Edinburghs Königsweg: Die Royal Mile, Schlossfelsen und Holyroodhouse
Ein Spaziergang durch die schottische Geschichte—vom erloschenen Vulkan der Burg über geheime Closes bis zum Palast von Maria Stuart
Edinburgh · 7 stops · 10 min audio · Generated
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1. Edinburgh Castle: Die Festung auf dem Vulkanfelsen
Castlehill, Edinburgh EH1 2NG
Tritt hinaus auf die weite Esplanade von Edinburgh Castle und blicke hinauf zu den finsteren Basaltmauern der Burg, die auf den senkrechten Klippen eines siebenhundert Millionen Jahre alten erloschenen Vulkans thronen. Seit dem frühen Mittelalter war diese Felsenfestung das unbezwingbare Herz Schottlands, das im Laufe von tausend Jahren sechsundzwanzig Mal belagert wurde—mehr als jede andere Festung in Großbritannien.
Jeden Tag pünktlich um dreizehn Uhr hallt ein ohrenbetäubender Kanonendonner über die Dächer der Stadt: die One o'Clock Gun. Dieser Schuss wurde achtzehnhunderteinundsechzig eingeführt, damit die Kapitäne der Handelsschiffe unten im Hafen von Leith ihre Schiffschronometer auf die Sekunde genau stellen konnten.
In der königlichen Schatzkammer ruhen die Honours of Scotland, die ältesten Kronjuwelen der britischen Inseln, geschmiedet fünfzehnhundertvierzig, zusammen mit dem legendären Stein von Scone, dem jahrtausendealten Krönungsstein der schottischen Könige, der neunzehnhundertsechsundneunzig nach siebenhundert Jahren aus London nach Edinburgh zurückkehrte.
Wende dich nun nach Osten und beginne den Abstieg über die kopfsteingepflasterte Royal Mile.
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2. Castlehill & The Witches' Well: Das dunkle Erbe des Hexenwahns
Castlehill, Edinburgh EH1 2ND
Bleib an der steinernen Außenmauer am oberen Ende des Castlehill vor dem kleinen bronzenen Brunnenrelief des Witches' Well stehen. Das Jugendstilrelief von achtzehnhundertvierundneunzig zeigt den Kopf der Schlangengöttin Hygieia und erinnert an eines der düstersten Kapitel der schottischen Geschichte.
Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, unter der fanatischen Regentschaft von König Jakob dem Sechsten, der sogar ein eigenes Lehrbuch über Dämonologie verfasste, wurden in Schottland mehr Menschen wegen Hexerei hingerichtet als in jedem anderen Land Europas. Genau hier auf der Schloss-Esplanade wurden über dreihundert unschuldige Frauen, Hebammen und Kräuterkundige nach grausamer Folter lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Gegenüber ragen historische Stadthäuser empor, in denen im neunzehnten Jahrhundert die ersten Pioniere der Aufklärung lebten, während heute die Camera Obscura und die Scotch Whisky Experience Besucher aus aller Welt anziehen.
Folge dem Straßenverlauf der Royal Mile abwärts zum Vorplatz der St Giles' Cathedral.
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3. St Giles' Cathedral: Die Wiege der presbyterianischen Reformation
High St, Edinburgh EH1 1RE
Tritt vor das Westportal von St Giles' Cathedral und blicke hinauf zum einzigartigen gotischen Turmhelm in Form einer steinernen Kaiserkrone, der seit vierzehnhundertfünfundneunzig über die High Street wacht. Obwohl sie traditionell als Kathedrale bezeichnet wird, ist St Giles die historische Hauptpfarrkirche Edinburghs und die Mutterkirche der Church of Scotland.
Im sechzehnten Jahrhundert wurde diese Kanzel zum Epizentrum der schottischen Reformation. Hier wetterte der feurige Reformator John Knox gegen das Papsttum und die junge katholische Königin Maria Stuart, schaffte die lateinische Messe ab und begründete den schottischen Presbyterianismus.
Schau auf das Kopfsteinpflaster vor dem Westportal: Dort ist ein Mosaik in Herzform aus Granitsteinen eingelassen, das Heart of Midlothian. Es markiert den Standort des berüchtigten alten Gefängnisses Tolbooth. Bis heute spucken Einheimische im Vorbeigehen respektvoll auf das Herz—eine alte Tradition, die einst Verachtung für den Kerker ausdrückte und heute Glück bringen soll!
Betritt die engen, schattigen Gassen der Mary King's Close direkt gegenüber.
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4. Die Closes der Royal Mile: Die geheime Unterwelt der Altstadt
2 Warriston's Cl, High St, Edinburgh EH1 1PG
Biege von der breiten Royal Mile in einen der schmalen, finsteren Bogengänge ab: die Closes. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert war Edinburgh von einer festen Stadtmauer umgeben, der Flodden Wall. Weil der Platz begrenzt war, konnten die Bürger nicht in die Breite bauen—also bauten sie in die Höhe! So entstanden hier die allerersten Wolkenkratzer Europas: bis zu vierzehn Stockwerke hohe Holzhäuser, in denen tausende Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht lebten.
