Hanseatische Wunder: Speicherstadt, Elbphilharmonie und HafenCity
Ein Spaziergang durch die weltgrößte historische Speicherstadt aus rotem Backstein, über malerische Fleete und zur gläsernen Welle der Elbphilharmonie
Hamburg · 7 stops · 10 min audio · Generated
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1. Poggenmühlenbrücke & Wasserschloss: Das Postkartenidyll der Fleete
Poggenmühlenbrücke, 20457 Hamburg, Deutschland
Treten Sie auf das eiserne Geländer der Poggenmühlenbrücke und blicken Sie geradeaus in die spitz zulaufende Mündung zweier geschichtsträchtiger Fleete. Direkt vor Ihnen thront auf einer schmalen Landzunge das malerische Wasserschloss aus dunklem Backstein, umspült von den Gezeiten der Elbe und eingerahmt von hohen Lagerhausspeichern mit ihren typischen Erkern, Flaschenzügen und neugotischen Giebeln.
Das zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts errichtete Wasserschloss war keineswegs ein Adelssitz, sondern diente als Werkstatt und Unterkunft für die Windenwächter der Speicherstadt. Diese Männer waren Tag und Nacht dafür verantwortlich, dass die dampf- und hydraulikbetriebenen Flaschenzüge fehlerfrei funktionierten, mit denen riesige Säcke mit Kaffee, Kakao und orientalischen Gewürzen aus den Schuten emporgezogen wurden.
Wenn Sie bei Ebbe in das schlickige Flussbett hinabsehen, erblicken Sie die Millionen von Eichenholzpfählen, auf denen die gesamte Speicherstadt gegründet ist: Nur solange das Holz vollständig unter Wasser bleibt und kein Sauerstoff herandringt, fault es niemals und trägt die massiven Ziegelmauern.
Folgen Sie dem Kopfsteinpflaster des Brooktorkais westwärts tiefer in das Herz des historischen Lagerhausviertels.
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2. Wandrahmsfleet & Kaffeebörse: Das Aroma der Weltmeere
Am Sandtorkai 1, 20457 Hamburg, Deutschland
Halten Sie inne auf der Kannengießerbrücke und lassen Sie den Blick über die langen roten Fluchten des Wandrahmsfleets wandern. Zwischen den siebenstöckigen Backsteinmauern hallte jahrzehntelang das Tuten der Barkassen wider, während der schwere, bittersüße Duft von grünem Rohkaffee und getrockneten Tabakblättern durch die geöffneten Luken der Speicherebenen strömte.
Hier in der Speicherstadt entstand Ende des neunzehnten Jahrhunderts die erste Kaffeebörse auf dem europäischen Kontinent. Zu Spitzenzeiten wurde in diesen hanseatischen Speichern ein Drittel der gesamten weltweiten Kaffee-Ernte gelagert, geprüft und über die Kontinente hinweg gehandelt.
Achten Sie auf die kleinen Lukenluken ganz oben unter den Dachgiebeln: Mit handbetriebenen Winden zogen die Quartiersleute bis zu achthundert Kilo schwere Lasten an einfachen Hanfseilen in schwindelerregende Höhen, oft nur nach dem Rhythmus alter Arbeitsgesänge.
Spazieren Sie weiter über den Sandtorkai zu den historischen Brücken, die die alte Speicherstadt mit dem futuristischen Hafenbecken verbinden.
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3. St. Annen-Brücke & Fleetschlösschen: Zöllner, Schuten und Schmuggel
Brooktorkai 22, 20457 Hamburg, Deutschland
Stellen Sie sich neben das zierliche, freistehende Fleetschlösschen direkt an der Kante des St. Annen-Fleets. Mit seinem spitzen Dachreiter, den kunstvoll geschmiedeten Firstgittern und den dunkel glasierten Ziegeln wirkt das Gebäude fast wie eine Miniaturkathedrale inmitten der monumentalen Speicherblöcke aus rotem Backstein.
Trotz seiner charmanten Optik diente dieses Häuschen ab achtzehnhundertsechsundachtzig als kaiserliche Zollstation und zugleich als erste öffentliche Bedürfnisanstalt der Speicherstadt. Jeder Schiffer, Kutscher und Lagerarbeiter, der das durch schwere Zäune und Eisentore abgesperrte Freihafengebiet verlassen wollte, wurde hier von strengen Zöllnern auf versteckten Kaffee, Schnaps oder Seide durchsucht.
Schmuggel galt den Hafenarbeitern als Volkssport: Schauerleute nähten sich oft doppelte Westen mit geheimen Taschen oder versteckten Röstkaffeebohnen in den Holzabsätzen ihrer schweren Arbeitsstiefel, um die kaiserliche Steuer zu umgehen.
Wenden Sie sich nach Westen und überqueren Sie die Schwelle zur modernen HafenCity am Kaiserkai.
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4. Sandtorhafen & Traditionsschiffhafen: Wiege des Welthafens
Am Sandtorkai, 20457 Hamburg, Deutschland
Treten Sie auf die schwimmenden Holzstege des Sandtorhafens und spüren Sie das sanfte Wiegen der Pontons unter Ihren Sohlen. Um Sie herum vertäut liegen historische Dampfschlepper, hölzerne Besan-Ewer und alte Feuerschiffe, deren Messingglocken leise im Wind klingen, während sich im Hintergrund die modernen Glasfassaden der HafenCity in den Wellen spiegeln.
