Kreuzberg Szene & Spree: Streetart, Hausbesetzer und Kiez-Kultur
Ein Spaziergang durch Berlins legendärsten Rebellionsbezirk—von der neogotischen Oberbaumbrücke und der East Side Gallery zur Oranienstraße und dem Viktoriapark
Berlin · 7 stops · 9 min audio · Generated
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1. Oberbaumbrücke: Die Doppelturmbrücke zwischen Ost und West
Oberbaumbrücke, 10243 Berlin, Deutschland
Treten Sie auf den hölzernen Arkadengang der Oberbaumbrücke und lassen Sie den Blick über das breite Wasser der Spree schweifen. Über Ihnen ragen zwei vierundfünfzig Meter hohe, zinnengekrönte Wehrtürme aus leuchtend rotem märkischen Backstein auf, während im Minutentakt die gelben Waggons der U-Bahn-Linie Eins über das stählerne Viadukt rattern.
Erbaut zwischen achtzehnhundertvierundneunzig und achtzehnhundertsechsundneunzig von Architekt Otto Stahn im Stil der märkischen Backsteingotik, symbolisierte die Brücke das alte Stadttor an der Spree, wo einst nachts ein schwerer Baumstamm den Fluss für Zöllner sperrte. Während des Kalten Krieges war die Brücke ein streng bewachter Grenzübergang für Fußgänger zwischen Ost-Berlin und West-Berlin.
Nach dem Mauerfall wurde die Brücke zum Wahrzeichen des vereinten Berlin: Seit neunzehnhundertachtundneunzig tragen die Bewohner von Kreuzberg und Friedrichshain hier jährlich eine legendäre, satirische Gemüseschlacht mit faulen Tomaten und Mehlbeuteln aus.
Gehen Sie hinüber auf das Friedrichshainer Ufer zur kilometerlangen Open-Air-Galerie der Berliner Mauer.
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2. East Side Gallery und der Bruderkuss: Eintausenddreihundert Meter Mauer
Mühlenstraße 73, 10243 Berlin, Deutschland
Treten Sie vor die graue Betonwand der East Side Gallery und folgen Sie mit den Augen dem berühmtesten Wandbild der Welt: Dem sozialistischen Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, gemalt von Dmitri Wrubel unter dem Titel Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben.
Mit eintausenddreihundertsechzehn Metern Länge ist dieser Mauerabschnitt entlang der Spree das längste zusammenhängende Teilstück der Berliner Mauer, das die Wende überdauerte. Im Frühjahr neunzehnhundertneunzig bemalten einhundertachtzehn internationale Künstler den einstigen Todesstreifen und schufen die größte Open-Air-Galerie der Erde als Monument der Freiheit.
Wenige Meter weiter durchbricht Birgit Kinders Trabant die Betonwand, versehen mit dem Kennzeichen Test the Best, ein Sinnbild für den Freiheitsdrang der DDR-Bürger im November neunzehnhundertneunundachtzig.
Überqueren Sie erneut die Spree und tauchen Sie ein in das bunte Treiben des Wrangelkiezes.
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3. Görlitzer Park und Wrangelkiez: Der Freigeistige Puls von SO36
Wiener Straße, 10999 Berlin, Deutschland
Gehen Sie durch die alten Backsteinpfeiler an der Wiener Straße hinein in die weite Wiesenmulde des Görlitzer Parks. Wo heute Menschen auf Picknickdecken sitzen, Straßenmusiker Gitarre spielen und Kinder auf dem Abenteuerspielplatz toben, dampften einst mächtige preußische Lokomotiven auf ihrem Weg nach Cottbus und Görlitz ein und aus.
Der achtzehnhundertsechsundsechzig eröffnete Görlitzer Bahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und in den Nachkriegsjahrzehnten vollständig abgerissen. Ende der achtziger Jahre erkämpften die Kreuzberger Bürger gegen die Pläne für eine Stadtautobahn diesen grünen Freiraum als Ort für alternative Kultur und Begegnung.
Rings um den Park im Wrangelkiez pulsiert ein multikultureller Kosmos aus türkischen Bäckereien, veganen Ramen-Bars und kleinen Buchläden, der den unverwechselbaren Spirit des alten Postbezirks Südost sechsunddreißig verkörpert.
Schlendern Sie durch die Falckensteinstraße hinüber zum historischen Mariannenplatz.
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4. Mariannenplatz und Künstlerhaus Bethanien: Hospital und Kunstlabor
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin, Deutschland
Treten Sie auf die gepflasterte Allee des Mariannenplatzes und blicken Sie hinauf zu der schlossartigen Fassade des Künstlerhauses Bethanien. Mit seinen zwei neoromanischen Türmen, gelben Klinkern und weiten Arkadenflügeln wirkt das Gebäude eher wie eine fürstliche Residenz als wie ein ehemaliges städtisches Krankenhaus.
