Münchner Geschichten: Marienplatz, Residenz und der Englische Garten

Ein Spaziergang durch die bayerische Metropole—vom weltberühmten Glockenspiel und königlichen Schätzen bis zur Eisbachwelle

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  1. 1. Der Marienplatz: Das pulsierende Herz Bayerns

    Marienplatz 1, 80331 München

    Bleib genau hier in der Mitte des Marienplatzes stehen und hebe den Blick zur filigranen neugotischen Fassade des Neuen Rathauses. Seit Heinrich der Löwe im Jahr elfhundertachtundfünfzig den Markt gründete, ist dieser Platz das Herz Münchens. In der Platzmitte ragt die goldene Mariensäule empor, errichtet sechzehnhundertachtunddreißig von Kurfürst Maximilian dem Ersten aus Dankbarkeit dafür, dass die Stadt während des Dreißigjährigen Krieges vor der schwedischen Zerstörung bewahrt wurde.

    Schau hinauf in den fünfundachtzig Meter hohen Rathausturm: Täglich um elf und zwölf Uhr erwacht dort das weltberühmte Glockenspiel mit dreiundvierzig Glocken und zweiunddreißig lebensgroßen Kupferfiguren zum Leben. Die obere Etage zeigt das Ritterturnier anlässlich der Hochzeit von Herzog Wilhelm dem Fünften mit Renate von Lothringen fünfzehnhundertneunundsechzig, bei dem der bayerische Ritter den lothringischen Gegner vom Pferd stößt.

    Auf der unteren Ebene tanzen die Schäffler, die Fassmacher, die nach der Pestepidemie von fünfzehnhundertsiebzehn als Erste mit ihren Tänzen wieder Lebensfreude in die verängstigte Stadt brachten.

    Gehe nun durch die Weinstraße nach Westen zu den beiden markanten Türmen der Frauenkirche.

  2. 2. Die Frauenkirche & Der Teufelstritt: Der Dom zu Unserer Lieben Frau

    Frauenplatz 12, 80331 München

    Tritt vor das mächtige rote Backsteinmauerwerk der Frauenkirche und blicke hinauf zu den fast einhundert Meter hohen Zwillingsstürmen mit ihren charakteristischen kupfergrünen Zwiebelhauben, den sogenannten welschen Hauben. Erbaut zwischen vierzehnhundertachtundsechzig und vierzehnhundertachtundachtzig von Baumeister Jörg von Halsbach in gerade einmal zwanzig Jahren, ist der Dom das unantastbare Wahrzeichen der Münchner Skyline.

    Betritt die Eingangshalle des Doms und stelle dich genau auf die dunkle Bodenfliese mit dem schwarzen Fußabdruck: Dies ist der berühmt-berüchtigte Teufelstritt. Der Legende nach schloss Baumeister Halsbach einen Pakt mit dem Teufel, damit dieser den Kirchenbau finanziere—unter der Bedingung, dass die Kirche fensterlos sein müsse.

    Als der Teufel bei der Weihe vierzehnhundertvierundneunzig auf dieser Fliese stand, verdeckten die mächtigen Pfeiler alle seitlichen Fenster, und das Mittelfenster war von einem riesigen Altar verstellt. Als er bemerkte, dass er überlistet worden war, stampfte er vor Zorn so gewaltig auf den Boden, dass sein Fußabdruck bis heute im Stein eingebrannt blieb!

    Spaziere nun nach Osten zur königlichen Residenz der Wittelsbacher am Max-Joseph-Platz.

  3. 3. Die Residenz München: Der Glanz des Hauses Wittelsbach

    Residenzstraße 1, 80333 München

    Párate am Max-Joseph-Platz vor den toskanischen Säulen des Königsbaus der Münchner Residenz. Vom vierzehnten Jahrhundert bis neunzehnhundertachtzehn war dieser gewaltige Schlosskomplex der Wohnsitz und Regierungssitz der Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Hause Wittelsbach. Mit zehn Höfen und über einhundertdreißig prunkvollen Schauräumen ist dies das größte städtische Schloss in ganz Deutschland.

    Das Herzstück des Schlosses ist das sechsundsechzig Meter lange Antiquarium, erbaut ab fünfzehnhundertachtundsechzig von Herzog Albrecht dem Fünften für seine Sammlung antiker Marmorbüsten. Es ist der größte und prächtigste profane Renaissancesaal nördlich der Alpen, überwölbt von einem Tonnengewölbe mit über einhundert Detailansichten bayerischer Städte und Burgen.

    In den Kellern der Schatzkammer funkeln die bayerischen Kronjuwelen, darunter die goldene Krone von König Maximilian dem Ersten Joseph von achtzehnhundertsechs und die legendäre juwelenbesetzte Statuette des Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen.

    Tritt hinaus auf den nördlich angrenzenden Odeonsplatz mit der monumentalen Feldherrnhalle.

  4. 4. Odeonsplatz & Feldherrnhalle: Florentinische Bögen und Revolten

    Odeonsplatz 1, 80539 München

    Bleib am Fuß der breiten Freitreppe der Feldherrnhalle stehen und schau hinüber zur leuchtend gelben Barockfassade der Theatinerkirche. König Ludwig der Erste von Bayern, ein leidenschaftlicher Italienliebhaber, ließ diesen Platz ab achtzehnhundertsechzehn von seinem Hofarchitekten Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner als südliches Eingangstor seiner Prachtstraße, der Ludwigstraße, gestalten.

