Der Aufzug der Marolles : Die Brücke zwischen Arm und Reich

Why is it significant?

Treten Sie auf die luftige Stahlbrücke des Aufzugs der Marolles, der spektakulär über dem Abhang der Poelaert-Terrasse in Brüssel schwebt.

Key Facts

PlaceDer Aufzug der Marolles : Die Brücke zwischen Arm und Reich
AddressPlace Poelaert 1, 1000 Bruxelles, Belgium
Geo Coordinates50.83850, 4.35150
Part of WalkBrüssel : Jugendstil, Horta und die Marolles
GeneratedGenerated

Open the walk

Treten Sie auf die luftige Stahlbrücke des Aufzugs der Marolles, der spektakulär über dem Abhang der Poelaert-Terrasse in Brüssel schwebt. Bevor Sie die verglaste Kabine betreten, lassen Sie den Blick über das Häusermeer der belgischen Hauptstadt schweifen: Am fernen Nordhorizont funkeln die silbernen Kugeln des Atomiums im Sonnenlicht, während sich direkt zu Ihren Füßen das rote Ziegeldach-Labyrinth der Marolles ausbreitet, über dem der Duft von geröstetem Kaffee und frischen Spekulatius-Keksen in der Luft liegt und das Stimmengewirr der Händler schon früh am Morgen die Gassen erfüllt.

Über ein Jahrhundert lang bildete eine steile, mühsame Steintreppe, die Rampe des Marolles, den einzigen Fußweg für Wäscherinnen, Schornsteinfeger und Tagelöhner, die früh morgens zur Arbeit in die reiche Oberstadt hinaufsteigen mussten. Im Jahre zweitausendzwei weihte die Region Brüssel diesen kostenlosen gläsernen Schrägaufzug ein, der die beiden einst verfeindeten Stadtviertel barrierefrei miteinander versöhnte und den Bürgern der Unterstadt einen schnellen und würdevollen Zugang zur Stadtspitze eröffnete.

Während der zwanzig Meter tiefen Lautlosfahrt im gläsernen Lift erleben Sie den abruptesten sozialen Übergang der Stadt: Sie verlassen die feierlichen Marmorsäle der Justiz und betreten binnen weniger Sekunden das Herz des lebendigsten, frechsten und herzlichsten Arbeiterviertels Belgiens, in dem das Leben noch unverfälscht auf den Straßen und vor den Haustüren pulsiert.

Die Bewohner der Marolles bewahren bis heute ihren eigenen Dialekt, das Marollien, eine urige Mischung aus Brabanter Flämisch, volkstümlichem Französisch und alten spanischen Ausdrücken aus der Zeit der Habsburger. Hier zelebriert man die Zwanze, einen warmherzigen Selbsthumor, der die Eitelkeiten der Obrigkeit in den Schankstuben genüsslich aufs Korn nimmt und mit schlagfertigem Witz jedem noch so hochmütigen Politiker den Spiegel vorhält.

Treten Sie unten an der Rue de l'Épée aus dem Lift, wenden Sie sich nach links in die Rue Blaes und schlendern Sie zum Trödelmarkt auf der Place du Jeu de Balle.