Jeden Abend um zweiundzwanzig Uhr hallte der gefürchtete Ruf Gardyloo! durch die finsteren Gassen—abgeleitet vom französischen Gare de l'eau, Achtung Wasser!—bevor die Bewohner ihre Nachttöpfe mit Fäkalien direkt aus den oberen Fenstern auf das Kopfsteinpflaster leerten.
Tief unter den heutigen City Chambers liegt The Real Mary King's Close: eine echte, vom Ausbruch der Beulenpest sechzehnhundertfünfundvierzig heimgesuchte Gasse, die im achtzehnten Jahrhundert beim Bau der Stadthalle einfach überbaut und als unterirdische Geisterstadt konserviert wurde.
Schlendere weiter talwärts am historischen John Knox House vorbei.
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5. John Knox House & Die Netherbow Bell: Das letzte Juwel des 16. Jahrhunderts
43-45 High St, Edinburgh EH1 1SR
Bleib vor der malerischen Fassade des John Knox House stehen und betrachte die vorragenden hölzernen Erker, die Außentreppe und die geschnitzte Sonnenuhr an der Ecke. Erbaut um vierzehnhundertneunzig und im sechzehnten Jahrhundert erweitert, ist dies das einzige originale Wohnhaus des schottischen Renaissance-Zeitalters, das den Abrisswellen der Royal Mile entging.
Traditionell wird angenommen, dass der Reformator John Knox in seinen letzten Lebensmonaten vor seinem Tod fünfzehnhundertzweiundsiebzig hier wohnte. Dieser Legende verdankt das Gebäude sein Überleben: Als im neunzehnten Jahrhundert fast alle Nachbarhäuser abgerissen wurden, verhinderte der schottische Volkszorn den Abriss des vermeintlichen Wohnhauses ihres Nationalhelden.
Tatsächlich gehörte das prächtige Haus James Mossman, dem königlichen Goldschmied von Maria Stuart, der der katholischen Königin während der Belagerung der Burg treu blieb und deshalb fünfzehnhundertdreiundsiebzig gehängt wurde. In den Innenräumen sind kunstvoll bemalte Holzdecken aus dieser Zeit erhalten.
Tritt über die Kopfsteinpflasterlinie, die das einstige Stadttor Netherbow Port markiert, in den Stadtteil Canongate ein.
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6. Canongate Tolbooth & Friedhof: Das Viertel der Dichter und Geister
163 Canongate, Edinburgh EH8 8BN
Blicke hinauf zu der weit über die Straße ragenden, reich verzierten Turmuhr der Canongate Tolbooth. Erbaut fünfzehnhunderteinundneunzig, diente dieses burgartige Renaissancegebäude als Rathaus, Zollstation und gefürchtetes Gefängnis der bis achtzehnhundertsechsundfünfzig völlig eigenständigen Stadt Canongate, durch die die Geistlichen der Abtei Holyrood schritten.
Biege auf den dahinterliegenden Canongate Kirkyard ein: Auf diesem friedlichen, von alten Ulmen beschatteten Friedhof liegt der Gründervater der modernen Nationalökonomie begraben, Adam Smith, der Autor des bahnbrechenden Werkes Der Wohlstand der Nationen von siebzehnhundertsechsundsiebzig.
Unweit davon steht das Grab des jungen Dichters Robert Fergusson, der mit nur vierundzwanzig Jahren in einer städtischen Anstalt starb. Robert Burns, Schottlands Nationaldichter, bewunderte ihn so sehr, dass er aus eigener Tasche den Grabstein für sein mittelloses Vorbild finanzierte.
Gehe bis ans untere Ende der Royal Mile, wo sich die Tore des Palastes von Holyroodhouse öffnen.
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7. Palace of Holyroodhouse: Die königliche Residenz und Maria Stuart
Canongate, Edinburgh EH8 8DX
Stehe auf dem weitläufigen Schlossplatz vor den Toren des Palace of Holyroodhouse und blicke auf die vier runden Türme der Westfassade, während sich im Hintergrund die wilden Hänge des erloschenen Vulkans Arthur's Seat erheben. Seit fünfhundert Jahren ist dieser Palast die offizielle königliche Residenz der Monarchen in Schottland.
Hier spielte sich eines der blutigsten Dramen des schottischen Königshauses ab: Im März fünfzehnhundertsechsundsechzig stürmte Lord Darnley, der eifersüchtige Ehemann der schwangeren Maria Stuart, mit verschworenen Adligen in das kleine Schlafgemach der Königin im Nordwestturm. Vor den Augen der entsetzten Königin zerrten sie ihren italienischen Privatsekretär David Rizzio hervor und erstachen ihn mit sechsundfünfzig Dolchstößen.
Direkt neben dem Barockpalast ragen die dachlosen, romantischen Bögen der Holyrood Abbey in den schottischen Himmel, gegründet elfhundertachtundzwanzig von König David dem Ersten, nachdem ihm der Legende nach bei der Hirschjagd ein leuchtendes Kruzifix zwischen dem Geweih eines Hirsches erschienen war.
Blicke hinauf zu den schroffen Klippen von Salisbury Crags. Du hast die gesamte Royal Mile durchschritten—von den feurigen Anfängen auf dem Vulkan bis zum königlichen Thron der Stuart-Könige.