    Die Feldherrnhalle wurde achtzehnhundertvierundvierzig als exakte Kopie der berühmten Loggia dei Lanzi in Florenz errichtet, bewacht von zwei bayerischen Steinlöwen. Der eine Löwe hat das Maul geöffnet und blickt zur Residenz hinüber—er symbolisiert das Recht des Bürgers, seine Stimme zu erheben. Der andere Löwe schaut zur Kirche und hält sein Maul fest geschlossen, mahnend zur Demut vor Gott.

    Am neunten November neunzehnhundertdreiundzwanzig stoppte die bayerische Landespolizei genau hier vor den Arkaden den bewaffneten Marsch auf die Feldherrnhalle von Adolf Hitler und seinen Anhängern in einem kurzen, blutigen Schusswechsel.

    Schlendere nach Osten durch das Hofgartentor in den schattigen Hofgarten.

  5. 5. Der Hofgarten & Dianatempel: Die Oase der Renaissance

    Hofgartenstraße 1, 80538 München

    Schlendere unter den dichten Lindenbäumen des Hofgartens und atme den Duft von Sommerblumen und feuchtem Kies ein. Angelegt zwischen sechzehnhundertdreizehn und sechzehnhundertsiebzehn unter Kurfürst Maximilian dem Ersten im Stil der italienischen Renaissance, diente dieser Garten über Jahrhunderte als privates Refugium der kurfürstlichen Familie für festliche Spiele und Spaziergänge.

    Im Zentrum des Gartens, am Schnittpunkt aller acht Wege, erhebt sich der zwölfeckige Dianatempel, entworfen von Hofbaumeister Heinrich Schön dem Älteren. Gekrönt wird das Dach von der bronzenen Figur der Bavaria, geschaffen sechzehnhundertdreiundzwanzig von Hubert Gerhard, die die Reichtümer Bayerns symbolisiert: Getreide, Salz, Wild und Bier!

    Unter den Arkaden des Pavillons spielen fast täglich klassische Musiker, Geiger und Cellisten, während an warmen Sommerabenden Tänzer zu Tango- und Salsa-Rhythmen über den runden Steinboden gleiten.

    Verlasse den Hofgarten nach Osten in Richtung des Englischen Gartens und folge dem Rauschen des Wassers.

  6. 6. Die Eisbachwelle: Das urbane Surfer-Paradies

    Prinzregentenstraße, 80538 München

    Bleib auf der steinernen Brücke an der Prinzregentenstraße stehen und blicke hinab auf das schäumende, reißende Wasser des Eisbachs. Vor dir eröffnet sich ein weltweites Unikat: Mitten in der bayerischen Landeshauptstadt, hunderte Kilometer vom nächsten Ozean entfernt, reiten Wellenreiter im Neoprenanzug auf einer perfekten, permanenten stehenden Flusswelle!

    Die etwa einen Meter hohe Welle entsteht dadurch, dass der eiskalte Eisbach aus einem unterirdischen Kanal unter der Brücke mit enormem Druck herausschießt und über eine künstliche Unterwasserschwelle bricht. Seit den neunzehnhundertsiebziger Jahren surfte hier eine eingeschworene Gruppe heimlich im Schutze der Nacht, bis die Stadt München das Flusssurfen zweitausendzehn endlich offiziell legalisierte.

    Die Strömung ist extrem schnell und gefährlich: Unter der Wasseroberfläche lauern schwere Steinquader und Pfähle. Selbst Surf-Ikonen wie Kelly Slater und Jack Johnson sind hier schon abgestiegen, um ihr Können auf der Eisbachwelle zu beweisen.

    Folge dem schattigen Uferweg des Eisbachs tiefer in das dichte Grün des Englischen Gartens hinein.

  7. 7. Der Chinesische Turm im Englischen Garten: Biergarten unter der Pagode

    Englischer Garten 3, 80538 München

    Setz dich unter die ausladenden Kronen der alten Rosskastanien am Chinesischen Turm und lausche den Klängen der traditionellen bayerischen Blaskapelle, die von der hölzernen Balustrade der Pagode herabschallt. Mit seinen vierhundertzehn Hektar ist der Englische Garten eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt—sogar größer als der Central Park in New York und der Hyde Park in London!

    Angelegt wurde der Park ab siebzehnhundertneunundachtzig von Sir Benjamin Thompson, dem in Massachusetts geborenen Reichsgrafen von Rumford, im Auftrag von Kurfürst Karl Theodor. Die fünfundzwanzig Meter hohe, fünfstöckige Holzpagode wurde siebzehnhundertneunzig von Johann Baptist Lechner nach dem Vorbild der Großen Pagode in den Kew Gardens bei London errichtet, als Chinoiserie-Bauten an europäischen Höfen in Mode waren.

    Um den Turm erstreckt sich Münchens zweitgrößter Biergarten mit siebentausend Plätzen. Eine bayerische Besonderheit: Man darf hier traditionell seine eigene Brotzeit mitbringen—Brezen, Obatzter, Radieschen—solange man das kühle Bier am Ausschank kauft.

    Stoße mit einer frischen Maß an. Du hast das herzliche, traditionsreiche und weltoffene Lebensgefühl Münchens erlebt.