderndes Feuer: von Heinrich Heine und Thomas Mann bis zu Erich Maria Remarque, Albert Einstein und Sigmund Freud.
Neben der Glasscheibe ist ein Zitat von Heinrich Heine aus seinem Drama Almansor von achtzehnhundertzwanzig in Bronze gegossen: Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.
Umrahmt von der Staatsoper Unter den Linden und der St. Hedwigs-Kathedrale erinnert dieser Ort an die Zerbrechlichkeit der Freiheit. Wende dich nach Süden zum Gendarmenmarkt.
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6. Gendarmenmarkt & Der Französische Dom: Harmonie dreier Bauten
Gendarmenmarkt, 10117 Berlin
Tritt auf das weitläufige Pflaster des Gendarmenmarktes und drehe dich langsam im Kreis. Viele Kenner bezeichnen diesen Platz als den schönsten Platz Europas nördlich der Alpen. Im Zentrum thront Karl Friedrich Schinkels klassizistisches Schauspielhaus, heute das Konzerthaus Berlin, flankiert von den beiden fast identischen Kuppeltürmen des Deutschen Doms und des Französischen Doms.
Der Französische Dom auf der nördlichen Seite erzählt die Geschichte von Berlins Willkommenskultur: Als der französische Sonnenkönig Ludwig der Vierzehnte im Jahr sechzehnhundertfünfundachtzig den protestantischen Hugenotten den Glauben verbot, erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm das Edikt von Potsdam und lud die Verfolgten nach Brandenburg ein. Rund zwanzigtausend französische Hugenotten flohen nach Berlin—jeder vierte Berliner sprach damals fließend Französisch!
Das Wort Dom bezieht sich hier gar nicht auf eine Bischofskirche, sondern auf das französische Wort dôme für Kuppel: König Friedrich der Große ließ die prachtvollen Kuppeltürme siebzehnhundertfünfundachtzig rein als architektonische Verschönerung anbauen.
Nun schlagen wir den Bogen nach Norden in die verwinkelten Jugendstil-Höfe der Spandauer Vorstadt.
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7. Die Hackeschen Höfe: Jugendstil und Hinterhof-Kultur
Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin
Beende deine Tour im ersten Innenhof der Hackeschen Höfe und blicke an den leuchtend blauen und weißen Kacheln empor. Du stehst im größten geschlossenen Hofkomplex Deutschlands: acht miteinander verbundene Innenhöfe, eröffnet im Jahr neunzehnhundertsechs als revolutionäres Vorzeigeprojekt für modernes städtisches Wohnen und Arbeiten.
Schau dir die schwungvollen, floralen Muster der glasierten Klinkersteine an: Architekt und Kunsttheoretiker August Endell schuf hier ein Meisterwerk des Jugendstils. Endell wollte den tristen, dunklen Mietskasernenhöfen des Industriezeitalters etwas Lichtdurchflutetes entgegensetzen: Durch die glasierten Fliesen spiegelte sich das Tageslicht bis in die Werkstätten und Wohnungen im Erdgeschoss hinab.
In den hinteren Höfen arbeiteten Handwerker, Buchdrucker und jüdische Konfektionsschneider, während im ersten Hof Festsäle und Weinlokale für Amüsement sorgten. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurden die verfallenen Höfe von Künstlern, Theatermachern und Galeristen wiederbelebt.
Schlendere durch die ruhigen Rosenhöfe und genieße ein Glas Berliner Bier. Du hast die unvergängliche Kunstfertigkeit, die dunklen Prüfungen und die lebendige Wiedergeburt Berlins durchschritten.