Banqueting House: Rubens, Karl I. und die Winterkönigin
Why is it significant?
Vor dir steht ein Haus, das im London von 1622 gewirkt haben muss wie aus einer anderen Welt: klare Säulen, ruhige Fenster, strenge Symmetrie. Ringsum standen damals Fachwerk und verwinkelte Backsteinbauten des alten Palastes von Whitehall, der größten Königsresidenz Europas.
Key Facts
| Place | Banqueting House: Rubens, Karl I. und die Winterkönigin |
|---|---|
| Address | Banqueting House, Whitehall, London SW1A 2ER, United Kingdom |
| Geo Coordinates | 51.50450, -0.12600 |
| Part of Walk | Westminster und das Königshaus: Londons deutsche Könige von Hannover bis Windsor |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein Haus, das im London von 1622 gewirkt haben muss wie aus einer anderen Welt: klare Säulen, ruhige Fenster, strenge Symmetrie. Ringsum standen damals Fachwerk und verwinkelte Backsteinbauten des alten Palastes von Whitehall, der größten Königsresidenz Europas. Inigo Jones hatte in Italien die Bauten Palladios studiert und brachte diese Sprache als Erster nach England. Als der Palast 1698 abbrannte, blieb nur dieses Haus stehen.
Drinnen wartet die eigentliche Sensation: eine Decke, gemalt von Peter Paul Rubens, dem großen flämischen Meister. Karl I. gab sie in Auftrag, 1636 wurden die neun Leinwände eingesetzt. Sie feiern seinen Vater Jakob I. als weisen Friedensfürsten, der am Ende in den Himmel aufsteigt... ein einziges barockes Plädoyer dafür, dass Könige ihre Macht direkt von Gott empfangen.
Unter genau dieser Decke ging Karl I. am 30. Januar 1649 zum letzten Mal hindurch. Vor dem Gebäude hatte man ein Schafott errichtet, und durch ein Fenster trat der König hinaus. Es war ein eisiger Tag; man erzählt, er habe zwei Hemden übereinander getragen, damit niemand sein Zittern für Angst halte. Ein einziger Hieb, und England war für elf Jahre eine Republik.
Und was hat das alles mit Deutschland zu tun? Sehr viel. Jakob I., der Mann an der Decke, hatte eine Tochter, Elisabeth Stuart. Sie heiratete 1613 Friedrich V. von der Pfalz und zog nach Heidelberg. Als Friedrich die böhmische Krone annahm und schon nach einem Winter wieder verlor, nannte man sie spöttisch die Winterkönigin. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie im Exil in Den Haag, mit einer riesigen Kinderschar und wenig Geld.
Eines dieser Kinder war Sophie, die spätere Kurfürstin von Hannover, die du am Parliament Square kennengelernt hast. So führt eine direkte Linie von der Decke hier drinnen zu Georg I. Die Hannoveraner waren also keine Fremden, die zufällig in London landeten, sondern Urenkel des Königs, den Rubens in den Himmel malte. Geh jetzt weiter nach Norden, Whitehall hinauf, bis sich vor dir der weite Trafalgar Square öffnet.