Viscardigasse: Das Drückebergergassl
Why is it significant?
Bleib am Eingang der schmalen Gasse stehen und schau auf das Pflaster. Mitten durch die grauen Steine zieht sich eine geschwungene Spur aus goldglänzender Bronze, wie ein Bach, der durch die Gasse fließt. Die meisten Leute laufen einfach darüber, das Handy in der Hand.
Key Facts
| Place | Viscardigasse: Das Drückebergergassl |
|---|---|
| Address | Viscardigasse, 80333 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.14130, 11.57760 |
| Part of Walk | München 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose |
| Generated | Generated |
Bleib am Eingang der schmalen Gasse stehen und schau auf das Pflaster. Mitten durch die grauen Steine zieht sich eine geschwungene Spur aus goldglänzender Bronze, wie ein Bach, der durch die Gasse fließt. Die meisten Leute laufen einfach darüber, das Handy in der Hand. Dabei erzählt diese Linie eine der leisesten Widerstandsgeschichten Münchens.
Ein paar Schritte von hier steht die Feldherrnhalle. Dort endete am 9. November 1923 Hitlers Putschversuch im Feuer der Landespolizei. Nach 1933 machte das Regime aus diesem Ort eine Kultstätte: An der Ostseite der Halle hing ein Mahnmal für die sechzehn getöteten Putschisten, bewacht von SS-Posten. Wer daran vorbeiging, musste den Arm zum Hitlergruß heben.
Viele Münchner wollten das nicht. Also nahmen sie einen Umweg: Statt über die Residenzstraße an der Halle vorbei, bogen sie in diese Gasse ab und kamen in der Theatinerstraße wieder heraus. Der Volksmund taufte sie Drückebergergassl. Das war kein großer Widerstand, keine Flugblätter, kein Attentat. Aber es war ein tägliches, stilles Nein, und wer hier zu oft gesehen wurde, konnte durchaus auffallen.
Die bronzene Spur im Pflaster schuf der Künstler Bruno Wank in den 1990er-Jahren. Sie markiert den Weg der Ausweichenden, ohne Tafel, ohne großen Text. Man muss sie bemerken wollen... und genau darin liegt ihre Kraft. Benannt ist die Gasse übrigens nach Giovanni Antonio Viscardi, einem Baumeister des Barock, dessen Bürgersaalkirche wir später auf diesem Weg noch streifen.
Ein paar Schritte weiter liegt der Wittelsbacherplatz mit dem Reiterstandbild von Kurfürst Maximilian I., dem Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges, und mit dem Palais, in dem nach 1949 die Zentrale von Siemens saß. Auch dieses Unternehmen hat sich später mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern in der NS-Zeit auseinandersetzen müssen. Geh nun durch die Gasse zur Theatinerstraße, dort nach rechts und dann links in die Brienner Straße, bis du auf der linken Seite eine kleine Grünanlage mit einer Säule und einer Flamme siehst.