Der Justizpalast und die Place Poelaert : Das Gebirge des Gesetzes
Why is it significant?
Blicken Sie voller Ehrfurcht empor zu den gigantischen Säulenkolonnaden, den zyklopischen Quadersteinen und der goldenen Kuppel des Justizpalastes von Brüssel an der Place Poelaert.
Key Facts
| Place | Der Justizpalast und die Place Poelaert : Das Gebirge des Gesetzes |
|---|---|
| Address | Place Poelaert 1, 1000 Bruxelles, Belgium |
| Geo Coordinates | 50.83700, 4.35350 |
| Part of Walk | Brüssel : Jugendstil, Horta und die Marolles |
| Generated | Generated |
Blicken Sie voller Ehrfurcht empor zu den gigantischen Säulenkolonnaden, den zyklopischen Quadersteinen und der goldenen Kuppel des Justizpalastes von Brüssel an der Place Poelaert. Erbaut zwischen achtzehnhundertsechsundsechzig und achtzehnhundertdreiundachtzig nach Entwürfen des genialen Architekten Joseph Poelaert, übertrifft dieses steinerne Monument an Grundfläche den Petersdom in Rom und war das größte im neunzehnten Jahrhundert in Europa errichtete Gebäude aus Haustein, ein unübersehbares Machtsymbol der jungen und stolzen belgischen Nation, das selbst aus der Ferne wie ein thronender Olymp der Gerechtigkeit über der Hauptstadt ragt.
Poelaert platzierte seinen Koloss bewusst auf dem Galgenberg, dem alten Hinrichtungsplatz der Stadt, wo seit dem dreizehnten Jahrhundert Verurteilte öffentlich geköpft und aufgehängt wurden. Der Palast umfasst unglaubliche sechsundzwanzigtausend Quadratmeter Grundfläche mit acht Innenhöfen, siebenundzwanzig großen Verhandlungssälen und einer Wandelhalle, deren Kuppel einhundertvier Meter hoch aufragt, in der die Schritte der Richter und Anwälte wie in einer antiken Totenstadt widerhallen.
Doch dieser gigantische Monumentalbau forderte einen grausamen sozialen Preis von den kleinen Leuten Brüssels. Um Platz für das Fundament zu schaffen, ließ die Regierung Hunderte winzige Wohnhäuser im Arbeiterviertel der Marolles rücksichtslos abreißen und vertrieb tausende mittellose Familien. Aus diesem Trauma entstand die berüchtigtste Beschimpfung des Brüsseler Dialekts: Schieven Architek, schiefer Architekt, mit der man Poelaert bis heute schmäht, wenn man im Brüsseler Dialekt über eigensinnige Baumeister und die Arroganz der Mächtigen spottet.
Poelaert selbst rieb sich auf der Riesenbaustelle körperlich und geistig völlig auf. Er verfiel in Wahnvorstellungen und verstarb achtzehnhundertneunundsiebzig, vier Jahre vor der Einweihung. Die Volkssage der Marolles behauptet gar, alte Hexen des Viertels hätten den Baumeister verflucht, um die Zerstörung ihrer Heimat zu rächen und dem Palast ein unheilvolles Schicksal auf ewige Zeiten einzuweben.
Treten Sie an die Aussichtsbrüstung der Place Poelaert, genießen Sie den weiten Panoramablick über die Unterstadt und gehen Sie zum gläsernen Aufzug der Marolles.