Romantisches Heidelberg: Schlossruine, Alte Brücke und Philosophenweg

Ein Spaziergang durch die Stadt der Romantik—vom Heidelberger Schloss und dem Riesenweinfass über die Alte Brücke zum Dichterblick am Philosophenweg

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  1. 1. Heidelberger Schloss: Die Majestätische Ruine der Kurfürsten

    Schlosshof 1, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Treten Sie durch das wuchtige Brückentor in den inneren Schlosshof und lassen Sie den Blick über die reich verzierten Renaissancefassaden schweifen. Aus dem roten Neckartäler Sandstein wachsen kunstvoll gemeißelte Säulen, Wappen und überlebensgroße Götterfiguren empor, die von der einstigen Pracht der kurpfälzischen Fürsten zeugen.

    Das Heidelberger Schloss war über vier Jahrhunderte lang die glanzvolle Residenz der Pfälzer Kurfürsten aus dem Hause Wittelsbach. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg ließen die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig des Vierzehnten die Wehrtürme und Paläste sechzehnhundert-neunundachtzig und sechzehnhundertdreiundneunzig systematisch sprengen und in Brand stecken.

    Als im achtzehnten Jahrhundert zwei verheerende Blitzeinschläge den wiederaufgebauten Palast erneut in Asche legten, gaben die Herrscher das Schloss auf; französische Emigranten und deutsche Dichter der Romantik machten die Ruine daraufhin zum weltweiten Sehnsuchtsort.

    Steigen Sie die Steinstufen hinab in den Schlosskeller, wo das größte Weinfass der Erde auf Sie wartet.

  2. 2. Das Große Fass und der Zwerg Perkeo: Zweihundertzwanzigtausend Liter Wein

    Schlosshof 1, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Treten Sie in das kühle Gewölbe des Fasskellers und blicken Sie ehrfürchtig empor zu den gigantischen Eichenholzdauben des Großen Fasses. Mit einer Länge von über acht Metern und einer Höhe von sieben Metern ragt dieser hölzerne Riese wie ein Schiffskörper auf, gekrönt von einer hölzernen Tanzplattform, die über zwei Wendeltreppen erreichbar ist.

    Gezimmert im Jahr siebzehnhunderteinundfünfzig unter Kurfürst Karl Theodor, fasste das Fass unglaubliche zweihundertzwanzigtausend Liter Wein, die von den Weinbauern der Region als Zehntsteuer an den Hof abgeliefert wurden.

    Direkt gegenüber wacht die bunt bemalte Holzstatue des Zwergs Perkeo, des legendären Südtiroler Hofnarren von Kurfürst Karl Philipp. Auf die Frage, ob er noch einen Becher Wein trinken könne, soll er stets auf Italienisch geantwortet haben: Perché no? – Warum nicht?

    Verlassen Sie den Keller und spazieren Sie hinaus auf die Schlossgarten-Terrassen des Hortus Palatinus.

  3. 3. Schlossgarten Hortus Palatinus: Die Acht Weltwunder-Terrassen

    Schlosspark, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Schlendern Sie über die breite Schlossterrasse des Hortus Palatinus und blicken Sie von der Scheffelterrasse hinab ins tief eingeschnittene Neckartal. Unter Ihnen breitet sich das ziegelrote Dächermeer der Heidelberger Altstadt aus, durch das sich die silbernen Schleifen des Flusses ziehen.

    Ab sechzehnhundertdreizehn ließ der junge Kurfürst Friedrich der Fünfte diesen Garten als Liebesbeweis für seine Braut, die englische Königstochter Elizabeth Stuart, in den steilen Fels sprengen. Mit künstlichen Grotten, singenden Wasserspielen und exotischen Orangenbäumen galt die Anlage bei den Zeitgenossen als das achte Weltwunder.

    Das Glück währte kurz: Friedrich nahm sechzehnhundertneunzehn die böhmische Krone an, verlor sie nach nur einem Winter in der Schlacht am Weißen Berg als legendärer Winterkönig und musste mit Elizabeth ins holländische Exil fliehen, während der Traumgarten unvollendet blieb.

    Nehmen Sie den steilen Burgweg hinab zum Kornmarkt und spazieren Sie zur Alten Brücke.

  4. 4. Kornmarkt und Karl-Theodor-Brücke: Roter Sandstein über dem Neckar

    Am Hackteufel, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Treten Sie auf das Kopfsteinpflaster vor dem mächtigen, weiß getünchten Brückentor mit seinen beiden spätgotischen Spitztürmen. Schreiten Sie durch das Portal hinaus auf die zweihundert Meter lange Karl-Theodor-Brücke, die auf neun eleganten Sandsteinbögen den Neckar überspannt.

