Goldenes Zeitalter der Grachten: Rembrandts Spuren, die Magere Brug und Kaufmannspaläste
Vom bronzenen Nachtwache-Ensemble über historische Schleusenbrücken bis zu den Kaufmannspalästen der Herengracht
Amsterdam · 7 stops · 10 min audio · Generated
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1. Rembrandtplein & Das Bronze-Ensemble der Nachtwache
Rembrandtplein, 1017 CT Amsterdam
Stelle dich mitten auf das Pflaster des Rembrandtpleins und blicke hinauf zur gusseisernen Statue von Rembrandt van Rijn, geschaffen im Jahr achtzehnhundertzweiundfünfzig als das älteste erhaltene Standbild der Stadt. Doch das wahre Spektakel steht zu seinen Füßen: zweiundzwanzig lebensgroße Bronzefiguren, die Rembrandts berühmtestes Gemälde, Die Nachtwache, dreidimensional im Raum zum Leben erwecken!
Tritt direkt zwischen die bronzenen Figuren von Hauptmann Frans Banninck Cocq im feinen Spitzenkragen und Leutnant Willem van Ruytenburch mit seiner Hellebarde. Die russischen Bildhauer Michail Dronow und Alexander Taratynow schufen diese Gruppe im Jahr zweitausendsechs. Du kannst hier buchstäblich durch das Gemälde spazieren: vom trommelnden Soldaten bis zum geheimnisvollen kleinen Mädchen mit dem toten Huhn am Gürtel.
Rembrandt vollendete das monumentale Ölgemälde im Jahr sechzehnhundertzweiundvierzig für die Bürgerwehr. Anders als traditionelle Maler stellte er die Schützen nicht in steifer Reihe auf, sondern fing einen dynamischen Ausmarsch voller Bewegung, Trommelwirbel und dramatischem Helldunkel ein.
Schlendere nun nach Osten über die Amstel zur Jodenbreestraat, wo Rembrandts originales Wohnhaus steht.
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2. Museum Rembrandthuis: Das Atelier des Meisters
Jodenbreestraat 4, 1011 NK Amsterdam
Bleibe vor der roten Haustür und den grünen Fensterläden des Hauses Nummer vier in der Jodenbreestraat stehen. In diesem vornehmen Backsteinhaus aus dem Jahr sechzehnhundertsechs lebte und arbeitete Rembrandt van Rijn von sechzehnhundertneununddreißig bis sechzehn hundertachtundfünfzig auf dem absoluten Höhepunkt seines Ruhmes und Reichtums.
Rembrandt kaufte das repräsentative Haus für die astronomische Summe von dreizehntausend Gulden und verschuldete sich dabei hoffnungslos. Im lichtdurchfluteten Atelier im ersten Stock mischte er Farbpigmente aus gemahlenem Lapislazuli, Ocker und Knochenasche und bildete Dutzende Schüler aus. Gleichzeitig sammelte er besessen exotische Muscheln, römische Büsten, Waffen und Tierpräparate in seiner Kunstkammer.
Sein kostspieliger Lebensstil und das Ausbleiben lukrativer Aufträge führten im Jahr sechzehnhundertsechsundfünfzig zum Ruin: Rembrandt musste Bankrott anmelden. All seine Gemälde, Druckgrafiken und Sammlungen wurden öffentlich versteigert, und der Meister zog als verarmter Mann in ein kleines Miethaus im Viertel Jordaan.
Tritt hinaus an den Amstel-Fluss zur historischen Blauwbrug.
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3. Blauwbrug: Pariser Eleganz über der Amstel
Blauwbrug, 1017 CT Amsterdam
Tritt auf die steinerne Fahrbahn der Blauwbrug und stütze deine Arme auf das kunstvolle gusseiserne Brückengeländer. Wende deinen Blick flussaufwärts: Vor dir öffnet sich das weite, glitzernde Flussbett der Amstel, die dieser Stadt ihren Namen gab: Amstel-Redam, der Damm an der Amstel.
Obwohl die Brücke aus weißem Stein und rötlichem Granit besteht, heißt sie Blauwbrug, also Blaue Brücke. Der Grund liegt in ihrer Geschichte: Um sechzehnhundert stand hier eine einfache Holzbrücke, die im typischen Blau der Amsterdamer Stadtfarben gestrichen war. Als Architekt Willem Springer die Brücke im Jahr achtzehnhundertdreiundachtzig neu baute, ließ er sich von den eleganten Brücken über die Seine in Paris inspirieren.
Schau auf die Brückenpfeiler und die schmiedeeisernen Laternenpfähle: Sie sind mit Schiffsbugen und der kaiserlichen Krone von Österreich verziert. Kaiser Maximilian der Erste verlieh Amsterdam im Jahr vierzehnhundertneunundachtzig das Recht, die Kaiserkrone in seinem Wappen zu führen, als Dank für finanzielle Kredite während der Haken- und Kabeljau-Kriege.
Folge dem Uferweg weiter nach Süden zur weltberühmten Magere Brug.
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4. Magere Brug: Die schmale Holzbrücke der Verliebten
Magere Brug, 1018 EJ Amsterdam
Betritt die hölzernen Dielen der Magere Brug und halte genau in der Mitte auf den hölzernen Klappen an. Wenn ein Ausflugsboot oder eine Segelyacht heranfährt, kannst du beobachten, wie sich die beiden hölzernen Wippen mit Ketten und Gegengewichten lautlos nach oben heben. Du stehst auf der berühmtesten und romantischsten Brücke der Niederlande.