Hier schlug im Jahr achtzehnhundertsechsundsechzig die Geburtsstunde des modernen Hamburger Welthafens: Der Sandtorhafen war das allererste künstlich angelegte Hafenbecken, an dem Seeschiffe direkt an einer befestigten Kaimauer anlegen und mit damals hochmodernen dampfbetriebenen Krahnen in Rekordzeit gelöscht werden konnten.
Zuvor mussten alle Großsegler mitten auf der Elbe an Holzpfählen, den sogenannten Dukdalben, festmachen; Güter mussten mühsam per Hand auf kleine Ruderboote umgeladen werden, was Wochen dauerte und Piraten Tür und Tor öffnete.
Blicken Sie westwärts zur Spitze der Halbinsel, wo sich die gläserne Kronenwelle der Elbphilharmonie majestätisch in den Himmel schraubt.
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5. Kaispeicher A: Der Ziegelsockel des Jahrhundertbaus
Platz der Deutschen Einheit 1, 20457 Hamburg, Deutschland
Treten Sie an die wuchtige, fensterlose Backsteinmauer am Fuße des Platzes der Deutschen Einheit. Fahren Sie mit der Hand über die dunklen Klinkersteine dieses gigantischen Trapezes: Sie stehen vor dem historischen Kaispeicher A, der jahrzehntelang als wichtigstes Umschlaglager für Kakaobohnen aus Westafrika und Südamerika diente.
Als die Architekten Herzog und de Meuron den Zuschlag für die Elbphilharmonie erhielten, rissen sie den alten Speicher nicht ab, sondern entkernten ihn vollständig und nutzten die historische Backsteinhülle als monumentalen Sockel. Weil das neue Konzerthaus jedoch fünfundvierzigtausend Tonnen wiegt, mussten zusätzliche eintausendsiebenhundertfünfundzwanzig Stahlbetonpfähle bis zu fünfzehn Meter tief in den Elbgrund gerammt werden.
Bis zu seiner Stilllegung im Jahr neunzehnhundertneunzig lagerten im Inneren dieses Kolosses unvorstellbare Mengen von Kakaobohnen; selbst während der aufwendigen Bauarbeiten roch der entkernte Raum bei sommerlichen Temperaturen noch monatelang intensiv nach feiner Schokolade.
Betreten Sie das Eingangsportal und besteigen Sie die achtzig Meter lange gebogene Rolltreppe, die sogenannte Tube.
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6. Elbphilharmonie Plaza: Der Panorama-Balkon über Fluss und Kränen
Platz der Deutschen Einheit 1, 20457 Hamburg, Deutschland
Treten Sie hinaus auf den windumwehten Außenrundgang der Elbphilharmonie Plaza in siebenunddreißig Metern Höhe über der Elbe. Atmen Sie die salzige Brise ein und lassen Sie Ihren Blick dreihundertsechzig Grad schweifen: Unter Ihnen ziehen gewaltige Containerschiffe vorbei, die Kräne der Werft Blohm und Voss ragen wie stählerne Giraffen in den Himmel, und im Osten glänzen die Kupferhüte der Hamburger Hauptkirchen.
Diese Plaza ist der öffentliche Begegnungsraum des Hauses, genau an der Schnittkante, wo der massive rote Backsteinsockel endet und die kühne, schwebende Glaswelle beginnt. Der wellenförmige rote Ziegelboden im Inneren zitiert traditionelle hanseatische Pflasterkultur, während die geschwungenen Deckenöffnungen den Blick in die oberen Foyers freigeben.
Schauen Sie nach oben an die Fassade: Die eintausend einhundert Glaselemente sind nicht eben, sondern jedes einzelne wurde millimetergenau gewölbt, mit Siebdruckpunkten gegen Sonnenhitze versehen und wie Basaltkristalle geschliffen, sodass das Gebäude je nach Wetterlage die Farbe des Himmels annimmt.
Gehen Sie zur Westspitze der Terrasse und blicken Sie direkt elbabwärts zu den legendären St. Pauli Landungsbrücken.
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7. St. Pauli Landungsbrücken: Tor zur Welt und Schiffshörner
Bei den St. Pauli-Landungsbrücken, 20359 Hamburg, Deutschland
Treten Sie auf das breite Holzdeck der St. Pauli Landungsbrücken und lauschen Sie dem tiefen Dröhnen der Schiffshörner auf der Norderelbe. Vor Ihnen wiegen sich fast siebenhundert Meter schwimmende Pontons im Takt der Elbwellen, verbunden über zehn bewegliche Brücken mit dem imposanten Tuffsteingebäude, dessen grünes Kupferdach und markanter Uhrturm seit über einem Jahrhundert die Hafenkante prägen.
Ursprünglich achtzehnhundertneununddreißig als einfacher Dampfschiffanleger aus Holzbohlen erbaut, wurden die Landungsbrücken zur zentralen Abfahrtsstelle für die gewaltigen Ozeandampfer der Hapag-Reederie. Millionen europäischer Auswanderer betraten hier zum letzten Mal heimatlichen Boden, bevor sie die beschwerliche Überfahrt in die Neue Welt antraten.
Blicken Sie auf den Uhrturm an der Wasserseite: Die große Zeigeruhr zeigt nicht nur die Zeit, sondern eine eingebaute Wasserstandsanzeige verrät den Schiffsführern auf einen Blick, wie viele Zentimeter Hochwasser oder Ebbe die Gezeiten gerade in das Hafenbecken drücken.
Beenden Sie Ihren Rundgang mit einem knusprigen Fischbrötchen an den Kaimauern und blicken Sie auf die glitzernde Elbe hinaus.