Gegründet im Jahr achtzehnhundertsiebenundvierzig von König Friedrich Wilhelm dem Vierten als Diakonissen-Krankenhaus, arbeitete hier kein Geringerer als der berühmte Dichter Theodor Fontane zwischen achtzehnhundertachtundvierzig und achtzehnhundertneunundvierzig als leitender Apotheker und bildete junge Krankenschwestern in der Arzneimittellehre aus.
Als das Hospital neunzehnhundertsiebzig abgerissen werden sollte, besetzten Bürger und Künstler den Gebäudekomplex und verhinderten den Abriss; daraus entstand die Rauch-Haus-Bewegung, die von der Kultband Ton Steine Scherben im legendären Rauch-Haus-Song besungen wurde.
Biegen Sie in die pulsierende Ader der Kreuzberger Revolte ein: die legendäre Oranienstraße.
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5. Oranienstraße und SO36: Das Wohnzimmer der Punks und Hausbesetzer
Oranienstraße 190, 10999 Berlin, Deutschland
Mischen Sie sich unter das bunte Stimmengewirr auf den Trottoirs der Oranienstraße. Zwischen schattigen Kastanienbäumen reihen sich urige Buchläden, Traditions-Kneipen, bunte Schaufenster und historische Fassaden aneinander, an denen bunte Graffiti und Mosaike die Mauern zieren.
Bei der Hausnummer einhundertneunzig stehen Sie vor dem legendären Musikclub SO sechsunddreißig, benannt nach dem alten Postzustellbezirk Südost sechsunddreißig. In den späten siebziger Jahren traten hier David Bowie, Iggy Pop und die Pioniere der deutschen Punk- und New-Wave-Welle auf und machten Kreuzberg zur Welthauptstadt alternativer Subkultur.
Hier in der Oranienstraße und am Heinrichplatz tobten in den achtziger Jahren die heftigsten Häuserkämpfe Berlins, als Besetzer hunderte zum Abriss freigegebene Gründerzeithäuser retteten und mit selbstverwalteten Wohnprojekten das moderne Kreuzberger Kiez-Gefühl schufen.
Schlendern Sie nach Süden in Richtung des schattigen Ufers des Landwehrkanals zur Admiralbrücke.
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6. Admiralbrücke am Landwehrkanal: Sonnenuntergänge und Schwanenflügel
Admiralbrücke, 10967 Berlin, Deutschland
Stellen Sie sich auf die gusseiserne Admiralbrücke und schauen Sie entlang der von Weiden und Trauerbuchen gesäumten Wasserstraße des Landwehrkanals. Schwäne gleiten lautlos über das dunkelgrüne Wasser, während an lauen Sommerabenden hunderte Menschen auf den granitnen Bordsteinen und Pollern der Brücke mit einem Flaschenbier in der Hand den Sonnenuntergang feiern.
Die achtzehnhundertdreiundachtzig nach Entwürfen von Georg Pinkenburg errichtete Brücke ist die älteste erhaltene schmiedeeiserne Bogenbrücke über dem Landwehrkanal. Ihre zierlichen schmiedeeisernen Rosettengeländer und der Kopfsteinpflasterbelag stehen seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz.
Unweit von hier, am Ufer des Landwehrkanals, wurde im Januar neunzehnhundertneunzehn die Leiche der ermordeten Revolutionärin Rosa Luxemburg ins Wasser geworfen, woran heute ein schlichtes Denkmal am Kanalufer erinnert.
Nehmen Sie den Weg westwärts durch den Bergmannkiez zum höchsten Punkt des Bezirks: dem Viktoriapark.
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7. Viktoriapark und Nationaldenkmal: Der Höchste Berg und der Wasserfall
Katzbachstraße, 10965 Berlin, Deutschland
Steigen Sie die bewaldeten Pfade des Viktoriaparks hinauf, vorbei an dem schäumenden künstlichen Gebirgs-Wasserfall, der über felsige Granitkaskaden vierundzwanzig Meter tief in ein steinernes Teichbecken stürzt. Oben auf der sechsundsechzig Meter hohen Kuppe des Hügels stehen Sie vor dem monumentalen, gusseisernen Nationaldenkmal von Karl Friedrich Schinkel.
König Friedrich Wilhelm der Dritte ließ dieses Denkmal achtzehnhunderteinundzwanzig zur Erinnerung an die Siege über Napoleon in den Befreiungskriegen errichten. Da der gotische Turm wie ein eisernes Kreuz gestaltet war, gaben die Berliner dem Hügel den Namen Kreuzberg, von dem der gesamte Weltbezirk schließlich seinen Namen erbte.
Schauen Sie an den Hängen unterhalb des Denkmals genau hin: Hier wächst der echte Kreuzberger Wein, aus dem jährlich wenige hundert Flaschen des berühmten Kreuz-Neroberger gekeltert werden, die der Bezirk nur an Ehrengäste verschenkt.
Blicken Sie über das weite Dächermeer Berlins hinweg bis zum Fernsehturm. Sie haben die lebendige Geschichte von Kreuzberg erfahren.