Eine alte Legende erzählt, die Brücke sei von zwei wohlhabenden Schwestern namens Mager erbaut worden, die auf gegenüberliegenden Seiten der Amstel wohnten und sich gegenseitig jeden Tag besuchen wollten. In Wahrheit war die erste Holzbrücke aus dem Jahr sechzehn hunderteinundneunzig so extrem schmal gebaut, dass kaum zwei Fußgänger aneinander vorbeikamen, weshalb die Amsterdamer sie schlicht magere Brücke tauften.
Ein lokaler Aberglaube verspricht: Wenn sich zwei Liebende auf dieser Holzbrücke küssen, während unter ihren Füßen ein Boot hindurchgleitet, hält ihre Liebe für die Ewigkeit. Bei Einbruch der Dunkelheit wird die weiße Brücke von genau eintausendzweihundert kleinen Glühlampen erleuchtet und spiegelt sich magisch im schwarzen Wasser der Amstel.
Verlasse das Amstel-Ufer und biege nach Westen in den vornehmen Grachtengürtel zur Herengracht ein.
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5. Gouden Bocht der Herengracht: Der Bogen des Reichtums
Herengracht 468, 1017 CA Amsterdam
Bleibe am Ufer der Herengracht zwischen Leidsestraat und Vijzelstraat stehen und lass deinen Blick über die monumentalen Fassaden wandern. Du stehst an der Gouden Bocht, der Goldenen Biegung: der teuersten und vornehmsten Wohnadresse des Goldenen Zeitalters in ganz Europa. Während normale Grachtenhäuser aus Platzgründen schmal und tief gebaut wurden, durften sich hier die reichsten Kaufleute zwei oder drei Parzellen nebeneinander kaufen.
Schau auf die noblen Fassaden aus hellem Sandstein, verziert mit klassischen ionischen Säulen, korinthischen Pilastern und balustradengeschmückten Attiken von Architekt Philips Vingboons. Hier residierten die mächtigen Direktoren der Vereinigten Ostindischen Kompanie, der VOC, die mit Pfeffer, Muskat, Seide und Porzellan das erste globale Handelsimperium der Weltgeschichte aufbauten.
Hinter diesen herrschaftlichen Fassaden verbergen sich riesige, von der Straße unsichtbare private Barockgärten mit Brunnen und Kutschenhäusern. Wer hier wohnte, besaß so viel Gold, dass die Amsterdamer spotteten, die Herrschaften würden ihre Pflastersteine mit Goldmünzen verlegen lassen.
Folge der Keizersgracht und Prinsengracht nordwärts zur stolzen Turmspitze der Westerkerk.
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6. Westerkerk & Rembrandts Grab: Der Höchste Turm der Stadt
Prinsengracht 281, 1016 GW Amsterdam
Tritt vor die Westfassade der Westerkerk an der Prinsengracht und schau empor zum Westertoren: Mit fünfundachtzig Metern Höhe ist sein schlanker Kirchturm der höchste Kirchturm von ganz Amsterdam. Gekrönt wird die Spitze von der leuchtend blauen und roten kaiserlichen Krone Maximilians von Habsburg. Die Glocken des berühmten Glockenspiels von François Hemony erklingen seit sechzehnhundertachtundfünfzig über den Grachten.
Tritt in den lichten, calvinistisch schlichten Innenraum der Kirche: Genau hier wurde am achten Oktober sechzehnhundertneun undsechzig der größte Maler der Niederlande, Rembrandt van Rijn, beerdigt. Er starb völlig verarmt und vergessen im Jordaan-Viertel. Weil er kein Geld für eine Familiengruft besaß, wurde sein Leichnam in einem gemieteten, unmarkierten Armengrab verscharrt. Nach zwanzig Jahren wurden seine Knochen nach damaliger Sitte ausgegraben und vernichtet.
Nur eine schlichte Gedenktafel an einer Pfeilersäule erinnert heute an den unsterblichen Meister des Lichts. Direkt nebenan im Hinterhaus an der Prinsengracht lauschte das junge jüdische Mädchen Anne Frank dem Glockenspiel dieses Turmes, als sie sich vor den Nazis versteckte.
Tritt hinaus an die Kaimauer der Prinsengracht zum Abschluss unseres Weges.
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7. Prinsengracht & Das Leben auf dem Wasser: Hausboote und Schleusen
Prinsengracht, 1016 GW Amsterdam
Lehne dich an die gemauerte Backsteinbrüstung der Grachtenbrücke an der Prinsengracht und schau hinab auf die bunten Hausboote, die friedlich im Wasser schaukeln. Schlingpflanzen ranken über kleine Holzdecks, Sonnenblumen blühen in Tontöpfen, und durch die Gardinen sieht man Bewohner beim Abendessen sitzen. Über zweitausendfünfhundert fest vertäute Hausboote prägen heute das Stadtbild von Amsterdam.
Diese schwimmende Wohnkultur entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus schierer Wohnungsnot. Ausgemusterte hölzerne und stählerne Frachtschiffe, die früher Torf, Ziegel und Käse über die Zuiderzee transportierten, wurden von Studenten, Künstlern und Hippies in den sechziger Jahren zu günstigen Wohnungen umgebaut. Heute sind die Liegeplätze streng limitiert und so begehrt wie Luxusappartements.
Schau auf die jahrhundertealten Ulmen, die das Grachtenufer säumen: Amsterdam ist die Ulmenhauptstadt Europas mit über fünfundsiebzigtausend Bäumen, deren Wurzeln das Grachtenmauerwerk stabilisieren.
Wenn sich die Lichter der Grachtenhäuser im dunklen Wasser spiegeln und das Wasser sanft gegen die Kähne plätschert, spürst du die zeitlose Seele Amsterdams: eine Stadt, die dem Meer abgerungen wurde und zur Welthauptstadt von Freiheit, Kunst und Toleranz heranwuchs.