    Über Jahrhunderte standen an dieser Stelle acht hölzerne Vorgängerbrücken, die jedoch immer wieder durch Frühjahrshochwasser und treibende Eisschollen zertrümmert wurden. Als im verheerenden Eiswinter siebzehnhundertvierundachtzig erneut die Holzkonstruktion einstürzte, ordnete Kurfürst Karl Theodor den Bau dieser unverwüstlichen Steinbrücke an.

    Auf den Brückenpfeilern thronen zwei monumentale Skulpturen: Kurfürst Karl Theodor selbst im Feldherrnornat und auf dem Flussabwärtspfeiler die römische Göttin Minerva, Beschützerin der Künste und Wissenschaften an der altehrwürdigen Heidelberger Universität.

    Drehen Sie sich vor dem Brückentor um und betrachten Sie die bronzene Skulptur des Heidelberger Brückenaffen.

  5. 5. Der Brückenaffe: Der Bronzene Spiegel der Eitelkeit

    Alte Brücke, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Treten Sie direkt an das linke Geländer des Brückentors heran und schauen Sie dem bronzenen Pavian tief in die Augenhöhlen. In der linken Hand hält der Affe einen runden Handspiegel, während seine rechte Pfote mit ausgestrecktem Daumen und Zeigefinger eine spöttische Feige formt.

    Bereits im fünfzehnten Jahrhundert saß an der alten Holzbrücke ein steinerner Affe, der die ankommenden Fremden daran erinnern sollte, dass sie beim Blick in den Spiegel nichts Besseres erblicken als den Affen selbst. Die heutige Plastik schuf der Bildhauer Gernot Rumpf im Jahr neunzehnhundertneunundsiebzig.

    Drei Berührungen bringen der Volkssage nach Glück: Wer über den Spiegel streicht, gelangt zu Reichtum; wer über die Pfote streicht, kehrt sicher nach Heidelberg zurück; und wer die kleinen Bronzemäuse daneben berührt, wird mit reichem Kindersegen beschenkt.

    Spazieren Sie durch die Steingasse zurück zum Marktplatz und der Heiliggeistkirche.

  6. 6. Heiliggeistkirche und Marktplatz: Das Herz der Kurpfalz

    Marktplatz 1, 69117 Heidelberg, Deutschland

    Stellen Sie sich vor den Herkulesbrunnen mitten auf dem Heidelberger Marktplatz und blicken Sie hinauf zum zweiundachtzig Meter hohen Barockhelm der Heiliggeistkirche. Rund um die Außenmauern der Kirche schmiegen sich seit Jahrhunderten winzige, hölzerne Verkaufsbuden mit Büchern, Ansichtskarten und Souvenirs in die gotischen Strebepfeiler.

    Erbaut zwischen dreizehnhundertachtundneunzig und fünfzehnhundertacht als kurfürstliche Grablege, hütete die Kirche auf ihren Emporen die berühmte Bibliotheca Palatina, die reichste Handschriftensammlung der europäischen Renaissance, die im Dreißigjährigen Krieg auf fünfhundert Maultieren als Kriegsbeute nach Rom in den Vatikan geschafft wurde.

    Über zweihundert Jahre lang war das Kirchenschiff durch eine massive Ziegelmauer in zwei Hälften geteilt: Im Chor feierten die Katholiken die Messe, während im Langhaus die Protestanten predigten, bis die Scheidewand neunzehnhundertsechsunddreißig endgültig fiel.

    Überqueren Sie die Alte Brücke und steigen Sie über den steilen Schlangenweg hinauf zum Philosophenweg.

  7. 7. Philosophenweg: Der Unsterbliche Dichterblick auf Heidelberg

    Philosophenweg, 69120 Heidelberg, Deutschland

    Treten Sie auf die gepflasterte Aussichtsterrasse des Philosophengärtchens hoch oben am Philosophenweg und atmen Sie tief ein. Zwischen Zypressen, blühenden Mandelbäumen, Feigen und Ginstersträuchern eröffnet sich Ihnen das vollkommenste Panorama Deutschlands: Unten glänzt der Neckar mit der Alten Brücke, dahinter reihen sich die roten Altstadtdächer aneinander, und darüber thront majestätisch die rot leuchtende Schlossruine.

    Der Name des Weges geht nicht auf berühmte Berufsphilosophen zurück, sondern auf die Studenten der Heidelberger Universität aus dem neunzehnten Jahrhundert, die damals noch Philosophen genannt wurden und hier oben bei einsamen Spaziergängen Verse dichteten und ihre Liebessorgen vergaßen.

    Dichter wie Friedrich Hölderlin, Joseph von Eichendorff und Clemens Brentano ließen sich an diesem Hang zur Heidelberger Romantik inspirieren und besangen den Dreiklang aus Fluss, Brücke und Schloss.

    Schauen Sie zu, wie die Abendsonne das Heidelberger Schloss in goldenes Licht taucht. Sie haben das Herz der deutschen Romantik erlebt.